Lili-Tempel in Offenbach

Ein Denkmal zum Mieten

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Die Kombination aus Historischem und Modernem macht´s: Bis zu 80 Partygäste können drinnen und draußen das Ambiente des Lili-Tempels genießen.

Offenbach - In der heutigen Grünanlage, wo sich einst Johann Wolfgang von Goethe und seine Verlobte Anna Elisabeth („Lili“) Schönemann heimlich trafen, können Paare jetzt ganz offiziell ihre eheliche Verbindung feiern. Von Sarah Neder 

Der romantisch anmutende Lili-Tempel, der unten am Mainufer hinter schmiedeeisernen Zäunen ruht, bietet vielen frischgebackenen Eheleuten den geeigneten Ort für die Hochzeitsfete. Auch wenn die Liebelei zwischen Goethe und seiner Lili nicht lange gehalten hat: Der kurze Weg vom Standesamt im Büsingpalais, sowie die individuelle Kulisse des Bauwerks und der 3 000 Quadratmeter große Lili-Park überzeugen viele Heiratswütige. Seit Mai 2013 können Kunden den klassizistischen Badetempel für private Veranstaltungen buchen. Das Konzept scheint anzukommen: „Beinahe jeden Samstag in diesem Sommer richten wir eine Hochzeit aus“, berichtet Eventmanager Hauke Steding über den Erfolg.

Besonders die Kombination aus historischem und modernem Bauwerk imponiere den Leuten, so Steding, der unter dem Geschäftsführer Volker Hohmann bei der Lili-Tempel Event GmbH arbeitet. Dieser besondere Charme ist allerdings kein Zufall, sondern das Ergebnis zeit- und kostenintensiver Renovierungsarbeiten. Mancher Offenbacher wird sich noch an den mit Einkaufswagen gefüllten Tümpel vor dem von Fliegerbomben zerstörten Lili-Tempel erinnern. Junkies hatten sich im Keller des Denkmals eingenistet und es mit Graffiti beschmiert. Heute zeugt von dieser Zeit nur ein schmaler Wandstreifen im Inneren des Gebäudes. Dort sind noch bunte Schriftzüge zu sehen. Der Rest überzeugt durch stilechte, liebevolle Restaurierung. Und das hat seinen Preis: „Bei einer Hochzeit, an einem Samstag mit 70 bis 80 Personen und Bestuhlung kommt eine Raummiete von zirka 2 500 Euro zusammen“, rechnet Steding vor. Hinzu kämen Nebenkosten und Personalaufwand.

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Im Gegenzug hat der Kunde freie Wahl an Dienstleistern. Denn Steding setzt auf ein flexibles Angebot. „Man ist weder an einen bestimmten Caterer noch an DJs oder teures Service-Personal gebunden“, erklärt er. Vielmehr versucht der Fachmann, auf die individuellen Wünsche des Brautpaars einzugehen. „Manche haben mich schon ,Weddingplanner‘ genannt“, lacht Steding. Von Grillbuffets über Live-Kochstationen und Kinderbetreuung bis zur Beleuchtung sei alles möglich, weiß er. Man brauche nur ein großes Netzwerk an Dienstleistern. Was für den gelernten Veranstaltungskaufmann außerdem Gold wert ist, sind tolerante Nachbarn. Gerade bei Weihnachtsfeiern werde die Musik proportional zum Alkoholpegel aufgedreht. Mittlerweile sei der Tempel mit Anbau auch für Workshops, Fotoshootings und Weinproben begehrt. Vor einem Jahr war das Objekt von Ikarus-Geschäftsführer Hohmann noch für 2,1 Millionen Euro im Internet zu finden, da er ein neues Domizil in seiner Heimatstadt Gelnhausen gefunden hatte. Der Erfolg der Eventagentur habe jedoch den Verkauf der Immobilie abwenden können, weiß Steding.