Lichtblicke im gediegenen Ambiente

+
Abseits des Rednerpults fand Oberbürgermeister Horst Schneider beim Jahresempfang der SPD Zeit für persönliche Gespräche.

Offenbach ‐  Nein, am Fußnotenstreit und den Diskussionen um Karl-Theodor zu Guttenberg kommt auch am Sonntagmorgen niemand vorbei. Von Martin Kuhn

„Akademiker stehen aktuell ja nicht unbedingt hoch im Kurs“, formuliert der lokale SPD-Parteichef beim traditionellen Jahresempfang seiner Partei. Es ist wohl mehr als ein reiner politischer Seitenhieb zu verstehen; schließlich trägt auch Felix Schwenke einen Doktortitel, um den ihm aber offenbar nicht bange ist: „Ich fürchte nichts.“ Vier Wochen vor der Kommunalwahl ist’s eine der wenigen Spitzen gegen die zweite große Volkspartei. Ansonsten konzentrieren sich Partei und Oberbürgermeister auf das, was sie für Offenbach getan haben und weiterhin leisten wollen.

Im Achat-Plaza-Hotel ist Rot nicht die dominierende Modefarbe. Bei den Frauen ein rotes Kleid oder ein roter Pullover, bei den Herren allenfalls eine dezent gemusterte Krawatte in den Parteifarben. Ist das als Botschaft zu verstehen? In seiner Begrüßung jedenfalls beschränkt sich Felix Schwenke auf die Inhalte. Vor gut 200 Gästen („Wen ich vergessen habe, geht nicht verärgert nach Hause, sondern beschwert sich nachher bei mir.“) bescheinigte er der Rathaus-Koalition aus Sozialdemokraten, Grünen und Liberalen eine gute Arbeit mit einem klaren Schwerpunkt: „Wir reden nicht nur über Bildung, sondern stecken genau dort das meiste Geld hinein.“

„Verlässliche Stütze für den OB“

Der SPD-Parteivorsitzende belegt das mit einer Zahl. Das ist wohl an alle gerichtet, die zu viel Geld in den Stadionneubau am Bieberer Berg investiert sehen: „Ein Prozent des Offenbacher Geldes, das wir in Schulbau und -sanierung stecken, fließt in dieses Projekt. Da stimmen also die Relationen.“ Das führt automatisch zum nächsten Punkt: „Wir brauchen ein besseres Verhältnis von Einnahmen und Ausgaben.“ Und das gibt Gelegenheit, der derzeit größten Oppositionskraft einen Seitenhieb zu verpassen: „Es fehlt der CDU an Alternativen. Zum Haushalt gab es von der Union keinen Antrag, wie Geld anders auszugeben oder einzunehmen ist.“ Die anwesenden Christdemokraten Sigrid Isser (geladen für die Seniorenhilfe) und Simon Isser (für die Jugendfarm) werden’s sicher weitertragen.

Gastredner im gediegenen Ambiente ist Horst Schneider in vielfacher Funktion – als Verwaltungschef, als Wahlleiter, als Parteimitglied, als OB-Kandidat. Und zunächst gibt es ein dickes Dankeschön: „Bei allen Konflikten, die wir haben und haben werden, ist die sozialdemokratische Partei eine verlässliche Stütze für den OB.“ Da Schneider nicht auf der Liste für die Kommunalwahl steht, erlaubt er sich einen „überparteilichen Blick auf unsere Stadt“.

Was der Amtsinhaber da erblickt, erfüllt ihn offensichtlich mit Stolz und Zuversicht. Zuvor schärft er den Blick für globale Zusammenhänge: „Wie groß sind überhaupt die Spielräume einer Stadt?“ Gering, wenn man Schneider glauben darf. Offenbach könne nur über drei Prozent des Kommunalhaushalts frei entscheiden und sagen, „wofür wir das Geld ausgeben“. Einen Lichtblick sieht er in der Initiative von Ministerpräsident Bouffier (CDU), der einen kommunalen Schutzschirm für Städte und Kreise plant. „Offenbach erfüllt dafür alle Voraussetzungen.“

Schneider erkennt freilich mehr Positives – die Wiederbelebung des Allessa-Areals durch EVO und VDE, die höhere Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze (rund 47 000), die abgeschlossene Umgestaltung vom Wilhelmsplatz, die geplante von Rathaus- und Marktplatz. Am Ende verkündet Schneider seinen Wunsch für die Kommunalwahl am 27. März. „Ich würde als Wahlleiter an diesem Abend gern verkünden: Die Wahlbeteiligung in Offenbach hat sich erhöht.“ Dafür gibt’s viel Beifall.

Kommentare