Lockrufe wurden erhört

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„Feuer und Flamme“ für Schrift waren die Offenbacher vor dem Büsingpalais.

Offenbach ‐  Rund 50 Museen, Galerien und Kulturinstitutionen hatten am Samstag für die „Nacht der Museen“ geöffnet. Shuttlebusse verbanden die Ziele von der Frankfurter Innenstadt bis nach Bockenheim, Höchst und zum „Eintracht Frankfurt Museum“ in der Commerzbankarena. Von Claus Wolfschlag

Auch Offenbach war mit fünf Örtlichkeiten mit von der Partie und zog dieses Jahr überraschend viele Besucher an. Ein Grund für diesen Publikumsandrang könnte an der komödiantischen Ballett- und Theateraufführung „Krabat oder Das Geheimnis der Schwarzen Mühle“ im großen Saal des Büsing-Palais gelegen haben. Rund 200 Zuschauer betrachteten gebannt die musikalisch gerahmte Aufführung des Sorbischen Nationalensembles.

Mehr Bilder von der „Nacht der Museen“:

Nacht der Museen in Offenbach und Frankfurt

Pünktlich zum Aufführungsende konnten sie im Hof des Palais eine Licht-Installation der Pfälzer Schriftkünstler Stefan Kindl und Tanja Leonhardt miterleben. Auf Platten eingeritzte Worte wurden entzündet, die Schriftzüge „Licht“ und „Nacht“ mit Feuerwerk illuminiert. Die beiden Künstler haben gemeinsam in Mainz Schriftkunst studiert und traten schon mehrfach für das Klingspor-Museum bei der „Nacht der Museen“ mit speziellen Vorführungen auf. „Schriftkunst muss nicht immer nur auf Papier stattfinden“, äußerte Stefan Kindl. „Diesmal haben wir unter dem Motto `Klingspor in Flammen´ experimentiert.“

Überhaupt hatte das Klingspor-Museum ein facettenreiches Angebot entwickelt, und Museumsleiter Dr. Stefan Soltek zeigte sich sehr zufrieden mit dem Besucherandrang. Im Erdgeschoss konnte noch die Paul Stein-Ausstellung bewundert werden. Im Obergeschoss waren die Exponate eines Fotowettbewerbs zu sehen. Marianne Vogel veranstaltete ihren beliebten Buchworkshop diesmal unter dem Motto „Stadt am Fluss“ und vornehmlich für Erwachsene. Und die Kunsthistorikerin Bettina Rudhof zeigte ihr selbst kreiertes Lampensystem „Lichtgestalten“. Ihren Ursprung hat die Idee in etwa 8000 alten gläsernen Großdias aus dem Lehrmittel-Fundus des kunsthistorischen Instituts in Frankfurt. Rudhof und Thorsten Wübbena nahmen sich der alten Kunstdias an und entwickelten daraus gemeinsam mit dem Architekten Falk Horn Dekolampen zum Verkauf. Je sieben originale Dias (keines jüngeren Datums als 1959) wurden in kleine Kästen horizontal oder vertikal zusammengefasst und mit einer eingebauten 13 Watt Energiesparleuchte rückseitig bestrahlt. Die daraus entstandenen Wandlampen sind Unikate und können unter http://www.kunst.uni-frankfurt.de/lichtgestalten für 100 Euro das Stück erworben werden.

Im Ledermuseum zeigten Frauen, wie japanische Seidenbilder entstehen.

Auch das Haus der Stadtgeschichte lockte mehr Besucher als in den Folgejahren an. Das mochte auch hier am abwechslungsreichen Programm gelegen haben, das sich teils um den Begriff „Oase“ drehte. Interessiert verweilte etwa der Seligenstädter Jürgen Meinel vor dem historischen Altstadtmodell: „Es fällt auf, wie die motorisierte Welt noch fehlt. Hauptsächlich interessiert mich das aber, weil ich selber Modellbauer bin.“ Nach Offenbach hat es Meinel verschlagen, weil ihn seine Freundin, die im Rosenheim-Museum arbeitet, dazu animiert habe. Neben der Hauptausstellung konnte er zudem die ironische Installation „Oasenrasen“ des Künstlers Hayko Spittel betrachten, bestehend aus Gemälden, Installationskörpern und Videoclips. Spittels Phantasien für einen Kaiserlei-Kreisel der Zukunft präsentierten eine bizarre Wasserlandschaft mit Enten und Kühen. Eine vom Sheraton Hotel organisierte Cocktailbar servierte fruchtige Mixgetränke, deren Duft den Raum erfüllte. Oberbürgermeister Horst Schneider wippte zur bodenständigen Bluesmusik der Band „Staircase Blues“, bis dann der furiose Kulturbruch in Form dreier Bauchtänzerinnen Einzug hielt. Hinter den drei „Asmana-Dancers“ versteckten sich Djamila, Leiterin der Tanzschule „Orient Academy“, und zwei Kolleginnen. Auch die druckkünstlerischen Präsentationen erfreuten sich großer Beliebtheit. Angelika Amborn-Morgenstern und Harald Morgenstern entwickelten einen Text-/Bildband aus Linol- und Holzschnitten, den Schüler der Jugendkunstschule und einige Museumsbesucher gestaltet hatten. Die Grafische Werkstatt führte praktisch in die traditionelle Technik des Buchdrucks ein. Hierzu hatte Dirk Freymann einen Linolschnitt gestaltet, unter den individuell die Namen von Ausstellungsbesuchern gesetzt werden konnten. Eine persönliche Erinnerungskarte an die „Nacht der Museen“, also.

Im Deutschen Ledermuseum blieb die Hauptausstellung wegen des Umbaus geschlossen. „Trotzdem sind heute viel mehr Besucher gekommen, als wir erwartet haben“, sagte der Herr am Eingang. Das dürfte an den attraktiven Aufführungen der dortigen „japanischen Nacht“ gelegen haben. Im ausgesprochen gut besuchten Veranstaltungssaal präsentierte die Taiko-Gruppe „Mondbären“ aus Braunfels ihre japanische Trommel-Kunst, zudem wurde ein Kimono-Bekleidungsritual gezeigt. Viel Applaus bekam auch Petra Kamalu vom Tanzstudio „Tamarisk“, die mit zwei Damen einen asiatisch inspirierten Schleierfächertanz vorführte. Liebhaber der stillen Exponat-Betrachtung faszinierte die Sonderausstellung „Die Geschichte des Prinzen Genji“ mit Seidenreliefs aus einer Tokioer Werkstatt.

Im Rosenheim-Museum konnte neben den Werken Bernd Rosenheims die aktuelle Ausstellung des in China aufgewachsenen Malers und Goya-Verehrers Yongbo Zhao bewundert werden. Zu sehen sind dabei zumeist Satiren auf den Menschen in Tierform – Geiermenschen, lüsterne Schafe, verschwörerische Fledermäuse, trunkene Affen. Es wurden Tuschetechniken vorgeführt und Peter Ellenrieder spielte Jazz auf dem Saxophon. Der eigentlich Star des Abends aber war hier der in Frankfurt lebende Chinese Wang Ning, der unermüdlich von der chinesischen Kultur zu erzählen wusste. Auch Lea Wissel konnte sich kaum von Wang Nings philosophischen Berichten losreißen, betrachtete verzückt mit einem Auge den Raum, mit dem anderen den kahlköpfigen Künstler. „Wang Ning ist schon im Frankfurter MAK aufgetreten“, erzählte sie. „Er ist ungewöhnlich, aber passt gut in das Museum.“

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