Lokalpolitik und Elternglück

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Grünen-Stadtverordnete Sabine Grasmück-Werner genießt einen freien Nachmittag mit ihren Kindern Tom (8), Florin (3) und Rosalie (5).  

Offenbach - Heute steht den Offenbacher Parlamentariern ein langer Abend bevor. Es ist Stadtverordnetensitzung. So manche müssen deswegen nach einem Babysitter Ausschau halten. Von Veronika Szeherova

Mit drei von ihnen haben wir gesprochen.  Sie wird morgen erst zwei Monate alt, ist im Stadtparlament aber eine kleine Berühmtheit: Sophia Rupp, das erste „interfraktionelle Baby“. Mama Andrea ist bei der SPD, Papa Christoph CDU-Mitglied. Nach einem Monat Elternzeit ist der Diplom-Kaufmann wieder voll im Beruf, während Andrea Rupp ein Semester mit ihrem Politologie- und Soziologiestudium pausiert.

Frischgebackene Eltern: Andrea und Christoph Rupp mit Sophia.

Bereits elf Tage nach der Geburt war das Ehepaar mit Sophia in der Stadtverordnetenversammlung. „Das machen wir aber nur, wenn unsere Eltern, die in Bieber und Bürgel wohnen, gerade keine Zeit haben“, sagt die 32-Jährige. Generell gilt es, den Terminplan genau abstimmen: „Oft haben wir die Sitzungen nicht parallel, dann können Christoph oder ich auf die Kleine aufpassen.“

Trotz erschwerter Bedingungen und notwendigen Organisationstalents strahlt die junge Mama vor Freude: „Sophia ist ein Wunschkind, und jeder Tag mit ihr ist wunderschön!“

Eine erfahrene Mutter und pädagogisch bewandert als Lehrerin an einem Offenbacher Gymnasium ist Sabine Grasmück-Werner. Seit Januar 2009 sitzt die Grünen-Politikerin in der Stadtverordnetenversammlung. Tochter Rosalie ist fünf, Sohn Tom acht und Nesthäkchen Florin drei Jahre alt. Wenn die Mutter im Rathaus zu tun hat, kümmert sich die Oma um die Kinder – sie wohnt in der Nähe. „Wenn sie nicht kann, muss der Opa oder ein Babysitter ran“, sagt die 40-Jährige. Auch ihr Mann komme immer erst spät nach Hause. Alle drei Kinder gehen zur Kita beziehungsweise in die Ganztagsschule.

Mama, gehst du heute Abend wieder weg?

Am schwierigsten ist die parlamentarische Arbeit, wenn Sohn Tom nachmittags aus der Schule nach Hause kommt und zuerst fragt: „Mama, gehst du heute Abend wieder weg?“ In solchen Momenten frage sie sich schon, ob die parlamentarische Arbeit das wert sei: „Ich hoffe aber, dass ich eines Tages werde feststellen können, dass es gut war, dass ich meinen Kindern vorgelebt habe, wie wichtig es ist, sich zu engagieren.“ Sabine Grasmück-Werner möchte, dass ihre Kinder lernen, „dass man nicht nur meckern sollte, sondern seine Umwelt aktiv und auch für andere, denen das schwerer fällt, mitgestaltet“. Als Lehrerin und Mutter verstehe sie sich als notwendige Lobby für Kinder und junge Familien.

Stolzer Papa der Töchter Anastasia, Elena und Enya im Alter von sieben, vier und drei Jahren ist Helmut Eisenkolb. Der Projektleiter sitzt seit einem guten Jahr für die Piratenpartei im Stadtparlament. Die anstrengende Zeit nach der Geburt musste er dort daher nicht mitmachen. „Turbulent genug war es bei jedem Kind natürlich trotzdem“, sagt er lächelnd. Ins Parlament sei er erst gegangen, nachdem er im Hessischen Städtetag bei einer Schulung gefragt hatte, wieviel Zeit man als Stadtverordneter aufwenden müsse: „Die Antwort lautete, dass man etwas falsch macht, wenn es mehr als sechs Stunden pro Woche im Schnitt sind. Ich versuche das als Maßstab zu nehmen, aber es klappt nicht immer.“ Da seine Frau Mitglied des Ausländerbeirats ist und am Ausschuss Umwelt, Planen und Bauen teilnimmt und er fast zeitgleich im Sozialausschuss sitzt, müssen sie mindestens einmal pro Monat eine Kinderbetreuung organisieren.

„Vater zu sein ist einfach aufregend“

„Vater zu sein ist einfach aufregend, meistens im positiven Sinne, manchmal geht es aber drunter und drüber“, sagt Eisenkolb. Am liebsten erkläre er seinen Kindern „wie die Welt funktioniert, vorm Fernseher, aber auch in der freien Natur“.

Sabine Grasmück-Werner empfindet es „jeden Tag als kleines Wunder, die Kinder aufwachsen zu sehen“. Sehr gern liest sie mit ihnen oder macht im Urlaub gemeinsame Strandspaziergänge an der Nordsee. Zeit für sich allein hat sie allerdings selten: „Ich bearbeite E-Mails meist spätabends und kaufe Kleidung für mich fast nur noch im Internet, weil ich nicht zum Shoppen komme.“

Ehepaar Rupp geht auf im Babyglück: „Seit Sophias Geburt hat sich unser Leben komplett verändert, alles dreht sich um sie. Diese Veränderung ist sehr positiv.“

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