Faire Mieten für alle

Linke-Kandidat Sven Malsy fordert gerechtere Baupolitik

+
Kickers-Fan und Gentrifizierungsgegner: Sven Malsy tritt mit 23 Jahren bereits zum zweiten Mal für die Linke zur Kommunalwahl an.

Offenbach - Junge Leute interessieren sich nicht für Kommunalpolitik? Wir treffen uns mit Nachwuchspolitikern, die auf den Listen für die Kommunalwahl zu finden sind. Wir fragen sie, was ihnen wichtig ist und wie sie ihre Generation erreichen möchten. Von Sarah Neder

Sven Malsy, schwarze Jacke, schwarze Hose, schwarzer Turnbeutel über der Schulter, schlendert aus dem Fanshop am Bieberer Berg. Kickers-Anhänger, sagt Malsy, ist er schon immer. Er schwärmt vom Pokalsieg 1970, von Karlheinz Volz und wie der den entscheidenden Elfmeter parierte. Das alles weiß Malsy aber nur aus Erzählungen. Denn er ist erst 23 Jahre alt. In diesem jungen Alter tritt Sven Malsy aber schon zum zweiten Mal für die Linke zur Kommunalwahl an. Das erste Mal kandidierte er mit 18. Führt Wahlkampf während des Abiturs, besucht eine Podiumsdiskussion nach der anderen, ist dort mit Abstand der jüngste Redner.

Lesen Sie dazu auch:

Tobias Dondelinger: „Gleiche Chancen verschaffen“

Miriam Heberer: „Nur motzen kann jeder“

Atta Munawar: „Berührungsängste nehmen“

Fünf Jahre, ein abgebrochenes Studium in Jura und ein angefangenes in Ethnologie später, tritt Sven Malsy wieder an. Der Student steht auf Listenplatz vier, obwohl er immer noch einer der jüngsten Kandidaten seiner Partei ist. Rundgang um das Stadion am Bieberer Berg. Während der Saison fiebert Malsy alle zwei Wochen im Block 2 mit, fährt dazwischen zu den Auswärtsspielen. Ein Glück, dass sich Wahlkampf und Rückrunde nur um eine Woche überschneiden, denn für den Politiker sind die Monate vor den Wahlen wie eine einzige große Diskussionsrunde. Er führt Bürgergespräche, redet mit Schülern über die Ziele seiner Partei. „Ich will jungen Leuten klar machen: Es ist eure Entscheidung, wie es weitergeht“, verdeutlicht Malsy, der mit etwa 14 Jahren anfing, sich für Politik zu interessieren. „Mit 16 bin ich auf die ersten Demos gegangen. Zum Beispiel in Berlin für den Mindestlohn“, erinnert sich der Offenbacher. Vor sechs Jahren tritt er dann in die Linke ein.

Was würde er machen, wenn er zehn Millionen Euro hätte? Kurze Pause hinter der Waldemar-Klein-Tribüne. Malsy schaut nachdenklich an der Fassade hoch. „Naja... fünf Millionen würde ich dem OFC schenken“, antwortet er. Das restliche imaginäre Budget investiere er in den sozialen Wohnungsbau, neben der Jugendarbeit und dem Kampf gegen Rassismus in Offenbach eines seiner zentralen Themen. Mieten in Offenbach würden für viele Gruppen unbezahlbar, immer mehr Menschen müssten in kleinere oder in weniger zentral liegende Wohnungen umziehen, schildert Malsy seiner Meinung nach das Ergebnis der vom Rathaus angestrebten städtischen Aufwertung. Anstatt teurer Bauprojekte möchte der Linke stattdessen die Bewohner Offenbachs fördern: „Ich möchte Leute dabei unterstützen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.“

Die lustigsten Wahlkampf-Pannen der Politiker

Kommentare