Lernen, treffen und beten

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Der Bildungs- und Kulturverein hat das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs an der Marienstraße gekauft und will dort vor allem Kinder- und Jugendarbeit betreiben. Von links: Vorsitzender Süleyman Yesirci, Erdinc und Yasin Özcan.

Offenbach ‐ Neue Fenster, und ein Dixi-Klo im Hof sind untrügliche Zeichen dafür, dass Bauarbeiten im Gange sind. Lange hat er geschlafen der ehemalige Güterbahnhof an der Marienstraße 105, doch gerade wird ihm neues Leben eingehaucht. Von Simone Weil

Die Arbeiten mit Presslufthammer und Putz sind weitestgehend abgeschlossen, neue Leitungen wurden verlegt und sobald es wärmer wird, können die Räume des ehemaligen Verwaltungsgebäudes der Bahn tapeziert werden.

Ein Schild kündet vom neuen Mieter, der sich derzeit einrichtet: Es ist der Offenbacher Bildungs- und Kulturverein. In ihm haben sich in den 1980er-Jahren Migranten zusammengeschlossen, die in den frühen 70ern als Gastarbeiter aus der Türkei eingewandert waren. Dass sie ihren Aktivitäten in Deutschland eine soziale und rechtlichen Form geben mussten, war ihnen schnell klar. 25 Jahre war der Verein als eine Zweigstelle des Verbands der islamischen Kulturzentren (VIKZ) eingetragen. Im Jahr 2005 strukturierte sich die heute etwa 80 Mitglieder zählende Organisation neu und änderte ihren Namen.

Wir machen soziale, kulturelle sowie religiöse Angebote und sind in der Jugendförderung, der Bildung und Erziehung sowie der Integration tätig“, erläutert der stellvertretende Sekretär Yasin Özcan vom Vorstand. Der Verein setzt vor allem einen Schwerpunkt in der Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit. Dazu gehört zum Beispiel auch Nachhilfeunterricht für die Migrantenkinder. Damit sie künftig direkt nach der Schule an der Marienstraße vorbeikommen können, soll täglich gekocht und dem Nachwuchs ein Mittagessen angeboten werden, sagt Vorsitzender Süleyman Yesirci.

Gebete, Tischkicker, Seminare

Einführungen in den Koran soll es mit Unterstützung ehrenamtlicher Helfer ebenso geben wie sportliche Angebote oder Freizeitspaß am Tischkicker. Neben einem Gebetsraum entstehen Seminarräume, die flexibel genutzt werden können. Auch ein Café als Treff für die Mitglieder ist geplant.

Yasin Özcan, der auch dem Offenbacher Ausländerbeirat angehört, hofft, an der Marienstraße auch ein so erfolgreiches Projekt wie „Mama lernt Deutsch“ anbieten zu können. „Die Nachfrage ist groß“, meint er. Geplant ist auch, Eltern zu unterstützen, die ihre Kinder wegen mangelnder Sprachkenntnisse nicht zum Elternabend oder zum Arzt begleiten können.

Das bislang genutzte Domizil an der Frankfurter Straße 74a wurde der Organisation zu klein. Deswegen hatte sie sich schon vor Jahren bereits einmal um die ehemalige Bahnliegenschaft bemüht. Jetzt hat die Kölner Dachorganisation das 6080 Quadratmeter große Gelände von der „aurelis Real Estate GmbH & Co. KG“, einem Unternehmen der Hochtief Projektentwicklung und Redwood Grove International, für 440 000 Euro gekauft.

Noch einmal so viel Geld wird der Offenbacher Verein in die Sanierung stecken, schätzt Erdinc Özcan, der die Eigenleistung der Mitglieder nicht eingerechnet hat. Den finanziellen Aufwand verrechnet der Verband später mit der Miete.

Bezugsfertig im Frühjahr

Das frühere Verwaltungsgebäude mit etwa 250 Quadratmetern Fläche soll im Frühjahr bezogen werden können, hofft der Vorstand. Zur Einweihung wird es auch ein Freundschaftsfest für die Nachbarschaft geben, die schon jetzt interessiert das Geschehen in dem Gebäudekomplex beobachtet, in dem vorübergehend Automaten-Hofmann sein Domizil hatte.

Auch die angrenzende Lagerhalle, in der noch einmal etwa 1000 Quadratmeter Fläche zur Verfügung stehen, wird modernisiert. Noch dominieren im Innern große Holzschiebetüren und riesige Lastenaufzüge. In einem Jahr soll das auch anders sein. Außer den Betonrampen, die verschwinden sollen, werde sich das Äußere des Gebäudes nicht verändern, verspricht Vorsitzender Yesirci.

Er plant, das Außengelände, das sich hinter dem Gebäude befindet, mit einem Zaun von den Bahngleisen zu trennen und zu sichern. Dann soll es für Freizeitaktivitäten und Feste genutzt werden. Darüber hinaus entstehen auch Parkplätze.

Die teils marode Mauer, die das Grundstück zwischen Bahndamm und Marienstraße begrenzt, sei gemeinsam mit einem Verantwortlichen der Bahn, die noch für ein kleines Stück zuständig ist, begutachtet worden, sagt Yesirci. Die durch Baumwurzeln entstandenen Schäden seien ausgebessert worden - soweit es die derzeitige Witterung zulasse. Die Bahn habe sich in dem von ihr betreuten Abschnitt von der Standfestigkeit der Mauer überzeugt, erklärte ein Sprecher. Man werde sie weiter „beobachten“.

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