Letzter Kaffee im Kaufhof

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Nur noch wenige Wochen lockt das Dinea-Restaurant in der Galeria-Kaufhof Kunden in den dritten Stock. Im gemütlichen Ambiente pausieren nicht nur Kunden vom Bummel, sondern treffen sich auch Stammkunden zum Gespräch.

Offenbach ‐ Abschied nehmen, heißt es für Kunden des Dinea-Restaurants in der Galeria Kaufhof. Die Kaufhaus-Gaststätte schließt zum 30. April. Nicht nur ein Gastronomiebetrieb verschwindet damit aus dem Stadtbild, sondern auch ein beliebter Treffpunkt, ein Ort der Begegnung. Von Katharina Platt

Viele Kunden kommen seit Jahren auf einen Kaffee, ein Mittagessen, ein Gespräch. Nun müssen sie sich einen neuen Platz suchen.  So auch Heidi Dörrstein. Seit Jahren hat die dritte Etage im Kaufhof einen festen Platz in ihrem Alltag. Immer wenn sie sich alleine fühlt, macht sie sich auf den Weg. Lange alleine bleibt die 67-Jährige an ihrem Stammplatz nicht. Im Lauf der Jahre hat sie sich einen kleinen Freundeskreis aufgebaut, der sich regelmäßig trifft.

Restaurantmanager Lothar Ewigleben kann zur Erklärung der Schließung nur auf das verweisen, was ihm gesagt wurde. Aus betriebswirtschaftlichen Gründen müsse die Filiale schließen, habe es geheißen. Diese Anordnung kam aus der Dinea-Zentrale in Köln.

Obwohl die Gastro-Kette eine hundertprozentige Tochter der Galeria Kaufhof GmbH ist, antwortet die Offenbacher Galeria-Filialleiterin Christiana Baudach nur zurückhaltend: „Das Verhältnis der Einnahmen zu den Kosten war nicht zufrieden stellend.“ Das Konzept habe in der aktuellen Form nicht funktioniert. Was nach dem Auszug des Restaurants mit der Fläche im dritten Stock passieren soll, sei noch nicht entschieden, sagt die Kaufhauschefin.

„Dieser Ort ist ein Treffpunkt“

Seit etwa 30 Jahren gehört Dinea zur Einkaufslandschaft der Stadt. Noch bevor das Kaufhaus in der Frankfurter Straße morgens öffnet, stehen Kunden vor der Eingangstür Schlange - in der Vorfreude auf einen Kaffee.

Das Angebot ist ja auch unschlagbar: Die große Tasse Kaffee kostet 1,75 Euro. Wer sich noch einmal nachholt, bezahlt nur noch 50 Cent. „Zu diesem Preis verkauft kein anderes Café das Heißgetränk“, schwärmt die Rentnerin. Sie schätzt das familiäre Ambiente im Restaurant. Sie ist mit den Angestellten per Du und muss nicht mehr lange auf die Karte gucken, bevor sie etwas bestellt.

Dennoch sind es nicht die Gerichte, die die 67-Jährige immer wieder ins Kaufhausrestaurant lockt. „Dieser Ort ist ein Treffpunkt“, sagt sie. „Man kann abschalten und Kontakte knüpfen. Menschen, die sonst keinen Ort der Begegnung finden, sind hier willkommen und fühlen sich zuhause.“

Mit Unterschriften hat Heidi Dörrstein versucht, den Auszug ihres Lieblingstreffs zu verhindern. „Wir kämpfen um die Erhaltung des Kaufhof Dinea Restaurants“ hat sie in großen Lettern über die Listen geschrieben. Ein Unterschreiber hat drohend hinzugefügt: „Wir werden in Zukunft in ihrem Haus keine Ware mehr kaufen.“

„Es wurde lange nicht investiert“

Die gesammelten Unterschriften hat sie an die Zentrale nach Köln geschickt. Das Management hat reagiert: Man habe sich über den Brief und das Engagement gefreut, teilte ein Sprecher mit. Bleiben könne die Filiale dennoch nicht. Sieben weitere Dinea-Restaurants in Deutschland seien von der Schließung betroffen. Deshalb sind Heidi Dörrstein und ihre Freundinnen jetzt notgedrungen auf der Suche nach einer Alternative.

„Es wurde lange nicht investiert“, sagt Restaurantleiter Lothar Ewigleben. Auch die Belange der Kunden seien offenbar nicht von Interesse. Über 70 Prozent der Gäste seien Stammkunden. „Etwas Vergleichbares gibt es in Offenbach nicht“, meint er.

Zwölf Mitarbeitern droht die Arbeitslosigkeit. Auch Ewigleben wird nach der Schließung erwerbslos sein. „Ich bewundere die Mitarbeiter“, sagt der Chef. „Trotz der drohenden Kündigung kommen sie zur Arbeit, setzen ein Lächeln auf und sind freundlich wie immer.“

Auch Heidi Dörrstein und ihre Freunde sorgen sich um die Mitarbeiter. Schon oft haben sie älteren Kunden das Tablett an den Platz getragen, ihnen geholfen, wenn es etwas zu helfen gab. „Das sind richtige Engel.“

Etwa 100 Stammkunden verbringen regelmäßig Zeit in der Gaststätte, schätzt die Seniorin. Doch Christiana Baudach weiß, dass die Sitzplätze nicht immer voll besetzt sind. „Im Sommer und in den Abendstunden ist nur wenig los“, erzählt sie.

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