Das sagen Offenbachs Hellenen

Linkspartei Syriza: Wohin geht die Reise?

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Stürmische Zeiten: Nicht die Schönheiten Griechenlands, wie hier auf der Insel Santorini, beschäftigen derzeit die meisten Deutschen, sondern die politische Lage an der Ägäis.

Offenbach - Syriza, Sparkurs, Schuldenschnitt – diese Worte verbindet man aktuell unmittelbar mit Griechenland. Von Steffen Müller 

Seit der Wahl am vorletzten Sonntag, die die Linkspartei Syriza um den neuen Präsidenten Alexis Tsipras gewinnen konnte, ist Griechenland einmal mehr ein heiß diskutiertes Thema. Mit 4486 Griechen (Stand Dezember 2013) besitzt Offenbach deutschlandweit gesehen den prozentual höchsten Anteil an griechischen Mitbürgern. Auch Offenbachs Hellenen haben die Wahl und die Ereignisse in ihrer Heimat intensiv verfolgt. Für sie steht fest, dass trotz der momentan herrschenden Differenzen zwischen der griechischen Regierung und der EU die Beziehungen nicht abgebrochen werden dürfen und die Einheit erhalten bleiben muss.

Dr. Manolopoulos

„Die EU darf Griechenland nicht fallen lassen“, sagt Dr. Konstantin Manolopoulos, Leiter des Kinderwunschzentrums Offenbach. Gleichzeitig fordert er, dass sich sowohl die Europäische Union, Deutschland als auch Griechenland aufeinander zubewegen. Und das in einem angemessenen Ton. „Mit Polemik kommen wir nicht weiter. Man muss behutsam miteinander umgehen“, meint der Arzt. Auch wenn die Forderungen der griechischen Regierung (Erlass aller Schulden und Privatisierungen stoppen) weit von den Vorstellungen der Sparpolitik der EU entfernt liegen, geht Manolopoulos von einer Einigung aus. „Es ist schwierig einzuschätzen, wie sich das Wahlergebnis auswirken wird. Ich glaube aber, dass die Reformen und die Konsolidierung fortgesetzt werden.“

Hoffnung des Deutsch-Griechen

Nikolaos Michos

Die Hoffnung des Deutsch-Griechen ruht auf den Wahlversprechen von Alexis Tsipras, die die soziale Gerechtigkeit betreffen. „Es ist wichtig, dass mit den Maßnahmen die reicheren Griechen getroffen werden“, so Manolopoulos, der es als essentiell ansieht, dass die Zinssätze niedrig gehalten werden. Schärfere Töne bekommt man im „Mojo“ zu hören. Die Bar an der Frankfurter Straße ist eine Anlaufstelle für junge Griechen. Hinter dem Thresen servieren griechische Barkeeper Frappé, ein kalter Kaffee und griechisches Nationalgetränk. „Deutschland spielt sich als Chef von Griechenland auf“, findet ein Gast, der erst vor kurzem nach Offenbach gezogen ist und einen Deutschkurs besucht. „In Griechenland geht alles sehr familiär zu. Die Eltern wollen ihre Kinder unterstützen, aber das geht nicht, weil überall gespart werden muss. Die Menschen können nicht für ihre Zukunft planen“, meint der 29-Jährige, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Es sei wichtig zu glauben, dass es aufwärts geht, so der Hellene, der in seiner Heimat als Barkeeper gearbeitet hat. Dass Tsipras das Ende des Spardiktats fordert, sei das richtige Zeichen, meint er. Irgendwann will er zurück nach Griechenland.

Georgios Konstantinidis vom griechischen Feinkostladen am Wilhelmsplatz ist schon seit 55 Jahren in Offenbach und kann sich nicht vorstellen, wieder in sein Geburtsland zurückzukehren. Dennoch beobachtet er aufmerksam, was in seiner Heimat passiert. „Ich verfolge alle Nachrichten. Es wird sehr viel versprochen, aber es ist gut, dass jetzt junge Menschen das Sagen haben.“ Die ältere Generation war ihm zu bequem.

Mit gemischten Gefühlen betrachtet Nikolaos Michos das Wahlergebnis. Für den Stadtverordneten aus Neu-Isenburg, der Mitglied des Deutsch-Griechischen Kulturforums KINISIS in Offenbach ist und im Vorstand des Verbands Griechischer Gemeinden in Deutschland sitzt, glaubt, dass einige Versprechen von Präsident Tsipras durchaus aus der Krise führen könnten. „Es ist der richtige Weg, den Mindestlohn auf 751 Euro im Monat zu erhöhen. Das belastet nicht den Staat, sondern die Arbeitgeber und hilft den Bürgern.“ Dafür sei es aber wichtig, dass Unternehmen wie der Athener Flughafen im privaten Besitz bleiben. „Es ist der falsche Weg, zurückzukaufen“, meint Michos, der einen Schuldenschnitt nicht für machbar hält und stattdessen fordert, Griechenland für Investoren attraktiv zu gestalten. Denn nur durch Investitionen könne sich der Wunsch nach dem Ende der Krise, den alle Griechen in Offenbach teilen, auch erfüllen.

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