Lübecker zeigen kein Interesse am Werk in Offenbach

Lübeck/Offenbach - Die Mitarbeiter von „manroland“ in Offenbach müssen bis zur letzten Sekunde um ihre Zukunft zittern: Die Lübecker Possehl-Gruppe will nur einen Teil des insolventen Druckmaschinenkonzerns übernehmen. Von Marc Kuhn

Dabei gehe es um den Standort Augsburg, an dem Maschinen für den Rollenoffsetdruck gefertigt werden, bestätigte Possehl gestern in Lübeck. Der Konzern will nach eigenen Angaben einen Großteil der Arbeitsplätze in Augsburg erhalten, der Standort im sächsischen Plauen solle durch eine Lieferbeziehung gestützt werden. Eine spätere Beteiligung sei nicht ausgeschlossen. An der Offenbacher Produktion für Bogendruckmaschinen äußerten die Norddeutschen kein Interesse. Heute soll die Entscheidung über „manroland“ im Gläubigerausschuss fallen.

Nach Ansicht von Possehl sei die Marktposition von „manroland“ im Rollenbereich besser als im Bogendruck, sagte der Leiter der Unternehmenskommunikation, Lutz Nehls, unserer Zeitung. In diesem Segment werde der Markt vom Konkurrenten Heidelberger Druck dominiert. Seine Firma wolle „nicht gegen den Marktführer ankämpfen“. Zukunft sieht Nehls für den Rollendruck: „Es gibt auch in 20 Jahren noch eine Tageszeitung.“ Deshalb seien auch „in einem schrumpfenden Markt vernünftige Renditen zu erzielen, das ist möglich“. Sollte Possehl den Zuschlag für das Werk in Augsburg bekommen, rechnet Nehls mit „erheblichen Reduzierungen“ beim Personal.

„Merkwürdig, dass es keine Lösung für Offenbach gibt“

„Es ist erschreckend“, erklärte die Vorsitzende des Betriebsrats in Offenbach, Alexandra Roßel, zu den Plänen von Possehl. „Wir finden es merkwürdig, dass es keine Lösung für Offenbach gibt.“ Deshalb wird nach ihren Worten an „Plan B“ gearbeitet - einer Auffanggesellschaft. „Dafür brauchen wir Bürgschaften.“ Vier Gesellschafter seien für diese „kleine Lösung“ angedacht.

Der Zwickauer IG-Metall-Bevollmächtigte Stefan Kademann geht von einem Zuschlag für Possehl aus. Der Vorzug vor dem zweiten Mitbieter - einem US-Investor, der auch am Standort Offenbach interessiert ist - werde „immer wahrscheinlicher“, sagte Kademann der Nachrichtenagentur dpa. „Ob das gut ist für Plauen, wissen wir noch nicht“, fügte er hinzu. „Das hängt ganz davon ab, wie die Zulieferarbeit vertraglich geregelt wird.“

Der Gewerkschafter äußerte sich zugleich verärgert darüber, dass bislang kein konkretes Konzept vorgelegt worden sei. „Ich möchte im Gläubiger-Ausschuss nicht nur eine bunte Folie vorgelegt bekommen und dann entscheiden müssen, sondern die Angebote analysieren können“, sagte Kademann. Um die Zukunftsfähigkeit des Standorts Plauen zu sichern, reiche die Zulieferarbeit für Augsburg nicht aus. „Es gibt auch Angebote allein für Plauen“, fügte Kademann hinzu.

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Die Entscheidung über den Verkauf soll nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters von „manroland“, Werner Schneider, heute fallen. Neben Possehl bietet noch ein US-Investor. Nach Angaben aus Finanzkreisen handelt es sich um die Firma Platinum Equity. Das Unternehmen selbst wollte sich bislang nicht äußern. Schneider hatte am Montag erklärt, es gebe zwei Angebote, und er gehe davon aus, dass alle drei Werke mit „an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ erhalten werden könnten.

Die Possehl-Gruppe ist ein Konzern mit neun unabhängigen Geschäftsbereichen. Sie erzielte 2011 einen vorläufigen Umsatz von rund 2,5 Milliarden Euro. Weltweit werden rund 9300 Mitarbeiter beschäftigt, die Hälfte davon in Deutschland. Bei „manroland“ in Augsburg arbeiten noch knapp 2200 Menschen, in Plauen 680 und in Offenbach rund 1900. Der Druckmaschinenhersteller hatte wie die gesamte Branche den Internetboom negativ zu spüren bekommen. Ende November meldet das von Allianz und MAN getragene Unternehmen Insolvenz an.

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