Ein Lob- und ein Klagelied

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Lob- und Klagelied mit und ohne Musik auf das Geburtstagskind Theodor-Heuss-Schule: Da sang Oberbürgermeister Horst Schneider (ganz links) kräftig mit.

Offenbach ‐ Festakte sind zwar meistens tatsächlich feierlich, die Gäste honorig und die Reden weihevoll gehalten. Doch hinterher erinnert sich kaum noch jemand, was welcher Redner vom Manuskript gelesen hat. Von Stefan Mangold

Beim Festakt, zu dem die Theodor-Heuss-Schule am Donnerstagabend in die Pausenhalle geladen hatte, ging es jedoch alles andere als langweilig zu.

Ein 125. Geburtstag, der verlangt nach Lokalpromis, die idealerweise etwas zu sagen haben. Oberbürgermeister Horst Schneider sprach als Ehrengast und begab sich somit in die Höhle des Löwen. Schon seit Jahren herrscht an der Schule große Unzufriedenheit über räumliche Missstände. Davon erzählten auch „Uschi und Gerda“, hinter denen Wilmar Reinhart und Helga Feuerbach steckten - zwei ehemalige Schülerinnen, deren THS-Zeit schon einige Jahrzehnte zurückliegt. Das Duo unterhielt das Publikum blendend mit Dialogen in heimischer Mundart. „Haste gehört, dass die immer noch Probleme habbe, die Fenster zu öffne?“ Uschi gab sich überrascht. Schließlich habe doch ein damaliger Mitschüler mit dem Namen Gerhard - „Der Lange, der später unser Oberbürgermeister war, fest zugesachd: Bis 2001 wird ein neues Schulgebäude ferdisch sein.“

Bilder des Festaktes an der THS

Theodor-Heuss-Schule feiert 125. Geburtstag

War es allzu offensichtlich nicht. Also betonte des OB Gerhard Grandkes Nachfolger Horst Schneider eilig: „Ich weiß, was man hier erwartet.“ Natürlich brauche die THS mehr Platz, „im Rathaus ist das angekommen.“ Jedoch hätte etwa die Beethoven-Schule höhere planerische Priorität, „weil es sich um einen kompletten Neubau handelt.“ Er sei nun aber zuversichtlich, „dass die Genehmigung für den Umbau im ersten Halbjahr 2010 kommt.“ Für die letzten Verzögerungen „ist die Krise im Finanzkapitalismus“ verantwortlich. Die sogenannte Öffentlich-Private Partnerschaft, die entsprechende Projekte finanziert, sei ein rechtlich heikles Konstrukt: „Wir müssen bestimmte Abfolgen genau einhalten,“ sonst riskiere die Stadt saftige Schadensersatzforderungen.

Mit anderen Sorgen setzte sich der Schulleiter Heinrich Kößler auseinander. Der Anteil der Schüler an der THS mit Migrationshintergrund „liegt bei siebzig Prozent.“ Etliche Schüler seien „weder in der deutschen noch in der Sprache ihrer Herkunft wirklich gut bewandert.“ Und vielen sei auch durchaus bewusst, dass sie mit einem geringen Bildungsabschluss „kaum Chancen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmark haben.“ Nicht wenige setzten deshalb ihre Hoffnung in die THS.

Schülervertretung in einer umgebauten Toilette

Und was begegnet ihnen hier?“ fragte Kößler rhetorisch. „Heruntergekommene Pavillons, überhitzte Räume im Sommer, die kaum zu lüften sind, ein Gebäude, das durch die Feuchtigkeit im Keller muffig riecht.“ Außerdem fehle es an einer Bibliothek, an Rückzugs- und Gruppenräumen, an einer Turnhalle ohnehin. „Die Schülervertretung sitzt weit weg im dritten Stock - in einer umgebauten Toilette,“ beschrieb Kößler die Situation drastisch.

Von den Kollegen werde „wie selbstverständlich erwartet,“ durch persönlichen Einsatz Missstände zu kompensieren, „und wir erzielen durchgehend Erfolge.“ Die Zahlen derer, die mit einem Abschluss die Schule verlassen, lägen „trotz der schwierigen Bedingungen nicht niedriger als etwa in Bensheim.“ Bis hin zum Abitur bietet die beruflich orientierte Bildungsinstitution für Wirtschaft und Gesundheit verschiedene Schulzweige an. Während die Gymnasien längst in neuen Domizilen arbeiteten, „ist es immer noch unabsehbar, wann hier der erste Spatenstich erfolgt.

Für das Rahmenprogramm sorgten Schüler mit Sketchen zur Historie der Schule, in der vor hundert Jahren zum ersten Mal in Hessen Jungen und Mädchen gemeinsam im Unterricht saßen. Die Schüler „Matthew und Ernest“ brachten den Rapsong „All by myself“. Schulsprecherin Mariam Zaidoun führte souverän durch den Abend.

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