Lohnende Liebe zum Detail

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Stadtverordnetenvorsteher Erik Lehmann (links) überreichte den Offenbacher Denkmalschutzpreis an Dr. Anne-Gret Blum und Ludger Heuberg, Rotary-Präsident Gerd Petermann (rechts) machte die Freude mit einem Preisgeld von 3000 Euro perfekt.

Offenbach ‐ Der Volksmund weiß, dass endlich gut wird, was lange währt. Und Dr. Anne-Gret Blum und Ludger Heuberg wissen nun, dass das nicht nur für die Renovierung ihrer Villa im Westend gilt. Sondern auch für deren Würdigung. Von Claus Wolfschlag

Am Donnerstagabend ist das Ehepaar für die mustergültige Wiederherstellung ihrer großbürgerlichen Immobilie ausgezeichnet worden - mit dem Offenbacher Denkmalschutzpreis 2008.  Da fragte sich mancher Besucher im Stadtverordnetensitzungssaal, weshalb die Ehre erst mit zwei Jahren Verspätung ankommt. „Der Preis wird immer ein Jahr später verliehen“, erklärte Michael Poeschel, Vorsitzender des Denkmalbeirates. „Aus persönlichen Gründen aber konnten wir ihn nicht bereits 2009 verleihen. Das haben wir heute nachgeholt.“ Heißt: In diesem Jahr wird Poeschel auch noch den Denkmalschutzpreis für 2009 verleihen, um den gewohnten Rhythmus wiederherzustellen.

Blum und Heuberg verdienen den Preis nach Meinung des Denkmalbeirats, weil sie die neobarocke Villa in der Körnerstraße 52 samt des Gartens denkmalgerecht wiederhergestellt haben. Michael Poeschel entdeckte die Bauarbeiten an der Villa während eines Stadtspaziergangs und verfolgte das Geschehen seitdem genau. Er war es, der die Preisträger schließlich dem Beirat vorschlug. Das Gremium, bestehend aus etwa 15 Vertretern aller Parlamentsfraktionen und sachverständigen Bürgern, folgte der Empfehlung.

„Wir sind vor etwa zehn Jahren nach Offenbach gezogen, stammen ursprünglich aus Duisburg“, sagte Preisträger Ludger Heuberg, der als Kaufmann in einem Touristikunternehmen arbeitet. „Der Preis kam für uns ganz unerwartet.“ Die Familie hatte bereits an der Körnerstraße gewohnt, als Blum das Verkaufsschild an der alten, seit 2005 leer stehenden Villa auffiel. Bei einem Besichtigungstermin verliebte sich das Paar sofort in das Gebäude. 2007 kauften sie es. Es folgten Sanierungsarbeiten bis zum August 2008, die den Kaufpreis bei weitem überstiegen, wie Offenbachs Denkmalschützer Helmut Reinhardt erläuterte.

Die 1906 vom Architekten Philipp Hufnagel entworfene Fabrikantenvilla war nach dem Zweiten Weltkrieg mit Einbauten versehen worden, die das Gebäude in drei Wohnungen unterteilten. Diese Trenner wurden nun wieder entfernt, der verwilderte Garten neu angelegt. Parkett, Fenster und Türen mussten restauriert oder gar originalgetreu nachgebaut werden – wobei es schwierig war, fachkundige Handwerker zu finden. Der in den 1950er Jahren veränderte Wintergarten erhielt wieder „korbbogige“ Fensteröffnungen und Sprossenfenster.

Viel Arbeit und viel Geld, alles in allem

Eine der größten Überraschungen erlebte das Paar bei der Überarbeitung einer Stuckdecke: Oberhalb eines aufwändigen Exemplars fand sich ein noch prächtigeres aus dem Jahr 1906, das freigelegt und ergänzt wurde. Außerdem mussten vielerorts Rost und Moos beseitigt und Umweltschäden an der gelben Sandsteinfassade ausgebessert werden. Wo Originalsubstanz fehlte, wurde anhand von alten Zeichnungen originalgetreu rekonstruiert, etwa beim Terrazzoboden der Eingangshalle. Die Bäder wurden optisch passend modernisiert. Unterstützung bekamen die neuen Eigentümer dabei vom Frankfurter Architekt Matthias Feuer.

Viel Arbeit und viel Geld, alles in allem. Die Stadt vergab jetzt zum vierten Mal eine Urkunde und eine Plakette, die man an seiner Hauswand anbringen kann. Dass sich die Preisträger erstmals auch über ein Preisgeld von 3000 Euro freuen können, haben sie dem Rotary-Club zu verdanken, der die Summe bereitgestellt hat. Man habe selbstverständlich keinen Einfluss auf die Entscheidung des Denkmalbeirates genommen, betonte Offenbachs Rotary-Präsident Gerd Petermann. Aber man wolle dennoch positiv auf die Stadt einwirken. Offenbach solle sich weniger nur als sozialer Brennpunkt verstehen, sondern auch als liebenswerte Stadt. Petermann forderte in seiner Rede eine ideologiefreie, überparteiliche Debatte zur künftigen Stadtplanung.

Offenbachs Stadtverordnetenvorsteher Erik Lehmann leitete die feierliche Verleihungszeremonie, Yumiko Noda an der Violine und ihre Tochter Emi Noda am Klavier garnierten sie musikalisch - mit drei Stücken von Claude Debussy, komponiert etwa in der Zeit, als auch die Villa in der Körnerstraße erbaut wurde.

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