Lkw-Fahrer „bestes Pferd im Stall“

Betrug, Verurteilung und trotzdem Job behalten

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Offenbach - Dass Arbeitnehmer über Jahrzehnte ihrer Firma die Treue halten, ist nichts Ungewöhnliches. Bemerkenswert ist es im umgekehrten Fall und berichtenswert wird’s, wenn der Chef sogar noch zu seinem Angestellten hält, obwohl der ihn betrogen hat.

Mit einer solchen Situation sah sich Richter Manfred Beck konfrontiert. Der Fall: Ein inzwischen 62-jähriger Spediteur hatte vor 30 Jahren den Angeklagten, einen damals 28-jährigen Offenbacher, als Fahrer angestellt. Der Mann wurde sein „bestes Pferd im Stall“, war nie krank, fragte selten nach Feierabend. Aus Arbeitgeber und Arbeitnehmer wurden so im Laufe der Jahre Freunde.

Als der Fahrer seinem Chef vor Jahren beichtete, dass er wegen ein paar Unregelmäßigkeiten in den Knast müsste, wunderte sich der Spediteur zwar, stand aber weiter zu ihm und stellte ihn nach Haftentlassung sofort wieder ein. Bei finanziellen Nöten half er ihm mit einem Kredit.

Enorme Schulden angehäuft

Der Angeklagte verschwieg seinem Arbeitgeber aber, dass er enorme Schulden angehäuft hatte. Als er nicht mehr weiter wusste, nutzte er eine ihm vom Chef überlassene Tankkarte, um zu Geld zu kommen. Statt seines Lasters betankte er die Fahrzeuge von Freunden und Bekannten zum Sondertarif, so dass diese pro Liter Diesel 30 bis 50 Cent sparten. Er selber kassierte Bargeld, nutze beim Tanken aber die Karte seines Chefs, so dass dieser alle Rechnungen bezahlte.

Eine Buchhalterin bemerkte die Unregelmäßigkeiten, der ungläubige Spediteur war erst überzeugt, als er sich die Tankstellen-Videoüberwachung ansah. Zornig stellte er seinen Fahrer zur Rede, der alles gestand und einer Auflösung der Arbeitsverhältnisses zustimmte.

Vor Richter Beck zeigte sich der inzwischen 60 Jahre alte Angeklagte ebenfalls geständig und reuig. Da er schon 70 Prozent des Schadens von rund 7 000 Euro wiedergutgemacht hatte, verhängte das Gericht eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten. Zudem hat er nun 200 Stunden gemeinnützige Arbeit abzuleisten.

Am Rande des Verfahrens fragte der Spediteur seinen früheren Fahrer, ob er wieder bei ihm arbeiten wolle. Er habe keine guten Fahrer mehr...

mad

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