Lichter wieder angeschaltet

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Wachsen mit Holz: Zum Betriebsstart hoben sie die Bedeutung des neuen Pelletwerks hervor (von links): EVO-Vorstandschef Michael Homann, Georg Müller, Vorstandsvorsitzender des EVO-Mutterkonzerns MVV Energie AG, Oberbürgermeister Horst Schneider und EVO-Technikvorstand Kurt Hunsänger.

Offenbach - Die seit November laufende Probephase ist vorbei, gestern hat das Pelletwerk der Energieversorgung Offenbach (EVO) im einstigen Allessa-Industriepark offiziell seinen Betrieb aufgenommen. Von Matthias Dahmer

Das wurde mit fast 200 geladenen Gästen, Reden und Rundgängen durch eine Anlage gefeiert, deren Konzept als bundesweit einzigartig gilt. Zusammen mit dem unmittelbar angrenzenden Biomasse-Heizkraftwerk hat die EVO 17 Millionen Euro in das Vorzeigeprojekt in Sachen erneuerbare Energien investiert. 65.000 Tonnen Industriepellets will der regionale Versorger künftig dort pro Jahr produzieren. Mit ihnen befeuert er 18 seiner 36 Nahwärmenetze, die Holzpresslinge sollen zudem im EVO-Heizkraftwerk an der Andréstraße teilweise die bislang verwendete Steinkohle ersetzen.

Das Holz und die Grünabfälle zum Betrieb der Anlage stammen aus einem EVO-Wald bei Gießen sowie aus mehreren Kommunen der Region. Auch das Biomasse-Heizkraftwerk neben der Pelletanlage wird ausschließlich mit Holzhackschnitzeln betrieben. Mit dessen Abwärme lassen sich die produzierten Pellets umweltschonend trocknen. Den Betrieb im Pelletwerk, durch das zehn neue Arbeitsplätze geschaffen werden, führt im EVO-Auftrag die IWO Pellet Rhein-Main. Deren Produktionsanlage auf dem Allessa-Gelände war im März 2010 abgebrannt.

Eine Absage an die Atomenergie

Genau dort, wo das Unternehmen stand, hören gestern Vormittag in einem großen Partyzelt die Besucher bei Sekt und O-Saft Worte, die voll des Lobes für die Anlage und zugleich eine Absage an die Atomenergie sind. Die Produktion von Holzpellets sei eine der möglichen Antworten auf den dringend notwendigen Umbau der deutschen Energiewirtschaft, sagt EVO-Vorstandschef Michael Homann. Trotz des zwischenzeitlichen Atomkompromisses der Bundesregierung sei man der Strategie treu geblieben, künftig „mit Holz und Wind zu wachsen“.

Zum Jahreswechsel habe die EVO in Nordhessen ihre ersten beiden Windkraftanlagen in Betrieb genommen. Mit Blick auf Japan bezeichnet Homann die Atomkraft mit ihren komplexen Systemen und Risiken als eine Katastrophentechnologie. Einige der großen Energieversorger hätten das noch nicht erkannt. So halte etwa RWE an der Atomkraft fest, sehe in ihr einen wichtigen Energieträger und versuche die Bundesregierung unter Druck zu setzen. „Das ist alte Versorgerwelt par execellence“, so Homann.

Gelungenes Beispiel für dezentralen Wirtschaftskreislauf

Oberbürgermeister Horst Schneider erinnert an das symbolträchtige Gelände, auf dem das Pelletwerk stehe. 40 Hektar Chemiestandort, für den im März 2010 mit Schließung des letzten Betriebs die Lichter ausgegangen seien. „Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass sie so schnell wieder angehen“, sagt Schneider. Er verweist auf den Bebauungsplan für das Gelände, wonach man es unter dem Namen „Energiepol“ als Gewerbegebiet vermarkten werde. Die EVO habe dazu mit ihrer Anlage das Startsignal gegeben.

Georg Müller, Chef des EVO-Mutterkonzerns MVV Energie AG, nennt den Betriebsstart fürs Offenbacher Pelletwerk eine gute Nachricht für die gesamte MVV-Gruppe. Auch für ihn ist die Atomkraft ein „Auslaufmodell“, regenerative Energien müssten zum Leitsystem, Kohle und Kernkraft zur Ergänzung werden.

Sozialminister Stefan Grüttner formuliert als Vertreter der Landesregierung unter anderem: Das Pelletwerk sei ein gelungenes Praxisbeispiel für einen dezentralen Wirtschaftskreislauf.

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