Lieber solide Geschäfte als Tänzerinnen

+
Motoren, Chassis und Zubehör für den Kartsport wurden zwei Tage lang in den Offenbacher Messehallen präsentiert. Rund 14 000 Besucher interessierten sich für die kleinen Flitzer.

Offenbach ‐ Es gibt Messen, da lässt sich am Publikum vor den Eingangstüren erahnen, was in den Hallen nicht ausgestellt wird. Vor der Offenbacher Messe hätte man am Wochenende wetten können, dass die Besucher nicht gekommen waren, um Brautkleider oder Lederwaren zu sehen. Von Stefan Mangold

Schließlich waren die meisten der rund 14.000 Gäste männlich. Sie besuchten in Offenbach die 19. IKA Kart 2000, die weltgrößte Messe rund um den Kartsport. An den 121 Ständen der von Botho G. Wagner organisierten Messe präsentieren sich am Wochenende 511 Aussteller. Ein Ergebnis, mit dem Wagner sich zufrieden zeigt. Zwar fehlten chinesische Firmen diesmal komplett, weil italienische Produzenten wegen deren lizenzlosen Nachbaus ihrer bis zu 300 Stundenkilometer schnellen Karts vor internationalen Gerichten erfolgreich geklagt hatten, doch „andere Länder füllen die Lücke aus“, berichtete Wagner. Besonders aus Italien und Australien seien „mehr Anbieter als sonst gekommen.“ Deutsche Firmen waren ebenfalls stark vertreten.

Dabei hatte es in der vergangenen Woche noch bedenklich für den Veranstalter ausgesehen. Auf dem Parkplatz am Mainufer stand das Wasser, was bedeutet hätte, dass weder die LKW der Aussteller noch die Fahrzeuge der Besucher dort hätten abgestellt werden können. Das Wasser floss aber rechtzeitig ab. Zudem stellte die EVO auf ihrem Gelände am Nordring Parkplätze für die Besucher zur Verfügung. „Die Stadt hat uns enorm geholfen,“ betonte Wagner. Die Besucher akzeptieren den teilweise weiten Weg von ihren Autos zur Halle. Selbstverständlich sei das nicht, denn „der Rennsport ist eine mobile Gesellschaft ohne eigenen Antrieb“, schmunzelte Wagner.

Verzicht auf Schnickschnack und Klimbim

Der Kartsport, dem in Deutschland gut 20.000 Hobbyfahrer frönen, gilt als Sprungbrett des Motorsports. „Jeder Fahrer der Formel 1 fuhr seit Kindesbeinen an,“ so Wagner. Manche Kinder hätten vermögende Eltern, die den Sport finanzieren, der jährlich durchaus eine sechsstellige Summe verschlingen kann. Anders bei Weltmeister Sebastian Vettel. „Da ackerte die ganze Familie samt Großeltern für Sebastians Karriere,“ die, so Wagner, ohne Sponsoren nicht hätte starten können.

„Ohne die läuft nämlich nichts,“ sagt auch Birgit Krauss aus dem niedersächsischen Emsbüren. Sie gewann den Titel „Schrauber des Jahres 2010“, mit dem die IKA Kart 2000 herausragende Leistungen von Mechanikern kürt. Seit fünf Jahren betreut Krauss den niederländischen Fahrer Larry ten Voorde (14). In den letzten drei Jahren gewann ihr Schützling die Meisterschaft in seiner jeweiligen Altersklasse. Ziel für den jugendlichen Fahrer und sein Umfeld ist es, „später in der Formel 1 in einem Wagen zu sitzen.“

Als Grund für den Erfolg seiner Messe gibt Wagner den „Verzicht auf Geschichten wie Aftershow, generell auf Schnickschnack und Klimbim“ an, den viele Menschen sonst mit dem Automobilsport verbänden. Seinen Kunden ginge es um solide Geschäftsabschlüsse, „nicht um nackte Tänzerinnen auf der Bühne.“ Das Publikum bestehe „fast zu hundert Prozent aus Leuten vom Fach“.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare