Lichterfest im Büsingpark

Lichterfest: Bewegt von Begegnungen

+
Völlig legitim: Mancher Kerzenaufsteller nutzt die Chance, auf sein eigenes Jubiläum hinzuweisen, so wie hier die 200 Jahre alte Freimaurerloge.

Offenbach - Der Odenwald-Klub hat den Nagel auf den Kopf getroffen. „Gemeinsam unterwegs“ lautet das Motto, das Mitglieder mit Kerzen gebildet haben. Gemeinsam unterwegs zum Büsingpark ist am Freitag gefühlt halb Offenbach. Von Markus Terharn

„So viele Leute waren noch nie da“, glaubt ein erfahrener Besucher. Ein Eindruck, den Lichterfest-Erfinder Matthias Müller bestätigt: Mit 10.000 gibt der Leiter des städtischen Amts für Öffentlichkeitsarbeit und der Stadtinformation die Zahl der Besucher an. Das ist nicht zu hoch gegriffen. „Ich bin sehr zufrieden“, strahlt Müller nach dem Konzert gelöst. Da zeigt die Uhr bald Mitternacht.

Lange bevor die Neue Philharmonie Frankfurt den musikalischen Part des Abends bestreitet, schlägt die Einsatzstunde für 500 Helfer. Etwa 70.000 Windlichter, vom Ringcenter gespendet und von der Firma Erko verteilt, gilt es zu entzünden. „Ein Glück, dass es nicht nass ist“, lautet der überall zu hörende Stoßseufzer. Unvergessen ist jenes Lichterfest, bei dem zu Beginn einsetzender Regen die brennenden Teelichte löschte, so dass sie ausgeschüttet und dann erneut entflammt werden mussten. Oder jenes, bei dem wolkenbruchartige Wassermassen den vorzeitigen Abbruch der Veranstaltung erzwangen.

Impressionen vom Lichterfest 2012

Lichterfest im Büsingpark

Diesmal bleibt es trocken. Als Problem erweist sich der Wind, der immer wieder die lodernden Flammen ausbläst. „Wenn die letzte an ist, sind die ersten wieder aus“, seufzt Anette Bacher. Sie ist neue Bereichsleiterin St.-Josefshaus bei der Caritas. Dafür, dass diese zum ersten Mal beim Lichterfest vertreten ist, hat sie bei der Auslegung ihres Flammenkreuzes gut kalkuliert: „Wir haben 1242 Kerzen bekommen – knapp zehn sind übrig“, strahlt Bacher.

Ganz im Geist der Ökumene zeigt gleich nebenan die Griechische Gemeinde Flagge. Unbeeindruckt von der Krise in ihrer alten Heimat lassen die Hellenen unter den fünf Ringen das olympische Feuer flackern. Die sportliche Devise: Dabeisein ist alles. Und wer das Konzert-Thema nicht verstanden hat, dem erläutert es die Freie Evangelische Gemeinde. „Zum Thema ,Fatum’ (Schicksal) glauben wir: Was auch kommt – Gott geht mit“, schreibt sie.

Bedingt durch die Perspektive ist manches schwierig zu lesen

Überhaupt inspiriert die Musik viele der 56 beteiligten Gruppen. Violinschlüssel und Noten sind häufig gelegte Motive. So bildet der Skiclub am Hügel den Schriftzug „Ludwig van B.“ und den berühmten Auftakt von Beethovens fünfter Sinfonie: „Tatatataa“. Was die Trikot-Silhouette mit dem Namen Ludwig und der Nummer 9 bei den OFC-Handballern bedeutet, kann ein Aktiver mittleren Alters indes nur vage erklären: „Angeblich soll mal ein Ludwig bei uns gespielt haben, aber da bin ich noch nicht auf der Welt gewesen.“

Bedingt durch die Perspektive ist manches schwierig zu lesen. Den Namen „Geschwister-Scholl-Schule“ am unteren Bildrand kann das ältere Ehepaar enträtseln, aber was steht da am oberen? „Weiße Rose“, hilft ein Umstehender aus: So hieß die Widerstandsgruppe um die „Schulpaten“ Hans und Sophie Scholl.

Toilettenmangel

Für künftige Lichterfeste hat der Oldie-Club Offenbach vorgesorgt. Vier Wochenenden und drei Tage haben drei Mitglieder darauf verwandt, das OCO-Logo in Holz zu schnitzen. Die Schablone ist wiederverwendbar.

Bei künftigen Auflagen des für viele schönsten Festes in der Stadt wird bestimmt ein Mangel abgestellt, den vor allem die Damen beklagen – der Toilettenmangel. Organisator Müller räumt dieses Manko ein, gibt jedoch zu bedenken: „Ein Toilettenwagen 2000 Euro, zwei Toilettenwagen 4000 Euro, drei Toilettenwagen 6000 Euro...“ Auch das Sparschwein im Stadtcafé im Frieda-Rudolph-Haus, das für den Gang aufs Klo 50 Cent verlangt, aber naturgemäß kein Wechselgeld herausgibt, stößt auf Kritik.

Mag es bei der Entsorgung gehapert haben: Die Versorgung mit Speisen und Getränken ist als gelungen zu bezeichnen. Für die Sicherheit bürgt die Feuerwehr, für die Sauberkeit der Stadtbetrieb ESO. Und das Allerwichtigste bringt die ehrenamtliche Stadträtin Grete Steiner auf den Punkt: „Ich bin sehr bewegt, wie die Menschen sich hier begegnen!“

Bilder vom Lichterfest 2011

Lichterfest im Büsingpark

Bilder vom Lichterfest 2010

Lichterfest im Park am Büsingpalais

Bilder vom Lichterfest 2009

Impressionen vom Lichterfest

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare