Fluglärm: Leuchtender Protest

Offenbach - Der Offenbacher Kampf gegen den Fluglärm geht unvermindert weiter: Rund 1000 Leute kamen am Samstagabend auf dem Wilhelmsplatz zusammen, um bei einer von der Bürgerinitiative Luftverkehr (BIL) Offenbach organisierten Kundgebung mit Kerzen gegen die neue Landebahn und den zunehmenden Krach am Himmel zu protestieren. Von Matthias Dahmer

Tatsächlich machten passend dazu die in regelmäßigen Abständen über die Köpfe der Teilnehmer donnernden Flugzeuge deutlich, dass die Grenzen der Belastbarkeit für Offenbach längst überschritten sind.

Immerhin: BIL-Sprecherin und Moderatorin Ingrid Wagner eröffnet um Punkt 17 Uhr die Lichter-Demo zunächst einmal mit einer positiven Nachricht, die einigen in rot-weiße Schals gehüllten Teilnehmern schon bekannt sein dürfte: „Die Kickers haben gewonnen.“

Beim Kampf gegen den Fluglärm kann sie solche Erfolge leider noch nicht verkünden. Deshalb sagt sie unter Applaus: „Die Menschen haben den Lärm satt.“ Beim Nachtflugverbot erinnert Wagner daran, dass dies nach wie vor für die Zeit von 22 bis 6 Uhr gefordert wird. Als Erfolg wertet sie jüngste Meldungen, wonach in der Politik die Gegner eines Nachtflugverbots weniger werden.

Protestler stimmen das Lied „Stille Nacht" an

Von der kreativ-musikalischen Seite packt Professor Jürgen Blume den Fluglärm an: Zur Melodie des Kinderliedes „Ich geh mit meiner Laterne“ stimmt er eine auf die Veranstaltung umgeschriebene Demo-Version an. Die Anwesenden, an die zuvor die Liedtexte verteilt wurden, singen mit. Wie später bei der Protest-Version von „Stille Nacht“ zaubert das eine zusätzlich die Demonstranten einende Stimmung auf den von Kerzen erleuchteten Platz.

Eine Kostprobe der Demo-Lieder gibt es hier

Als eine „Lichterkette des Protests gegen die Lichterketten am Himmel“ bezeichnet ein ungewöhnlich kämpferisch gestimmter Flughafendezernent Paul-Gerhard Weiß die Kundgebung. 700 Maschinen täglich über Offenbach, mit der Aussicht auf künftig 1000 - das sei keine verantwortbare Regelung des Flugverkehrs, das halte die Region nicht aus, so Weiß.

Der FDP-Mann fordert die Landesregierung und damit seinen Parteikollegen und hessischen Wirtschaftsminister Posch auf, die Revision gegen das Nachtflugverbot zurückzunehmen. Im Übrigen gehe es nicht nur um die Ruhe in der Nacht, sagt Weiß. Das ganze Planfeststellungsverfahren zum Flughafenausbau stehe auf dem Prüfstand. „Man kann auch jetzt noch verlagern“, erinnert Weiß daran, das zum Beispiel der Flughafen Hahn im Hunsrück eine Alternative darstelle.

„Wir brauchen raumverträgliche Flughafen-Standorte“

Alle Artikel zur Lärmbelastung durch den Flughafen finden Sie in unserem Stadtgespräch

Der städtische Flughafenberater Dieter Faulenbach da Costa warnt als weiterer Redner des Abends die „lieben Freunde des Protests“ davor, von der ursprünglichen Forderung abzurücken, dass Posch die Planfeststellung zum Flughafen zurücknimmt. Mit Detail-Vorschlägen, wie etwa geänderten Flugrouten, ändere man überhaupt nichts. Zumal die Deutsche Flugsicherung agiere, als sei sie eine von „Gottes Gnaden eingesetzte Organisation“.

Kopfschmuck mit hohem Protestfaktor im Ausgabe-Pavillon: Wer ohne Kerze zur Demo auf den Wilhelmsplatz gekommen war, wurde von Rathaus-Mitarbeitern bestens versorgt.

„Wir brauchen raumverträgliche Flughafen-Standorte“, stimmt Faulenbach seinem Vorredner Paul-Gerhard Weiß zu. Und er blickt warnend voraus: „Hoffentlich tritt das Bundesverwaltungsgericht die brennende Lunte der Nachtflüge aus. Sonst könnte bald mehr brennen, als nur die Lichter am heutigen Abend.“

Auf die gesundheitlichen Folgen der Dauerbeschallung durch Fluglärm macht der Kinderarzt Ulf Raupach aufmerksam: Mehrere Studien hätten eindeutig belegt, dass dadurch Denkleistung und Lesefähigkeit von Kindern beeinträchtigt werde. „Fluglärm macht krank“, so Raupach. Einige Fachleute würden ihn als die am stärksten unterschätzte Umweltkrankheit mit bis zu 15 Millionen Betroffenen in Deutschland bezeichnen. Belegt sei auch, dass Fluglärm zum Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führe.

Mit einem Gedicht, das gelungen die Situation der unter Fluglärm leidenden Offenbacher Schüler beschreibt und zum Protest aufruft, bereichert Teresa Martiny vom Stadtschülerrat die Kundgebung. Ähnlich einfallsreich näherte sich die evangelische Dekanin Eva Reiß mit ihrer Geschichte dem das vorweihnachtliche Offenbach bewegende Thema.

Rubriklistenbild: © Georg

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