Die Liste des Schreckens steht

Offenbach - Dem Betriebsrat des insolventen Druckmaschinenherstellers „manroland“ in Offenbach sind gestern die Namen von etwa 1000 Mitarbeitern übergeben worden, die aus Sicht der Insolvenzverwaltung ab dem 1. Februar nicht mehr weiter beschäftigt werden können. Von Marc Kuhn und Matthias Dahmer

Dies sagte die erste Bevollmächtigte der IG Metall Offenbach, Marita Weber, unserer Zeitung. Die Vorschläge seien vom Insolvenzverwalter in Zusammenarbeit mit Vertretern des Unternehmens erarbeitet worden. „Vor Sonntagabend wissen wir nicht, welche Kollegen betroffen sein werden“, erklärte Weber weiter. Bei der Auswahl der Betroffenen sei neben den Sozialkriterien auch entscheidend, welche Funktion die Mitarbeiter bei dem Druckmaschinenbauer haben. „Das Unternehmen muss neu aufgestellt werden“, sagte Weber zur Begründung. Der Gläubigerbeirat des insolventen Unternehmens hatte sich am Mittwoch für eine Zerschlagung von „manroland“ ausgesprochen.

Wie geht es weiter?

Wie geht es nun für die Betroffenen in Offenbach weiter? Weil am 31. Januar die Zahlung von Insolvenzgeld ausläuft, werde am 1. Februar eine Transfergesellschaft ihre Arbeit aufnehmen, teilte die Sprecherin der Offenbacher Agentur für Arbeit,Regina Umbach-Rosenow mit. Welche Gesellschaft das für die Roländer sein werde, bestimme der Insolvenzverwalter. Wer in diese Gesellschaft wechsele, erhalte für maximal ein Jahr Zahlungen in Höhe des Arbeitlosengeldes, dessen Bezug damit hinausgezögert werden könne.

Die Arbeitnehmervertreter, so Weber, bemühten sich zurzeit um eine bessere finanzielle Ausstattung der Transfergesellschaft, die die Frauen und Männer qualifizieren und in Jobs vermitteln soll. Mit der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg würden Gespräche mit dem Ziel geführt, den Europäischen Globalisierungsfonds anzuzapfen.

Keine schlechten Chancen auf neue Arbeitsplätze

Wie Umbach-Rosenow weiter erläuterte, würden Betroffene, die auch nach einem Jahr noch keine Beschäftigung gefunden hätten, Arbeitslosengeld beziehen. Die Chancen entlassener Roländer, wieder in Lohn und Brot zu kommen, bezeichnete die Sprecherin der Arbeitsagentur als nicht schlecht. In der Mehrzahl handele es sich um qualifizierte Fachkräfte, die auf dem Markt gefragt seien. Das bedeutet für Betroffene nicht zwangsläufig die Verlagerung des Lebensmittelpunkts. Umbach-Rosenow sieht durchaus neue Beschäftigungsmöglichkeiten im „Tagespendel-Bereich“, was rund eine Stunde Anfahrtszeit beinhalte.

Weil der überwiegende Teil der entlassenen Mitarbeiter aufgrund ihrer Qualifikation wohl von Transfergesellschaft und Agentur für Arbeit betreut werden, rechnet die Offenbacher Mainarbeit, die sich um Hartz IV-Bezieher kümmert, nicht mit „dem großen Ansturm“, wie der Chef der Mainarbeit, Matthias Schulze-Boeing, sagte. Ohnehin kämen nur rund 20 Prozent der bei „manroland“ Beschäftigen aus der Stadt Offenbach, dem Zuständigkeitsbereich der Mainarbeit. Umbach-Rosenow schätzt, dass etwa 60 Prozent aller 1 760 Offenbacher Roländer im Bezirk ihrer Arbeitsagentur wohnen. Der umfasst Stadt und Kreis mit Ausnahme des Westkreises.

Rubriklistenbild: © manroland

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