Eröffnung erst Ende der Woche

Carl-Ulrich-Brücke: Lücken im Geländer entdeckt

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Eine historische Postkarte erinnert an die Erbauung der ersten festen Mainbrücke zwischen Offenbach und Fechenheim.

Offenbach - Neue Carl-Ulrich-Brücke war noch nicht so fertig, wie sie sein sollte: Eröffnung laut „Hessen mobil“ ist wohl erst am Ende dieser Woche. Der Radiosender FFH will „richtige Schlamperei“ erkennen. Von Thomas Kirstein

Pendler zwischen Offenbach und Frankfurt, die sich gestern schon auf die Wiederherstellung einer gewohnten Verbindung gefreut hatten, wurden enttäuscht: Wie kurzfristig bekannt gegeben, musste „Hessen mobil“ die Einweihung ein weiteres Mal vertagen. Vermutlich wird es Ende dieser Woche. Als Grund nennt die Landesbehörde Nachbesserungen zugunsten der Sicherheit.

Die Stadt Offenbach hatte sich auf den 28. November als Eröffnungstermin eingestellt. „Hessen mobil“ legte sich dann auf den 1. Dezember fest. Das lag nahe, wurde die Gussasphaltdecke doch erst am Sonntag fertiggestellt. Das Amt hat offenbar kein Glück mit Offenbacher Übergängen: Noch in Erinnerung ist die um fast anderthalb Jahre verzögerte Inbetriebnahme der Waldstraßenbrücke über die A3.

Erst bei Endabnahmen fallen Fehler auf

Nun drängt sich der Verdacht unzureichender Planung auf. Der Privatsender FFH meinte gestern unverhohlen, die Brückenbauer und „Hessen mobil“ hätten „richtig geschlampt“. Tatsächlich fiel erst bei der Endabnahme am Freitag auf, dass es Lücken im Geländer gibt. Unserer Zeitung teilte „Hessen mobil“ auf Anfrage mit: Wegen Verzögerungen durch intensive Kampfmittelbergung sei die Maßnahme in die schlechtere Jahreszeit gerutscht, so dass die Anschlüsse der Brücke an die Straße „nur provisorisch geschehen konnten“. Das Geländer sei nicht ganz fertiggestellt worden.

Noch am Abend beschlossen die am Bau Beteiligten kurzerhand, zusätzliche Schutzeinrichtungen an den Rand des Bürgersteigs montieren zu lassen. Die Übergangslösung bleibt, bis das Geländer – wann auch immer – komplett ist. Vor 127 Jahren hätte „Hessen mobil“ mit einer kurzfristigen Absage wohl allergnädigste Gunst verspielt. Dazu war für den 1. Oktober 1887 zu viel vorbereitet, praktisch die gesamte Bevölkerung eingespannt und höchster Besuch erwartet. Die Einweihung der ersten festen Brücke zwischen Offenbach und Fechenheim geriet zum Riesenereignis – damals sogar ein länderübergreifendes, gehörte die linksmainische Stadt doch zum Großherzogtum Hessen, die rechtsmainische Kommune zu Preußen.

Bilder von der Verschiebung der Brücke

Verschiebung der Carl-Ulrich-Brücke

Die Offenbacher Zeitung berichtete am 2. Oktober 1887 und in Fortsetzung am 3. detailliert über das Geschehen in der mit Flaggen geschmückten Stadt. Beinahe jeder wichtige Teilnehmer ist erwähnt, von Seiner Königlichen Hoheit Großherzog Ludwig IV. abwärts.

Die Bauzeit betrug damals zwei Jahre, die Kosten beliefen sich auf 740 000 Mark: von der Kaufkraft her heute viereinhalb Millionen Euro. Das aktuelle Projekt Carl-Ulrich-Brücke ist mit 17 Millionen Euro veranschlagt.

Die 1887er Brücke hatte einen 1819 in Höhe des Isenburger Schlosses auf Schiffsrümpfe gelegten Steg ersetzt. Die feste Brücke aus Kaisers Zeiten war Ende des Zweiten Weltkriegs von deutschen Truppen gesprengt, 1947 als Provisorium wieder aufgebaut und 1952/53 als Stahlkonstruktion errichtet worden. Die Qualität ließ aber zu wünschen übrig: 2008 erklärte sie das Landesamt für baufällig und sperrte sie für den Schwerlastverkehr.

„Einschwimmen“ der Carl-Ulrich-Brücke

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