„beat beat beat"

Letzte Beats einer Erfolgsgeschichte

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Das letzte „beat beat beat“

Offenbach - Eine Ära ging am Samstag zu Ende. Zum letzten Mal erklang „beat beat beat“ in der Stadthalle. Noch einmal kamen rund 1600 Besucher, um mit vier Kultbands die legendäre Musik der Sixties zu feiern. Von Harald H. Richter

Nervosität? Nein, eher hat ihn konstruktive Unruhe befallen. Wie immer, könnte man sagen. Doch die Rastlosigkeit legt sich, je länger der Abend fortschreitet. Die Vorbereitungen sind schließlich getan, alles scheint perfekt organisiert.

Davon überzeugt sich Günter Doll trotzdem gern noch einmal selbst. Der Mann vom Kulturamt der Stadt Offenbach ist die Triebfeder des Ereignisses. Der heute 63-Jährige hatte die Idee, die aus 1960er-Jahren stammende Musiksendung des Hessischen Rundfunks zurück ins Rampenlicht und auf die Bühne der Stadthalle zu holen, von wo sie einst in Schwarz-Weiß in hessische Wohnstuben geflimmert war.

Licht und Sound sind gecheckt

Auf der Bühne von heute sind Licht und Sound gecheckt, Ordner stehen bereit, das Catering stimmt. Im Schallplattenmarkt im Foyer liegen seltene Vinyl-Scheiben für die Sammler bereit. Auch am Stand des Rock-Magazins „Good Times“ sind allerlei Raritäten zu erstehen.

Inzwischen jagen rund 1600 erwartungsvolle Besucher, meist Angehörige der Generation 50 Plus, in der ausverkauften Halle nach den besten Plätzen.

Quirlig-umtriebig wie eh und je ist unterdessen Doll mal hinter der Bühne anzutreffen, mal im Saal. Eigentlich wie immer. Trotzdem ist nicht nur für ihn der heutige Abend anders, denn am Ende dieser siebten Veranstaltung gehen die Scheinwerfer für immer aus. Zuvor jedoch werden Racey, Christie, The Manfreds und The Searchers das Publikum noch einmal in die Zeit einer als stürmisch empfundenen Jugend zurückführen. Für die passende Verbindung sämtlicher Auftritte sorgt kein Geeigneterer als Hörfunk-Urgestein Werner Reinke (66) von hr1.

Eins von zwei Keyboards fehlt

Gerade als Doll sich eine kurze Verschnaufpause gönnen möchte, erreicht ihn die Nachricht, wonach sich verkehrsbedingt die Ankunft der Band Racey verspätet. Außerdem hat man festgestellt, dass eins von zwei Keyboards fehlt. „Nicht neu“, sagt er schmunzelnd. „Da habe ich schon Schlimmeres erlebt.“

Gleich im ersten Jahr war das gewesen, als die niederländische Rockband Shocking Blue angekündigt war, Sängerin Mariska Veres aber erkrankte und der Auftritt abgesagt werden musste. Doll gelang es, in The Lords schnell Ersatz zu besorgen.

Doll ist auch heute wieder der Kümmerer, zückt das Portemonnaie, um den Fahrer zu bezahlen, der das Tasteninstrument bringt, bespricht mit Moderator Reinke die kurzfristig geänderte Auftrittsfolge, begrüßt Ehrengäste. Darunter sind Oscar aus Kärnten und Herbert aus dem Salzburger Land, beide seit 2006 dabei, wenn sich Kultbands in Offenbach ein Stelldichein geben. „Diese Veranstaltung lassen wir uns nicht entgegen“, sagt Oscar Schinogl, der bedauert, dass es heute die letzte sein wird.

Gut fürs Immage der Stadt

Dieses „beat beat beat“ ist über die Jahre fürs Image die Stadt Offenbach ein Gewinn mit hoher Außenwirkung gewesen, sowohl was das Fernseh-Original betrifft als auch die Fortschreibung in der seit 2006 veranstalteten Form.

Kein Wunder, ist doch alles aufgetreten, was Rang und Namen hat: The Marmelade, Slade, Dozy, Beaky, Mick & Tich, The Rubettes, Hurd, Sweet, die Spencer Davis Group. Uschi Nerke und Manfred Sexauer haben moderiert, zum vierten Mal ist Werner Reinke am Mikrofon.

Bei „The Last Cut“ rocken ebenfalls erlesene Namen der Genres Beat. Christie heizen den Fans ein, Racey legen nach mit solidem Rock Rock’n’Roll und sorgen mit „Barbara Ann“ und „I’m A Believer“ dafür, dass nicht nur vorn an der Bühnenrampe geschwoft wird, sondern auch hinten im Saal. Selbst oben auf den Rängen sieht man Pärchen tanzen. Als The Manfreds in all ihrer wuchtigen Bühnenpräsenz, die sie in über 50 Jahren immer wieder bewiesen haben, Hits von einst zum Besten geben, hält es auch den Zuhörer in der letzten Reihe nicht mehr auf seinem Platz.

Die letzten Töne in der Stadthalle

Den sieben Musikern gelingt es mit Erfolgssongs wie „Pretty Flamingo“ und „Doo Wah Diddy Diddy“, für eine weitere Stunde die Sixties zurückzuholen. Und schließlich lassen es The Searchers krachen, jene Liverpooler Band, die mit anderen den Merseybeat hinaus in die Welt trug. Noch immer gibt das Quartett rund 250 Konzerte im Jahr und bleibt damit eine der gefragtesten Live-Bands der Sechziger. Stets im Repertoire natürlich „Sweets For My Sweet“. Da singt auch Günter Doll mit.

Als weit nach Mitternacht der letzte Scheinwerfer in der Halle erlischt, macht „Oldie Papst“ Doll klär, dass für ihn auch trotz bevorstehender Beamtenpension noch nicht Schluss sein wird: 2013 begeht der Oldieclub mit seinen rund 430 Mitgliedern das 20-jährige Bestehen begehen. Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn ihm zu diesem Anlass nicht eine passende Veranstaltung einfiele.

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