Das Ding des Sommers

Lichterfest lockt fast 8000 Besucher in den Büsingpark

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Das TV-bekannte „Tatort“-Motiv nahmen zahlreiche Initiativen als Vorlage, zum Beispiel der Chor Just Harmonists.

Offenbach - „Tatort – Mörderische Geschichten“ lautet die Vorgabe. Folglich findet sich das Fadenkreuz aus dem Vorspann der ARD-Krimiserie in zahlreichen Bildern. Von Markus Terharn 

Schon am Samstagnachmittag haben 38 Vereine und Initiativen begonnen, ihre von viel Fantasie und Kreativität zeugenden Entwürfe mit Hilfe von 70.000 Teelichten auf den Rasen zu zaubern. Klaus Kohlweyer hat diese spaßeshalber wiegen lassen: „Raten Sie mal!“ 640 Kilo ist jede Palette schwer; ergibt ein Gesamtgewicht von sechs Tonnen. 5000 Euro hat die Sparkasse dafür hingelegt, dass das Lichterfest seinem Namen alle Ehre macht. Kohlweyer ist nicht der Einzige, der gleich mehreren Aufstellern zuzurechnen ist. Beim Treffpunkt Offenbach hat er ebenso die Hände im Spiel wie beim Offenbacher Karneval-Verein, dessen Vorsitzender er ist. Und der OKV ist nicht die einzige Gruppe, die bei dieser Gelegenheit auf ihre nächste Großveranstaltung aufmerksam macht. „9. 1. 2016 Stadthalle“ steht da nebst dem Vereinsnamen zu lesen; dann steigt das „Feuerwerk der guten Laune“ mit Krönung des Prinzenpaars. „Wir haben auch schon mal unser Wappentier, das Pferd, abgebildet“, erinnert sich der lederanische Landesverweser Manfred Roth. „Da haben die Leute gerätselt, was das ist...“

Als „Vater des Festes“ fand sich Stadtsprecher Matthias Müller (links) von Oberbürgermeister Horst Schneider gewürdigt.

Fragen wirft auch das Motiv des Skiclubs Offenbach auf. Eine menschliche Silhouette, den Arm ausgestreckt? Ein Mann auf Skiern mit Gewehr. „Ah, ein Biathlet“, fällt der Groschen. Auch einen Langläufer in der Loipe hat Joachim Linz ersonnen. Vorstandskollegin Ingrid Erk findet: „Das ist das schönste Fest in Offenbach!“ Schöner noch als das Mainuferfest, bei dem sich die Ski- und Freizeitfreunde seit einiger Zeit nicht mehr präsentieren. „Zu viel Aufwand an zwei Tagen, zu wenig Resonanz“, begründet Erk dies. „Lieber nehmen wir am Nikolausmarkt in Bieber teil.“ Dort ist auch das Kickers-Fan-Museum beheimatet, dessen Aktivisten sich der Aufgabe unterziehen, das OFC-Logo mit der geschwungenen Fahne nachzubilden. „Fürs Museumslogo bräuchten wir eine größere Fläche“, erklärt Natascha Michera. So haben sie auf Papier ein Raster vorgezeichnet und Fäden über den Boden gespannt, um Anhaltspunkte zu haben. „Von Fans für Fans“ lautet der dazugehörige Spruch.

So schön war das Lichterfest 2015 im Büsingpark: Bilder

Hier noch im Hellen: Der BSC Offenbach war einer der Vereine, die sich mit ihrem eigenen Logo präsentierten.

Fans hat auch der Theaterclub Elmar, der Reklame für sein Jugendstück „Die Welle“ macht. Valentina Vinkovic hat einen heißen Tipp zum Anzünden aus dem Internet: „Spaghetti!“ Mit einer Nudel hat sie 50 Kerzen entflammt. Einfach macht es sich auch der Oldie-Club, der wieder auf seine aus Holz gefertigte Schablone zurückgreift. Die Mitglieder stehen entspannt herum und trinken, während anderswo schon eifrig Lichter angesteckt werden. „Wir zünden sie in einer halben Stunde an und stellen sie dann rein, da müssen wir uns nur einmal bücken“, sagt Volker Röhm, aufs steigende Durchschnittsalter anspielend. Die Oldies zählen nicht zu denen, die das Jahresmotto aufgreifen. Anders als etwa der Volkschor: Ricarda Höfer hat einen Notenschlüssel mit Sherlock-Holmes-Profil, Lupe und Fragezeichen verknüpft. Die Freie Evangelische Gemeinde beantwortet die Frage „Wo ist die Leiche?“ mit dem Wort „Auferstanden“ – in Spiegelschrift.

Auf Decken und Gartenstühlen, teils sogar an Tischen nahmen die Besucher in der Flanierzone Platz. Rote Teelichte verwandelten den hinteren Teil des Büsingparks in ein stimmungsvolles Lichtermeer. Weiter vorn waren Sitzbänke für die zahlenden Zuhörer des Konzerts mit der Neuen Philharmonie Frankfurt aufgestellt.

Das Freiwilligenzentrum („Mach mit“) hat Oberbürgermeister Horst Schneider überredet, ein Gruppenfoto zu schießen. Der steht vor der Konzertpause noch einmal im Brennpunkt, als er den „Vater der Feste“ ehrt. Für Matthias Müller, Erfinder von Mainufer- wie Lichterfest, ist es der letzte Auftritt in der Öffentlichkeit, ehe er in den Ruhestand geht. „Du hast dich um Offenbach verdient gemacht“, würdigt der OB den Stadtsprecher und Leiter der Stadtinformations-Gesellschaft. Mit-Chefin und Stadtwerke-Sprachrohr Regina Preis verspricht: Auch 2016 gibt es ein Lichterfest. Diesmal hat der Büsingpark seine Kapazitätsgrenze erreicht. Mit 8000 Besuchern sind so viele gekommen, wie das Sicherheitskonzept erlaubt. Damit ist es, wie Ralph Philipp Ziegler vom Amt für Kulturmanagement als Moderator des Abends urteilt, „das Ding des Sommers“.

Lichterfest 2014 im Büsingpark

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