Arbeitsmarkt im Wandel

Wieder mehr Offenbacher mit einem Job

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Offenbach - Wieder mehr Offenbacher, die in Lohn und Brot sind, dafür noch viel zu wenige, die ihr Geld auch direkt in der Stadt verdienen. Gleichzeitig steigt die Zahl der Hartz IV-Empfänger: Die Bilanz 2015 zum lokalen Arbeitsmarkt ist durchwachsen.

Demgemäß muss auch Stadtkämmerer und Sozialdezernent Felix Schwenke (SPD) differenzieren: Es gebe positive Entwicklungen, aber auch neue Belastungen, fasst er zusammen. Im Detail: Die Zahl der Beschäftigten in den Offenbacher Betrieben ist von Jahresmitte 2014 bis Jahresmitte 2015 nach den jüngsten vorliegenden Zahlen um knapp 700 beziehungsweise 1,5 Prozent auf 45. 925 gestiegen. „Damit lag Offenbach ungefähr im Hessentrend und sogar leicht besser als die anderen hessischen Großstädte außer Frankfurt“, so Schwenke. Er verweist allerdings auch darauf, dass diese positive Entwicklung nicht davon ablenken dürfe, dass die Stadt in der langfristigen Betrachtung nach wie vor von den Folgen des Strukturwandels mit erheblichen Arbeitsplatzverlusten betroffen sei. Tatsächlich zeigt die Entwicklung der vergangenen fünf Jahre, dass die Stadt Offenbach Schlusslicht ist, was den Anstieg der sozialversicherungspflichten Beschäftigen am Arbeitsort angeht.

Deutlich erfreulicher stellt sich die Situation dar, wenn man sich die Entwicklung der am Ort wohnenden, teilweise aber außerhalb arbeitenden Menschen anschaut – also nicht die Beschäftigung nach dem Arbeitsort, sondern die nach dem Wohnort betrachtet. „Da hat es im abgelaufenen Jahr, aber auch in den Jahren zuvor eine sehr positive Entwicklung gegeben. Die Zahl der Beschäftigten am Wohnort ist allein im vergangenen Jahr um knapp sechs Prozent auf 46. 534 gestiegen, stärker als in allen anderen hessischen Großstädten“, führt Schwenke aus. Darin drückt sich für ihn einerseits die positive Bevölkerungsentwicklung aus, die viele Arbeitnehmer neu in die Stadt gezogen habe. Andererseits sei dies aber auch ein Erfolg der kommunalen Bemühungen, möglichst viele Menschen in Arbeit zu bringen und in Arbeit zu halten.

Was die Arbeitslosigkeit in der Stadt angeht, bezeichnet Schwenke die Situation als stabil. Sie ging leicht um 2,8 Prozent zurück, hessenweit war ein Rückgang um 3,5 Prozent zu verzeichnen. Schwenke: „Bei den übrigen hessischen Großstädten ist die Bilanz unterschiedlich. Offenbach liegt in diesem Vergleich etwa in der Mitte.“ Wieder etwas steigende Zahlen gab es 2015 bei den Leistungsbeziehern nach dem Sozialgesetzbuch II (Hartz IV), die in Offenbach vom kommunalen Jobcenter Mainarbeit betreut werden. Die Zahl stieg um 1,2 Prozent. Schwenke führt dies hauptsächlich auf die anhaltend starke Zuwanderung aus Süd- und Südosteuropa zurück, weist aber auch darauf hin, dass zu den Leistungsbeziehern nicht nur Arbeitslose, sondern auch viele Erwerbstätige mit niedrigem Einkommen zählen. Letztere machen etwa 28 Prozent der Leistungsbezieher aus.

„Bemerkenswert ist, dass die Steigerung in Offenbach trotz der hohen Zuwanderung und des starken Zuzugs deutlich niedriger ausgefallen sind als im hessischen Durchschnitt und in den anderen Großstädten. Es ist also gelungen, trotz schwieriger Rahmenbedingungen auch auf sozialem Gebiet eine gewisse Stabilität herzustellen“, resümiert der Sozialdezernent.

Sozialverband: So viel Arme in Deutschland wie noch nie

Schwenke lobt deshalb die Arbeit des Jobcenters. „Dieses hat alle durchaus ambitionierten Ziele für das Jahr 2015 erreicht und auch im hessischen und im regionalen Vergleich gut abgeschnitten.“ So sei die Steigerung der ausgezahlten Geldleistungen eine der niedrigsten in Hessen. Zirka 3500 (26 Prozent) Jobcenter-Kunden hätten Arbeit gefunden. Auch dieser Wert sei besser als der Hessendurchschnitt. Was das neue Jahr angeht, sieht Felix Schwenke zahlreiche neue Belastungen. So könne derzeit niemand prognostizieren, wie sich die große Zahl der Flüchtlinge in Deutschland auf den regionalen Arbeitsmarkt auswirken werde. (mad)

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