Weiter Ärger um Immobilie in Luisenstraße

Zahlender Eigentümer muss für andere büßen

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Das Wohnhaus Luisenstraße 24: Die Zahlungsunwilligkeit des Eigentümers von neun Wohnungen bewirkt, dass auch Unbeteiligte von der Wasserversorgung abgeschnitten sind.

Offenbach - Das Haus in der Luisenstraße 24 ist seit Mitte Februar ohne Wasserversorgung. Wie berichtet hat die Energieversorgung Offenbach den Hahn abgedreht, nachdem für neun Wohnungen 30.000 Euro Außenstände aufgelaufen sind, gesperrte Anschlüsse immer wieder geöffnet wurden. Von Thomas Kirstein 

Darunter leiden auch die zahlungswilligen Eigentümer der vier anderen Einheiten. Ivo T. hat erst einmal richtig daneben gegriffen. Seit dem 10. Februar 2015 gehört dem aus Bulgarien stammenden Möbelmonteur eine Wohnung an der Luisenstraße 24. Für günstige 75.000 Euro hat er die 94 Quadratmeter von einer Offenbacher Anwältin gekauft, an die sie über eine Zwangsversteigerung geraten war. „Wir müssten noch einiges renovieren, aber der allgemeine Zustand ist okay“, bewertet T. seine Erwerbung. Mit Frau und den beiden kleinen Kindern möchte er bis Ende des Jahres von der Berliner Straße dorthin umziehen. Sicher ist das noch nicht. Am 15. Februar erfährt der 37-Jährige aus unserer Zeitung, in welche Problematik er sich da eingekauft hat. T. und die Besitzer weiterer drei Wohnungen sind letztlich Opfer der beharrlichen Weigerung des fünften Eigentümers, hohe Wasser-Schulden bei der EVO zu begleichen.

Die Verhältnisse sind undurchsichtig. Neun Wohnungen gehören auf dem Papier einem Dede K., gegen den bereites mehrere Vollstreckungstitel bestehen. Nach Auskunft der EVO ist der 57-Jährige aber in der Türkei verschollen und nicht greifbar. Möglich, dass es sich nur um einen Strohmann handelt. Beim Kauf des Anwesens wurde er 2009 von einem bevollmächtigten Landsmann vertreten, der 46-Jährige lebt in Offenbach. Auf der Anfang der 80er-Jahre gebauten Wohnanlage lasten Grundschulden von 890.000 Euro. Eine aktuelle Vollmacht, Dede K.s Anteil für um die 350.000 Euro zu verkaufen, besitzt der 66-jährige Zeki S., der als Bevollmächtigter von K. Ansprechpartner für die EVO ist. Er will Ratenzahlung angeboten haben, doch ist offenbar kein Euro geflossen.

Hauptleitung abgeklemmt

Seit 2009 wird laut EVO praktisch für die K.-Wohnungen kein Wassergeld gezahlt. 30.000 Euro sollen ausstehen. Wie Harald Hofmann, Sprecher des Offenbacher Versorgers, berichtet, sind die entsprechenden Wasseruhren mehrfach abgestellt, aber immer immer wieder geöffnet worden. „Man hat sich über viele Monate hinweg illegal Wasser verschafft“, sagt Hofmann und weist auf den Langmut hin, den sein Unternehmen über Jahre bewiesen habe. Nach einer neuerlichen Manipulation erfolgt im Februar der Zug an der Reißleine: Der Installateur klemmt die Hauptleitung von der Straße aus ab. Das trifft nicht nur die Mieter von K., vier davon Kunden des Offenbacher Jobcenters Mainarbeit aus aller Herren Länder, die wohl größtenteils ihre monatlichen Abschläge an die Hausverwaltung überwiesen haben. Auch die unbeteiligte Minderheit sitzt auf dem Trockenen. Vertragspartner für die EVO ist bei Wohnanlagen immer die Eigentümergemeinschaft, die die komplett zu überweisenden Trinkwassergebühren unter sich abrechnen muss. Rechtlich ist die Vorgehensweise der EVO in Ordnung. Wenn nicht gezahlt wird, kann einer gesamten Anlage die Wasserzufuhr gekappt werden.

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Das bedeuten Immobilien-Codes

Das bestätigt Manfred Kind, Justitiar des Offenbacher Haus-, Grund- und Wohnungsbesitzer-Vereins. Einzige, wenngleich nicht einfach zu realisierende Möglichkeit sei, über das Gericht eine Zwangsverwaltung zu erreichen. Laut Susanne Pfau, Vizechefin der städtischen Mainarbeit, geht derzeit keine Miete mehr vom Amt an den Vermieter. Man könne zwar künftige Umlagen direkt an die EVO überweisen, doch die bestehe auf dem kompletten Betrag, bevor sie das Wasser wieder fließen lasse. „Eine festgefahrene Situation“, sagt Pfau. Offiziell eingreifen könnte die Stadt nur, wenn das Haus für nicht mehr bewohnbar erklärt würde: frühestens im Winter, wenn ohne Wasser nicht geheizt werden kann. Derzeit versorgen sich die noch dort lebenden Menschen – wie viele, ist unklar – notdürftig in der Nachbarschaft mit Wasser.

Neueigentümer Ivo T. hat dem Versorger einen plausibel klingenden Vorschlag gemacht: Warum nicht den vier an der Misere unschuldigen Eigentümern auf deren Kosten einen eigenen Wasserstrang legen? Was sich nahe liegend anhört, ist es offenbar nicht. Die Besitzverhältnisse und die rechtliche Lage für geteiltes Wohneigentum verhindern es momentan. „Wenn wir eine neue Leitung legen, ist das mit baulichen Veränderungen verbunden“, erläutert EVO-Sprecher Harald Hofmann, „und für diese brauchen wir das Einverständnis der Eigentümermehrheit.“ Und diese besitzt mit neun zu vier Wohnungen der nicht greifbare Dede K. beziehungsweise dessen Bevollmächtigter.

Hofmann versichert, dass die EVO unbedingt helfen wolle. Man werde Kontakt zu Zeki S. aufnehmen, um ihn dazu zu bewegen, einen Beschluss der anderen Eigentümer zugunsten einer getrennten Versorgung zu akzeptieren. Aber, so schränkt Hofmann aus: „Wenn er nicht mitmacht, haben wir keine Chance.“ Für Familie T. heißt es vorerst also: Abwarten und hoffen. Ivo verzweifelt zwar nicht, zweifelt jedoch an einem Rechtssystem, das Unbeteiligte unter mangelnder Zahlungsmoral leiden lässt: „Hab ich gedacht, ich komm’ aus einem korrupten Land – aber in Bulgarien könnten Sie so was nicht machen.“

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