Lichterfest im Büsingpark

Hören, flanieren, picknicken

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Lichter und Musik der Neuen Philharmonie zaubern im Büsingpark eine unvergleichliche Stimmung.

Offenbach - Nur die Verpflegung war nicht britisch. Aber das muss bei fester Nahrung vorurteilsgemäß ja kein Nachteil sein. Von Thomas Kirstein

Ansonsten setzt sich das musikalische Motto der Neuen Philharmonie beim neunten Lichterfest erfreulich einfallsreich bis in abgelegene Winkel des Büsingpark fort. „Absolutely british“, was sich viele Gruppen haben einfallen lassen. Geschätzte 600 fleißige Helfer aus 52 Teilnehmergemeinschaften illuminieren die grüne Stadtlunge an der Berliner Straße, aus der 70  000-Leuchten-Spende des Ringcenters entstehen teils originelle Werke mit Bezug zum Thema.

Wer sich konzentriert und die Illuminationen nicht nur flüchtig wahrnimmt, entdeckt die Versatzstücke der Insel und des English Way of Life ebenso wie Hinweise auf dessen Protagonisten. Es ist ein fröhliches Dechiffrieren. Das Pfund-Zeichen leuchtet neben der Ziffernfolge 007, viel Platz nehmen ein Doppeldeckerbus und eine Krone ein, Union Jack, Melone, Teetasse und Regenschirm dürfen nicht fehlen, in zwangsläufiger Aktualität die Verbeugung vor dem frischen königlichen Baby „Prinz G.A.L.“

Der Dirigent darf im Jaguar-Oldtimer einfahren.

Auf der Bühne läutet die unverkennbare Tonfolge von Big Ben das Programm der Philharmonie ein, der Turm der berühmten Glocke leuchtet im hinteren Teil des Parks. Das „God save the Queen“ vom Chor aus Langenselbold wird nicht weit davon von einer Leuchten-Elisabeth huldvoll entgegen genommen. Es stört die Majestät nicht, dass ein bürgerliches Trio auf die Melodie die alte Bierwerbung „Binding, wir danken dir...“ mitsingt. Gegenüber thront inmitten der Tower-Bridge-Umrisse noch eine Queen, verteilt Werthers Echte an Kinder, die mit angezündeten Leuchten beim Weiterbau des Wahrzeichens helfen: Helene Duffner ist von den Offenbacher Wirtschaftsjunioren, die sich die hübsche Aktion für den Nachwuchs haben einfallen lassen.

Das Picknick haben die Engländer nicht erfunden, sie haben es nur in den Zeiten von Queen Victoria populär gemacht und den Namen fürs Speisen im Freie empire-weit verbreitet. In Offenbach ist das Picknicken neben dem Musikgenießen (die Kulturbeflissenen, die elf Euro bezahlt haben, sitzen in Stuhlreihen) und dem Flanieren die dritte Art, das Lichterfest zu genießen. Ein Trend zur Perfektionierung, sozusagen die Weiterentwicklung zum Gartenfest, ist erkennbar. Die Decke genügt längst nicht mehr allen, Campingstuhl und -tisch sind oft Grundausstattung, Gemeinschaften wie die Einzelhändler-Initiative „Karree Offenbach“ etablieren auf der Wiese regelrechte Tafeln. Auch der Oldieclub „beatet“ für sich mit Festgarnituren mehr Komfort.

Lichterfest im Büsingpark

Lichterfest im Büsingpark

Wer kein Selbstversorger ist, muss sich, auch very british, in manche Schlange einreihen. Das Promenieren auf den Wegen des Parks ist in diesem Jahr nichts für Menschen mit Platzangst, die sich auch auf dem Bürgersteig der Londoner Oxford Street nicht wohl fühlen würden. Zeitweilig kommt es zu kleineren Staus auf der äußeren Umlaufbahn. Ein Dame in hellem Pailletten-Shirt erkennt im Gedrängel nach einem unvermeidlichen Rempler ihren Fehler: das nächste Mal doch besser kein Glas Rotwein...

Es wird langsam eng auf dem Lichterfest. Schlecht schätzen lässt sich allerdings, wie viele tausend Besucher sich vom 2013er Lichterfest haben anlocken lassen. Ein neuer Rekord ist wahrscheinlich. Auch wieder irgendwie britisch: Fast jedes Gespräch an diesem Abend beginnt mit der Würdigung des diesmal idealen Sommerabend-Wetters samt Erinnerung an Stürme, Dauerregen, Gewitter und Wolkenbrüche, die bei früheren Gelegenheiten die Erleuchtung des Büsingparks zu einer Herausforderung machten. Nicht britisch, eher deutsch: die Betonung, dass man sich auf dem schönsten Fest Offenbachs befinde, weil sich hier jenes Publikum versammele, das man anderen öffentlichen Feierlichkeiten – die vermutlich seit Jahren gemieden werden– gern in Abrede stellt.

Lichterfest 2012: Bilder

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