Loblieder im Konsumtempel

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Polier Josef Hofmann war beim Blick ins Glas weniger seinem Durst als der Richtspruch-Tradition verpflichtet, bevor im Rohbau die Baustellen-Sause begann. OB Schneider freute es.

Offenbach - Das Richtfest für ein Millionending wie das am 24. September öffnende Einkaufszentrum KOMM in der Innenstadt ist üblicherweise die pure Streicheleinheit. Von Marcus Reinsch

Der Bauherr lobt die Stadt und ihre Ämter für die „wahnsinnsgute Unterstützung“. Die Stadt lobt den Bauherrn unter ausgiebiger Verwendung des Zauberwortes „Qualität“ für das „städtebaulich und stadtstrukturell wichtige, richtige und zukunftsweisende Projekt“ zurück. Dann reimt ein gestandener Handwerker ein Lob auf alle und alles, prostet dem für Gebäude mit diesen Dimensionen nötigen Richtkranz in Kleinwagengröße zu, zerdeppert traditionskonform das Glas und gesellt sich zur Gästeschar, die drinnen im fertigen Rohbau das Potenzial des Betonkörpers im Allgemeinen und das Büfett im Besonderen lobt.

So ist es eigentlich immer, so war es auch gestern Nachmittag, als am Aliceplatz das Richtfest für das KOMM über die Bühne ging. Den einzigen Wermutstropfen in der Vorfreude auf die Chancen, die sich mit dem Konsumtempel für Attraktivität und Qualität der Innenstadt auftun sollen, handelte Oberbürgermeister Horst Schneider mit alles andere als lobenden Worten im offiziellen Teil ab. Er schmähte jene Besitzer innenstädtischer Immobilien, „die freiwerdende Liegenschaften trotz der Initiative unserer Wirtschaftsförderung wegen kurzfristiger Renditeinteressen an Anbieter vermieten, die das Gegenteil von Qualität in unsere Stadt bringen“. Die Sucht dieser Menschen nach schnellem Geld, mahnte Schneider, torpediere die auch vom etablierten Einzelhandel getragene Mühe um eine Aufwertung und „schadet damit auch ihnen persönlich“.

Ansonsten: Aufbruchstimmung, formuliert von Markus Brod, Niederlassungschef der federführenden Hochtief-Projektentwicklung GmbH. Das KOMM wolle „nicht explizit Konkurrenz zum bestehenden Einzelhandel, sondern Ergänzung und Abrundung des vorhandenen Rundlaufs sein“ und solle aus dem von 480 000 Menschen bewohnten Einzugsgebiet „Konsumfetischisten ebenso ansprechen wie Menschen, die im Trubel Ruhe suchen“.

Impressionen zum KOMM-Richtfest

Richtfest des KOMM gefeiert

Etwas mehr Ruhe als während der auch nächtlichen Baustellen-Aktionen der vergangenen neun Monate dürfen sich zunächst die Anwohner erhoffen. „Wir sind dankbar für das bisherige Verständnis. Das Schlimmste ist vorbei, von jetzt an geht es aufwärts“, versprach Brod.

Nachweislich im Aufwärtstrend ist die Vermietungsquote des Konsumtempels. Von rund 15 700 geplanten Quadratmetern Handelsfläche auf drei Ebenen sind momentan 13 000 Quadratmeter vermietet. Das entspricht etwa 83 Prozent. Im Einkaufszentrum wird Platz für mehr als 60 Handels-, Dienstleistungs- und Gastronomiebetriebe sein. Die größten Flächen haben sich ein Tegut-Lebensmittelmarkt, die Drogerie Müller und der Bekleidungsfilialist H&M gesichert. Weitere Geschäfte bedienen die Bereiche Bekleidung, Accessoires, Sport, Snacks. Darunter sind viele Filialisten wie Ernsting‘s Family, Cecil, Street One, S. Oliver, Deichmann, Jack Wolfskin, Triumph, Starbucks und Basic Hairshop, aber auch schon in Offenbach etablierte Geschäfte wie M. Schneider/Gerry Weber und Thalia.

In der dritten und vierten Etage des 22 Meter hohen Komplexes sind Büroflächen mit eigenem Zugang vorgesehen. Insgesamt wird das Center über mehr als 600 Parkplätze im baulich verkuppelten Parkhaus und im zweiten Obergeschoss des Hauptbaus verfügen. Ein- und Ausfahrt zum Parkhaus liegen, getrennt, an der Geleitsstraße, von der aus auch der Lieferverkehr abgewickelt wird.

Das Gebäude selbst verfügt über einen Eingang am Aliceplatz und einen Richtung Große Marktstraße, wo ebenso wie in der kleinen Marktstraße die Fußgängerzone faktisch verlängert wird.

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