Lernen am Schneckenberg

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Enthüllt: Stadtrat Paul-Gerhard Weiß (rechts) und ESO-Chef Peter Walther (2. von rechts) präsentieren die erste von insgesamt zehn Info-Tafeln, die auf dem Schneckenberg aufgestellt werden. Darüber freuen sich OVO-Vorsitzender Klaus Keller (links) und Markus Töpfer, Geschäftsführer der Rhein-Main Deponienachsorge GmbH.

Offenbach - Auf der ehemaligen Mülldeponie beginnt eine neue Zeitrechnung: Ein Lehrpfad bringt Geschichte, Fauna und Flora näher, eine Photovoltaikanlage liefert Strom. Nur der Zaun wird nicht verschwinden. Von Matthias Dahmer

Die regelmäßigen Besucher auf dem Schneckenberg sind derzeit noch die eher ungebetenen: Wildschweine wühlen sich ab und zu mal unter den Zäunen hindurch, welche Offenbachs höchste Erhebung umgeben. Das wird sich ändern: Künftig sollen beispielsweise Schulklassen die 179 Meter begrünten Müllberg erklimmen dürfen und auf ihrem Weg lernen können, was auf zehn Informationstafeln zu Geschichte, Flora und Fauna des Areals steht.

Zu diesem Lehrpfad hinzu kommt eine Photovoltaik-Anlage, die im nächsten Jahr gebaut und drei Hektar der Südseite des Bergs einnehmen wird, berichtet Markus Töpfer, Geschäftsführer der Rhein-Main Deponienachsorge GmbH, gestern bei Enthüllung der ersten Lehrpfad-Tafel am Fuße der ehemaligen Deponie. Das Unternehmen kümmert sich um die ehemalige Müllkippe Grix. Das Planungsrecht für das Voltaik-Projekt werde derzeit geschaffen, sagt Töpfer. Die bislang größte Anlage in Offenbach soll bis zu 1,5 Megawatt Strom liefern. Sie kann damit maximal 400 Haushalte versorgen.

Die ersteInfo-Tafel - sie steht vor dem Eingangstor - enthält Informationen in Text und Bild zur wechselvollen Geschichte des Schneckenbergs, auf dem ab 1874 Kalkstein abgebaut und der ab den 1960er-Jahren als Mülldeponie genutzt wurde. Die Tafel markiert auch den Beginn einer neuen Zeitrechnung für das Gelände. Man werde es damit wieder in das Bewusstsein der Offenbacher holen, ist sich Paul-Gerhardt Weiß sicher. Der Stadtrat freut er sich besonders über den pädagogischen Aspekt der neuen Einrichtung, die so etwas wie Heimatkunde vermittle. Als ständige Freizeiteinrichtung, schränkt der Liberale ein, könne man den Schneckenberg aber auch künftig nicht nutzen. Dazu sei das ehemalige Deponiegelände einfach „zu fragil“.

Auch Peter Walther, Chef des Stadtdienstleisters ESO, macht keine Hoffnung darauf, dass die Zäune verschwinden. Doch das Tor müsse ab und zu geöffnet werden. Es gelte, den Berg den Offenbachern wieder nahe zu bringen. Als der ESO das Gelände gegen Ende der Sanierung übernommen habe, so Walther weiter, sei klar gewesen, dass man nicht nur 30 Jahre draufschauen wollte.

Maßgeblichen Anteil an der Installation des Kultur- und Lehrpfads hat der seit 1997 am Schneckenberg beheimatete Offenbacher Verwaltungs- und Organisationsverein (OVO). Für dessen Vorsitzenden Klaus Keller ist es denn auch ein „denkwürdiger Tag“. Er kündigt an, dass sich die zweite Informationstafel - innerhalb des Zauns - den Fossilienfunden widmen werde. Der Name „Schneckenberg“ geht auf den Umstand zurück, dass im abgebauten Kalksandstein viele fossile Einschlüsse der Weichtiere gefunden wurden. Der Hobbyarchäologe Wolfgang Ott steuert bei den Inhalten der Fossilien-Tafel sein Wissen bei.

Weitere Informationsschilder sind geplant unter anderem zu Pflanzen, Waldtieren und Mineralien auf dem Areal. Nicht zuletzt ist mit Blick auf die Photovoltaik-Anlage eine Tafel vorgesehen, die sich mit dem Thema Energie befasst.

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