Grenzenloser Klang-Krimi

Crossover beim Offenbacher Lichterfest Trumpf

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Mit seinem temperamentvollen Dirigat spornte Steven Lloyd-Gonzalez die Neue Philharmonie an.

Offenbach - In Wien klingt selbst das Verbrechen gemütvoll und fidel. Das zeigt schon die beschwingte Ouvertüre der Operette „Die Fledermaus“, in der es von kriminellen Machenschaften wimmelt. Von der harmlosen Zithermelodie aus dem „Dritten Mann“ ganz zu schweigen. Von Eva Schumann

Mit diesen österreichischen Klassikern eröffnete die Neue Philharmonie Frankfurt das Konzert zum 12. Lichterfest im Büsingpark, das unter dem Motto „Tatort“ „mörderische Geschichten“ versprach. Unter der engagierten Leitung von Steven Lloyd-Gonzalez brachte das Orchester den Gefühls- und Melodienreichtum der Strauss-Ouvertüre mitreißend zur Wirkung. Auch die „blaue Donau“ war dem Thema angepasst. Frank Heckel hat sie nach geschicktem Verwursten mit dem „Dritte Mann“-Schlager nebst infernalischem Walzerfinale in „Donaukatastrophen“ verwandelt. Unmittelbar ging das Orchester ins „Tatort“-Intro über.

Von Verbrechen handelte auch Falcos „Jeanny“. Der „Bababa-Banküberfall“, ebenfalls eine österreichische Einfuhr, hat bei aller Lautstärke etwas Infantiles. Sogar die liebliche Harfe durfte mitspielen. Achim Dürr im Verbrecher-Outfit, unterstützt von Karsten Stiers und einem kleinen Chor der Musical Family Hanau, interpretierte den Song effektvoll, wenn auch des originalen Akzents nicht ganz mächtig. Nun ging es in den Weltraum. Nach einem Ausflug mit „Raumschiff Enterprise“ wurde Peter Schillings „Major Tom“ gedacht, der sich mit einem Raumschiff aus dem (Erd-) Staub machte und damit allerdings nur sich selbst umbrachte. Dürr ließ auch dessen stilistisches Vorbild, Bowies „Space Oddity“, aufleben.

Geistreich wie gewohnt moderierte Ralf Philipp Ziegler, doch hatte selbst er Probleme, den Zusammenhang schlüssig zu vermitteln. So ist von Straffälligkeit des Jupiter aus Gustav Holsts „Planeten“ nichts bekannt. Immerhin geriet er nun durchaus unter Verdacht. Dem Ende des Jahres in Pension gehenden Leiter des städtischen Presseamts, Matthias Müller, der das Lichterfest seit 2004 organisiert, wurde Michael Jacksons „Earth Song“ gewidmet. Katrin Glenz präsentierte ihn hochdramatisch.

So schön war das Lichterfest 2015 im Büsingpark: Bilder

Im zweiten Teil kehrte man auf die Erde zurück. Nach London führte William Waltons „Crown Imperial“-Marsch (ein Schelm, wer sich Schlimmes dabei denkt!). Beim James-Bond-Medley und dem Miss-Marple-Thema landete man wieder eindeutig in der kriminellen Sphäre. Empfindsam wirkte dazwischen Percy Graingers „Irish Tune from Country Derry“.

Als Ausflug ins Klassische schob sich das Vorspiel aus Wagners „Lohengrin“ zwischen Pop und Rock. Endlich war man im Paradies angelangt. Bei der „Bohemian Rhapsody“ von Queen, Coldplays „Paradise“, der „Fanfare For Rocky“ und Bon Jovis „Livin’ On A Prayer“ bewies die Neue Philharmonie erneut ihre fabelhafte Topform im Crossover - ohnehin kein Wunder beim temperamentvollen Ansporn von Lloyd-Gonzales. Zum Finale erinnerten Glenz, Dürr, Stiers und der Chor mit „Pinball Wizard“ und „See Me, Feel Me“, an Offenbachs kurze Episode als Musical-Stadt.

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