Lichtbänder für den Stadthof

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Für die Jury der beste Entwurf: Der Brunnen ist weg, dafür gibt’s zwei Wasserflächen vor dem Rathaus und jede Menge Platz. Auf dem Modell nicht sichtbar: In den Boden eingelassene Lichtbänder. Die drei besten Entwürfe sind samt Erläuterungen bis Ende November im Foyer des Stadthauses ausgestellt.

Offenbach - Die Pläne zum Umbau des Stadthofs nehmen Gestalt an. Im Zuge eines Architektenwettbewerbs hat die Jury die drei besten Entwürfe vorgestellt, das sich zwischen Rathaus und Frankfurter Straße sowie zwischen Herrnstraße und Platz der Deutschen Einheit erstreckt. Von Matthias Dahmer

Weil die den Stadthof prägenden Pavillons gemäß den Sparvorgaben der Stadt stehen bleiben müssen, erfinden die Entwürfe den Platz nicht neu. Alle drei sehen vor allem Änderungen bei den Details, wie Belag, Bepflanzung und Wasserspiele, vor. Der Brunnen vorm Rathaus in seiner jetzigen Form ist indes in allen drei Arbeiten nicht mehr vorgesehen.

Im Januar entscheidet der Magistrat über die Empfehlung der Verwaltung, die bis dahin mit allen drei Preisträgern Gespräche über die Details des Projekts geführt hat, dessen Budget auf 1,8 Millionen Euro begrenzt ist. Dass der von der Jury favorisierte Entwurf des Büros Stötzer Landschaftsarchitekten Freiburg den Zuschlag erhält, gilt als wahrscheinlich.

2,5 Millionen Euro teure Sanierung

Astrid Tschann, die für die Stadt das Projekt leitet, geht davon aus, dass dann Ende des nächsten Jahres mit dem Umbau begonnen werden kann. Abhängig ist das von der rund 2,5 Millionen Euro teuren Sanierung der maroden Rathaus-Tiefgarage unter dem Stadthof, die im Sommer 2012 in Angriff genommen werden soll.

Der Siegerentwurf überzeugte die Jury unter anderem mit der Kunst des Weglassens. Er sieht die größte Stellfläche vor, was bei der beabsichtigten Nutzung des Platzes für Veranstaltungen ein wesentlicher Aspekt ist, wie Jury-Sprecher Karl Bauer, Landschaftsarchitekt aus Karlsruhe, erläutert. Hinzu kommen ein einheitlicher Belag aus beige-grauem Schiefer, eine fast durchgehende Baumreihe, die gnädig die Rückseiten der Gebäude gegenüber den Pavillons verdeckt, sowie zwei leicht erhöhte rechteckige Wasserflächen vor dem Rathaus. Diese so genannten Wassertische, die das kühle Nass in verschiedenster Form abgeben können, haben im Sommer einen kühlenden Effekt und können im Winter – wenn abgeschaltet – als Stellfläche genutzt werden.

Ein gläserner Kubus ziert den künftig breiteren Zugang zur Tiefgarage, das beliebte Schachbrett soll nur wenige Meter weiter westlich vom derzeitigen Standort angesiedelt werden. Noch unklar ist, ob dem Architekten-Vorschlag gefolgt werden soll, die Platane vor der Stadtkirche verschwinden zu lassen.

Sahnehäubchen des Entwurfs

Das den Etat vermutlich nicht übersteigende Sahnehäubchen des Entwurfs sind über den ganzen Platz verteilte und in den Boden eingelassene Lichtbänder. Unter den sechs Meter langen und rund 40 Zentimeter breiten Streifen aus rutschfestem, mattem Glas können LED-Leuchten die unterschiedlichsten medialen Botschaften nach oben verkünden. Ein langes vertikales Lichtband als Hinweistafel auf besondere Veranstaltungen ist auch an der Rathausfassade vorgesehen.

Projektleiterin Astrid Tschann lobt die „Klarheit, Eindeutigkeit und Stringenz“ des Siegerentwurfs, nennt deren Präsentation einen „Meilenstein“ im langen Verfahren. Dem zollt Jury-Sprecher Bauer Respekt, waren doch auch die Offenbacher, allen voran Akteure der Lokalen Agenda, eingebunden worden. „Ausführlicher kann man an die Aufgabe nicht rangehen“, so Bauer.

Stadthof-Umbau und Neugestaltung des Marktplatzes wichtigste Projekte

Auch Oberbürgermeister Horst Schneider kann sich mit dem Siegerentwurf „gut identifizieren“. Für ihn ist der Stadthof-Umbau zusammen mit der Neugestaltung des Marktplatzes das wichtigste Projekt in der „Strategie zur Zukunftssicherung der Stadt“. Gleichwohl hätte der OB es lieber gesehen, wenn zuerst der Marktplatz in Angriff genommen worden wäre. Das, räumt er ein, wäre aber angesichts der mit der Stadthof-Umgestaltung verbundenen Sanierung der Rathaus-Tiefgarage ein Schildbürgerstreich gewesen.

Die Gesamtkosten für den Umbau des Stadthofs belaufen sich auf knapp 2,4 Millionen Euro. Zwischen 66 und knapp 80 Prozent (je nach Jahresbewilligungsbescheid) der Kosten werden über das Städtebauförderungsprogramm „Aktive Kernbereiche“ bezuschusst.

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