HfG liebäugelt mit zentralem Areal im alten Hafen

Offenbach - Jetzt oder nie: Joachim Böger, Chef der Stadtwerke Holding (SOH) sieht die einmalige Chance, im Zuge der Konjunkturprogramme die Hochschule für Gestaltung (HfG) am Hafen neu zu bauen. „Wenn es nicht gelingt, das jetzt hinzubekommen, sehe ich kaum Möglichkeiten.

Nach Auslaufen der Programme sind die öffentlichen Kassen leer.“

Den Neubau wünscht sich die Hochschule, die seit Jahrzehnten unter Platzmangel leidet. Profitieren soll aber auch das Hafengebiet, das sich auf dem mühsamen Weg von der Industriebrache zum Wohn- und Büroviertel befindet. Da wäre ein Hochschul-Neubau ein entscheidender Schritt.

Während HfG-Präsident Bernd Kracke zunächst die Hafeninsel als künftigen Standort propagiert hatte, liebäugeln er und die Entwickler nun damit, die HfG zwischen Nordring und Hafenbecken zu errichten. Und zwar gleich im ersten Bauabschnitt - also zwischen Carl-Ulrich-Brücke und Taunusstraße. Dort wäre die HfG besser an die Stadt angeschlossen. Zudem ließe sich ein Neubau schneller realisieren. Denn mit der Erschließung des ersten Bauabschnitts beginnt die SOH-Tochter Mainviertel GmbH bereits im März. Die Arbeiten an einer neuen Straße ins künftige Quartier starten an der Carl-Ulrich-Brücke. Ein HfG-Neubau würde nach Überzeugung Bögers gut auf ein Filetgrundstück passen, das den Planungen zufolge ans Hafenbecken und einen zentralen Platz anschließt. Sollten die Verhandlungen über einen Umzug der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst zum Erfolg führen, wäre auch für die genug Platz, sagt der SOH-Chef.

Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth hat bereits betont, sie könne sich einen „innovativen Nukleus“ am Offenbacher Hafen vorstellen. Schließlich wollen sich beide Städte als Zentren für Kreative etablieren - das geht am besten gemeinsam. Roths Offenbacher Kollege Horst Schneider ist ohnehin Feuer und Flamme für ein solches Projekt. Die Frankfurter Hochschule selbst reagiert bislang aber ablehnend auf die Idee, nach Offenbach zu ziehen.

HfG-Präsident Bernd Kracke kann sich auch vorstellen, dass seine Einrichtung in Etappen neu gebaut wird. Zunächst könnte die Hochschule eine Außenstelle am Hafen erhalten, die den akuten Raummangel behebt. Der Rest der würde ein paar Jahre später folgen. Derzeit stehen der HfG - verteilt auf mehrere Standorte - 8 000 Quadratmeter zur Verfügung. Ein Gutachten des Wissenschaftsministerium hat vor zwei Jahren ergeben, dass 11 000 Quadratmeter notwendig wären. Mittlerweile wünscht sich die HfG sogar 15 000. Joachim Böger schätzt, dass 40 Millionen Euro nicht reichen werden, um den Neubau zu errichten. Derzeit lasse er die Kosten kalkulieren.

Böger und Kracke hoffen, dass sich auch die neue hessische Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) für das Vorhaben begeistert. Sollte das Land die Mittel zur Verfügung stellen, fiele es der SOH zudem leichter, einen Investor zu finden, der sich an der Mainviertel GmbH beteiligt. Derzeit spricht die SOH mit dem holländischen Projektentwickler ICE Development über ein Engagement. Sollte Böger den Eindruck gewinnen, dass das Interesse hinreichend groß ist, würde die SOH die Beteiligung ausschreiben. Bewerber könnten dann die Hälfte der Mainviertel-Anteile kaufen und sich damit zugleich bestimmte Grundstücke sichern. Die Alternative ist, Grundstücke einzeln für Investoren auszuschreiben. In den nächsten Wochen will sich die SOH für ein Verfahren entscheiden.

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