Hoffnung für leere Ladengalerie

Licht am Ende der City-Passage?

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Fast 100 Meter Schandfleck: Die City-Passage steht seit Jahren leer, was sich auch auf die umliegenden Geschäfte auswirkt.

Offenbach - Ein Geflecht aus unterschiedlichen Interessen verhinderte bislang, dass Bewegung in die leere Ladengalerie an der Frankfurter kam. Obwohl es weiter kompliziert ist, keimt ein wenig Hoffnung. Von Matthias Dahmer

Auf ein gutes Ende mag derzeit noch keiner der Beteiligten wetten. Weshalb bislang nur festzuhalten ist: In die seit Jahren festgefahrene Situation um die nahezu komplett leer stehende Ladengalerie City-Passage ist wieder Bewegung gekommen. So zeigt offenbar ein neuer Investor Interesse an dem potenziellen innerstädtischen Filetstück. Die Rede ist von sieben bis acht Millionen Euro, die für den Erwerb des bis auf eine Spielhalle verwaisten Ensembles aufgerufen werden.

Die Pläne, so war zu hören, sehen so aus: Der Investor, der interessante gewerbliche Mieter an der Hand haben soll, kauft die heruntergekommene Immobilie. Gleichzeitig zieht die Spielhalle, die noch einen Mietvertrag bis 2017 in der Passage hat, nur wenige Meter weiter – ins Erdgeschoss des leer stehenden ehemaligen Bankgebäudes an der Ecke Platz der Deutschen Einheit/Kaiserstraße, wo einst die Privatbanker von Schröder, Münchmeyer, Hengst und Co., später die Schweizer UBS angesiedelt waren. Die darüber liegenden Büros in der Immobilie könnten zu Studentenwohnungen umgebaut werden. Beim möglichen Investor, der Rosco-Unternehmensgruppe in Bad Hersfeld, hüllt man sich zu den Plänen in Schweigen, will zu laufenden Verhandlungen nichts sagen.

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Auskunftsfreudiger ist Werner Brendel, Eigentümer der Spielhalle mit ihren insgesamt vier Spielhallen: Er bestätigt, dass sein Vermieter offenbar mit einem Interessenten im Gespräch sei, weshalb es dem Passagen-Eigner recht wäre, wenn er möglichst schnell, spätestens zum Juni des nächsten Jahres, ausziehe würde. Den ihm angebotenen neuen Standort würde der Spielhallenbetreiber auch nicht grundsätzlich ablehnen. Aber: „Die Stadt blockiert das Ganze“, sagt Brendel und erläutert auch gleich, warum das seiner Ansicht nach so ist. Knackpunkt sind die Konzessionen für seinen Betrieb. Derzeit habe er vier, im Rathaus sei man aber nicht bereit, ihm diese Anzahl auch nach Auslaufen seines Mietvertrags in der Passage, also über 2017 hinaus, zu gewähren. Mit nur einer Konzession, die ihm die Stadt für die Zeit danach angeboten habe, könne er die neuen Räume nicht wirtschaftlich betreiben, sagt Brendel. Zumal er für den neuen Standort einen Mietvertrag über zehn Jahre abschließen müsse. „Außerdem muss ich an meine 20 Mitarbeiter denken.“

Jürgen Amberger, Chef der städtischen Wirtschaftsförderung, will das so nicht stehen lassen. Er verweist auf das neue Hessische Spielhallengesetz aus dem Jahre 2012, welches ab 2017 Spielhallenbetreibern nur noch eine Konzession pro Standort zugesteht. Zwischen den jeweiligen Standorten müssen zudem mindestens 300 Meter Abstand liegen. Amberger: „Das Gesetz lässt uns praktisch keinen Handlungsspielraum. Wir dürfen nichts genehmigen, was rechtswidrig wäre.“

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Die Spielhallenbetreiber mit ihrer starken Lobby würden gegen das Gesetz vorgehen, der Ausgang des Verfahrens sei offen. Zugleich betont der Wirtschaftsförderer: Ginge es nach der Stadt allein, stünde dem Fortbestand der vier Konzessionen des Herrn Brendel nichts entgegen. Zumal der sich im Lauf der Jahre als seriöser Partner erwiesen habe .

Der Zustand der Passage wirkt sich auch aufs Umfeld aus. Für Robert Franzke, Inhaber des gegenüber liegenden Sportgeschäfts Sportsline und zugleich Eigentümer der Immobilie, in der sich weitere Läden befinden, ist der Leerstand auf fast 100 Metern Fußgängerzone eine „geschäftliche Katastrophe“. Zumal sich die Frankfurter Straße westlich der Kaiserstraße gut entwickelt habe. Helma Fischer von der benachbarten Steinmetz’schen Buchhandlung klagt, dass der Abschnitt der Frankfurter in Höhe der Passage wenig attraktiv für Laufkundschaft sei. Dass sich daran etwas ändert, daran mag sie erst glauben, wenn der erste Bagger anrückt.

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