Luisenhof: Hoffen auf Etappensiege

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Das ist das denkbare Maximum für den Luisenhof.

Offenbach - Neuer Anlauf, aus der zerklüfteten Brachfläche zwischen Frankfurter Straße, Bahnhof- und Luisenstraße finanziellen Gewinn zu ziehen, ohne sich an städtebaulichen Geboten zu versündigen. Von Marcus Reinsch

Gemeinsam mit der Darmstädter Investorengruppe EFO Immobilien GmbH will die Projektentwicklungsgesellschaft WEP mit Sitz in Frankfurt auf dem einstigen Industrieareal rund 220 Miet- und Eigentumswohnungen mit rund 22.000 Quadratmetern Wohnfläche in elf meist fünfgeschossigen, teils aber auch mit Penthouse- und Staffelgeschossen gekrönten Gebäuden bauen.

Das Ensemble mit 250 Autostellplätzen soll, wie schon die wieder verworfenen Entwürfe seit Beginn der Mühen um eine Entwicklung des Geländes vor sechs Jahren, den Namen „Luisenhof“ tragen.

Was den aktuellen von den bisherigen Entwürfen außer der großzügigeren Anordnung der Häuser unterscheidet: Er hat reale Aussicht auf den Segen einer politischen Mehrheit. Im parlamentarischen Bauausschuss, wo am Donnerstagabend die ersten, noch groben Pläne auf den Tisch kamen, bekannte sich die SPD-Fraktion zum „Optimismus“ von Oberbürgermeister Horst Schneider, dass sich ein „weiteres Menetekel des Strukturwandels in unserer Stadt“ mit dem Luisenhof werde überwinden lassen.

Wärmedämmung der Energieeffizienz-Gebäude

Luzie Gerharz von den Grünen hatte da trotz der auch als Schallschutz dienenden Wärmedämmung der Energieeffizienz-Gebäude schon eher Zweifel, dass sich unter dem nun deutlich dichter gewebten Fluglärmteppich über Offenbach noch viele Menschen für 9 bis 9,50 Euro pro Quadratmeter einmieten oder für 2200 bis 2600 Euro pro Quadratmeter einkaufen wollen. „Wir müssen eher aufpassen, dass nicht alle Leute wegziehen“, gab sie zu Protokoll.

Allein: Die Grünen sitzen im Koalitionsboot mit der SPD, ebenso wie die Freien Wähler. Das ist zwar längst keine Garantie mehr für eine einheitliche Abstimmung, aber allemal eine Hürde, die nicht ohne Brüche zu überwinden wäre. Und Grünen-Fraktionschef Peter Schneider ließ in seiner Funktion als Bauausschussvorsitzender auch keine Kritik am OB-Glauben erkennen, dass „das funktioniert“.

Ein einstimmiges Votum, so viel ist bereits klar, wird es nicht geben, wenn der Oberbürgermeister die Politik im Frühjahr oder Sommer nächsten Jahres um den Auftrag zum Verkauf der rund 13000 städtischen Quadratmeter bitten wird. Gegenwind ist vor allem von der CDU zu erwarten. Dominik Mangelmann prustete schon im Ausschuss kräftig, verwies auf die schleppende bis nicht existente Entwicklung der Baugebiete Bürgel-Ost, An den Eichen und Bieber-Nord. „Wir haben noch nichts zu Ende gebracht, aber jetzt soll es wieder was Neues sein?“

„Fassungslos über solchen Defätismus“

Der OB, „fassungslos über solchen Defätismus“, schimpfte zurück. Beim Luisenpark gehe es um innerstädtisches Wohnen; das sei nicht in einen Topf zu werfen mit auf ganz andere Zielgruppen ausgerichtete Randlagen. In zentraler Lage gebe es Bedarf, alleine die Wohnungspolitischen Leitlinien legten nahe, pro Jahr 380 neue Wohnungen zu bauen.

Mit Bedarf, vor allem von Menschen, denen der Frankfurter Wohnungmarkt zu teuer ist, rechnen auch WEP-Geschäftsführer Holger Koppe und Projektentwickler Thomas Kirmse. „Wir wissen, dass es schwierig ist in Offenbach“, bekräftigte Koppe gestern telefonisch seine Auskunft vor dem Ausschuss. „Und es ist klar, dass wir heute nicht einschätzen können, ob die Leute Schlange stehen werden.“ Auf jeden Fall gefragt sein werden seiner Einschätzung nach die Mietwohnungen. Und städtebaulich werde der Standort auf jeden Fall gewinnen.

Minimieren will WEP das Risiko von Leerständen mit der Aufteilung des Gesamtprojekts in vier oder fünf Bauabschnitte. Das werde auch im Grundstückskaufvertrag festgelegt, der zwar grundsätzlich das komplette städtische Areal umfasse, dem Investor aber nach der Fertigstellung des im Bereich der Bahnhofstraße geplanten ersten Bauabschnitt mit rund 100 Wohnungen eine Art Rückzugsmöglichkeit lasse. Ebenso soll auch nach den folgenden Etappen die Erkenntnis erlaubt sein, dass es für ein weiteres Angebot keinen Bedarf gibt. Aber Koppe glaubt eigentlich nicht, dass es soweit kommt. „Das wird hochwertige und energieeffiziente, doch keine Luxusbebauung. Und wir würden nicht investieren, wenn wir nicht überzeugt wären, dass sich ein interessanter Standort entwickeln kann.“

Verhandlungen mit dem Bauamt

Wie interessant, werden auch die noch laufenden Verhandlungen mit dem Bauamt zeigen. Der Entwurf sei noch nicht bis ins letzte Detail abgestimmt, sagte Schneider. Klärungsbedarf, heißt es aus dem Amt, bestehe allerdings eher mit Blick auf die Ausnutzung des Innenbereichs des Luisenhofs und nicht in Sachen der zu den Straßen hin sichtbaren Fassaden.

Kaum etwas als Abwarten bleibt WEP in der Frage übrig, ob zusätzlich zum städtischen Grundstück auch eins des Bundes zur Verfügung stehen wird. Eine gut 3000 Quadratmeter große, mit einem ausrangierten Bürogebäude blockierte Ecke des Areals entlang der städtebaulich besonders sensiblen Frankfurter Straße dient momentan noch der Polizei und dem Zoll. Diese Nutzung könnte, vielleicht 2015, mutmaßlich später, aufgehoben werden. Das Areal könnte dann ein weiteres Element des Luisenhofs aufnehmen.

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