Hauptbahnhof Teil des Spektakels

Bei der Luminale in einem neuen Licht

+
Kai Schmidt und Paola Wechs von der Bürgerinitiative Hauptbahnhof lassen letztgenannten bei der Luminale leuchten.

Offenbach - Einer der 25 Offenbacher Spielorte des Lichtkunstfestivals Luminale ist der Hauptbahnhof. Unter Federführung der Bürgerinitiative Hbf OF wird der sonst eher unwirtliche Bau von Sonntag, 18. , bis Freitag, 23. März, zum Schauplatz für Kunst und Kultur. Von Marian Meidel 

Wie leer gefegt ist der Hauptbahnhof am gestrigen Vormittag. Noch deutet nichts darauf hin, dass er sich in wenigen Tagen in den Schauplatz extravaganter Kunstprojekte verwandeln wird. Aber genau dafür sorgen Kai Schmidt und Paola Wechs von der Bürgerinitiative Hbf OF. Deren Ziel ist es, den heruntergekommenen Bahnhofsbau mit kreativen Nutzungskonzepten wieder zu einem lebendigen Ort zu machen. „Die Idee dahinter ist, dass wir den Hauptbahnhof reaktivieren und im besten Fall zu einem Wohlfühlort machen wollen“, sagt Kai Schmidt. Das sei auch das Ansinnen aller Aktionen zur Luminale. Während des Lichtkunstfestivals, das am Sonntagabend beginnt, sollen zahlreiche Licht-Installationen das Gebäude an der Bismarckstraße in neuem Glanz erstrahlen lassen.

„Wenn man genau hinsieht, stellt man fest, dass wir die ehemalige Außengastronomie bereits von Unrat befreit haben“, so Schmidt. „Die wird zu einem Paradiesgarten umfunktioniert.“ Zwischen den weißen Pfeilern sollen beleuchtete Gießkannen hängen, der Baum wird illuminiert sein und eine Geräuschkulisse vom Tonband laufen. „Ganz wichtig, außerdem: Es wird einmal täglich eine Führung zur Geschichte und Zukunft des Bahnhofs geben. Dabei können die Teilnehmer selbst die einzelnen historischen Elemente beleuchten.“

Des Weiteren plant die Initiative, Streulichter an die Passanten im Hauptbahnhof zu verteilen. Was es mit diesen genau auf sich hat, will Kai Schmidt noch nicht verraten. Nur so viel: „Es sind Mitnahme-Artikel, um die Idee des Bahnhofswandels in die Stadt hinein zu tragen.“

Themenseite zur Luminale

Die lokale Künstlervereinigung „Kreativhaus“ errichtet auf einer leer stehenden Ladenfläche im Bahnhofsfoyer ein interaktives Figurenkabinett. „Am Sonntag um 19 Uhr werden Mitglieder des Kreativhauses beleuchtete Kleidung tragen. Als Figuren, die sie in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Gestaltung erarbeitet haben, werden sie aus dem Geschäft herauskommen und durch die Halle wandeln.“ Wer die Figuren in Aktion sehen möchte, hat ausschließlich am Sonntagabend Gelegenheit dazu. „Den Rest der Luminale sind sie dort nur ausgestellt.“

Aus Bremen angereist kommen Mitarbeiter des M2C-Instituts, die im Foyer ihr Forschungsprojekt zum Thema digitale Partizipation an der Stadtentwicklung vorstellen. In welcher Form sie dieses im Hauptbahnhof aufbereiten, davon müssen die Besucher sich selbst überzeugen.

Bilder: Luminale in Frankfurt und Offenbach

„Electric Moon aus Krakau sind bereits in der Stadt“, verrät Schmidt. „Die habe ich gestern abgeholt.“ Eine interaktive Installation mit Bildprojektionen von Zügen und Gleisen haben die Polen im Gepäck. „Durch die Bewegungen der Gäste werden sich die Bilder wandeln.“

Ein Überblick als Service für unsere Leser: In der KATEGORIE ART gibt es lediglich ein Projekt. Vier Fassadennischen - ehemals belegt durch steinerne Figuren - sollen in der Kaiserstraße 102 wiederbelebt werden. Die meisten Programmpunkte zählen zur KATEGORIE COMMUNITY - mit einem Schwerpunkt am Hauptbahnhof. Mit der KATEGORIE STUDY rückt die Luminale den kreativen Nachwuchs in den Mittelpunkt. Dazu zählt - außerhalb der Karte - „Andere Schöne Aus Boskoop“ an der Lidl-Fassade in der Bieberer Straße 125.

Das spektakulärste Lichtkunstprojekt hat Kai Schmidt sich allerdings für den Schluss seiner Aufzählung aufgespart. „Wir werden am Sonntagabend die Außenfassade des Hauptbahnhofs komplett bespielen.“ Vom Hotel gegenüber projiziert das Bremer Künstlerkollektiv Xenorama eine Weltkarte auf das Gebäude. Auch hierbei handelt es sich um ein interaktives Projekt. „Man kann an unsere Initiative E-Mails schicken, und die werden dann zeitgleich, wie sie digital um die Welt rasen, auf der Karte dargestellt“, sagt Kai Schmidt. Wie auch das wandelnde Figurenkabinett lässt sich diese Installation ausschließlich am kommenden Sonntag, 18. März, von 19 bis 23 Uhr am Hauptbahnhof bewundern. An den restlichen Luminale-Tagen wird sie nicht zu sehen sein.
Die „Lichtdusche“ des Künstlers Franz Betz hingegen schon. Der schaltet ein grelles, starkes Licht an, unter das man sich setzen kann: „Das ist erst einmal eine sinnliche Erfahrung für die Person, die darunter sitzt, aber auch bestens dafür geeignet, ein Selfie-Foto von sich zu machen.“

Indem sie den Bahnhof für das Festival in einen schillernden Ort der Kunst verwandeln, wollen Kai Schmidt und seine Mitstreiter zeigen, wie er aussieht, wenn er kreativ genutzt ist. Das ist schließlich das Hauptanliegen der Bürgerinitiative, die sich im Herbst 2017 gegründet hat.

Bei der Gruppe hat sich seitdem einiges getan. „Inzwischen haben wir mehr als 30 aktive Mitglieder“, verrät Kai Schmidt mit Stolz. „Unlängst wurde auch ein Förderverein gegründet, der als Rechtsform für Spenden-Entgegennahmen und Ähnliches in diesen Tagen im Vereinsregister eingetragen wird.“

Luminale in Offenbach und Frankfurt

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare