Lieber verkaufen als zocken

Offenbach - Warum der Stadt Offenbach ein Drittel des Egelsbacher Flughafens gehört, wissen viele nicht so genau. „Die Ursachen liegen irgendwo in der frühen Nachkriegsgeschichte“, meint Stadtkämmerer Michael Beseler (SPD). Nach dem Kreis ist die Stadt jedenfalls bedeutendste Anteilseignerin.

Im Gegensatz insbesondere zur Gemeinde Egelsbach verbindet das Rathaus aber kein eigenes Interesse mit dem Start- und Landeplatz für Geschäftsflieger. Entsprechend klein sind nun die Hemmungen, sich von der Beteiligung zu trennen. Weder für die Steuereinnahmen noch für die Infrastruktur Offenbachs sei der Egelsbacher Flughafen von Wert, betont Beseler.

Darum hat er am Montagabend auch dem Haupt- und Finanzausschuss in nicht-öffentlicher Sitzung empfohlen, einen Verkauf der Anteile zu befürworten. Abstimmen wird der Ausschuss über eine Veräußerung des Flughafens an die Firma NetJets am nächsten Montag - am folgenden Donnerstag steht der Beschluss der Stadtverordneten an. Dass das Parlament den Verkauf beschließen wird, gilt als sicher.

Während das Thema in Egelsbach und Langen heiß diskutiert wird und Gegenstand von Bürgerbegehren ist, weckt der Flugplatz in Offenbach kaum Emotionen. Nur die Linksfraktion solidarisiert sich bislang mit den Bewohnern des Westkreises und lehnt eine Privatisierung ab, weil damit eine Zunahme des Fluglärms verbunden sei. Ansonsten aber werden in Offenbach allenfalls wirtschaftliche Einwände gegen den Verkauf laut. Der Flugplatz sei vielmehr wert, als jene 3,5 Millionen Euro, die NetJets den bisherigen Eigentümern bezahlen will, sagen Kritiker hinter vorgehaltener Hand.

„Ich glaube auch, dass der Flughafen mehr wert ist, aber was hilft mir das, wenn keiner mehr bezahlen will“, sagt Beseler. In den vergangenen Jahren erwirtschaftete der Flughafen Verluste. Der Glaube, dass sich daran etwas ändern und die Beteiligung künftig Rendite bringen könnte, ist klein im Offenbacher Rathaus. 150 000 Euro musste die Stadt allein im vergangenen Jahr für einen Flughafen bezahlen, der ihr keine Vorteile bringt. Daher sei es aus Offenbacher Perspektive die „optimale Lösung“, die Anteile nun zu verkaufen und zumindest das Eigenkapital in Höhe von 1,2 Millionen Euro zurück zu erhalten.

Die Wette, dass die Fraport AG eine Insolvenz des Egelsbacher Flughafens in jedem Fall verhindern und notfalls auch mehr Geld auf den Tisch legen würde, als das die Firma NetJets von US-Milliardär Warren Buffetts nun beabsichtigt, will Beseler lieber nicht eingehen. „Ich bin Kämmerer und kein Zocker.“

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