Luminale 2014

In Eleganz gehüllte Strahlkraft

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Schwarzlicht-Modenschau zur Luminale im Hafen 2 in Offenbach.

Offenbach - Auf der "Luminale Opening Party" zum Lichtspektakel Luminale 2014 zeigen Models der Schule für Mode, Grafik und Design in Offenbach in einer Schwarzlicht-Modenschau ausgefallene Entwürfe. Von Harald H. Richter 

Die Hafen-2-Halle ist wohltemperiert, was nicht nur am musikalischen Einheizen durch DJane ZorAH liegt. Auf der „Luminale Opening Party" zeigen Models der Schule für Mode, Grafik und Design in Offenbach in einer Schwarzlicht-Modenschau ausgefallene Entwürfe. Rings um den Catwalk drängt sich erwartungsvolles Publikum, und Daniela Ballweg schnappt kurz vor der Show noch eine Prise Frischluft, bevor sie mit Ria Baumann vom städtischen Amt für Wirtschaftsförderung den Laufsteg erklimmt und die Luminale-Party eröffnet. Auch diesmal stehen zwei experimentelle Leuchtstoff-Modenschauen im Fokus, die nichts an Strahlkraft eingebüßt haben, seit 2011 erstmals Licht-Couture auf dem Catwalk inszeniert wurde.

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Zwischen den Performances der inzwischen 26 Jahre bestehenden Privatschule für Mode, Grafik und Design präsentiert der Offenbacher Künstler Johannes Kriesche auf dem atriumähnlichen Freigelände des Kulturzentrums am Main seine interaktive Installation „Free Ovale“. Durch computergestützte Eingabe des Geburtsdatums ergibt sich aus der jeweiligen Zahlenformel ein bestimmter Rhythmus der Lichtsteuerung, worauf sich die Kolorierung des errichteten Ovals zu einem definierten Ton verändert. „Je älter der Mensch, desto heller und kräftiger wird die Farbe“, gibt der zur Luminale stets mit einer ausgefallenen Idee aufwartende Künstler zu verstehen.

Funkel-, Glitzer- und Leuchtalarm

In der Halle freilich herrscht Funkel-, Glitzer- und Leuchtalarm. Fast zwei Dutzend überwiegend weibliche Models präsentieren ihr extravagantes Spiel zwischen Kunst und Kleidung. Sie zaubern eine träumerische Welt in dem um der optischen Wirkung verdunkelten Veranstaltungsraum. Futuristische Designs von insgesamt 21 Jungdesignerinnen „und einem Quotenmann“, wie Ballweg bemerkt, verleihen der vierten Auflage dieser Schau Raffinesse. Manche im Publikum richten ihre Aufmerksamkeit auf die Feinheit der Auswahl von durchaus ungewöhnlichen Stoffen und Accessoires. Für andere wiederum ist eher die spielerische Unangestrengtheit entscheidend, mit der die Modeschaffenden ihre Modelle über den Laufsteg schicken. Über die Tragbarkeit ließe sich streiten, doch ist Bequemlichkeit bekanntermaßen Ansichtssache. Ausgefallen sind die Kollektionen allemal. Darunter sind galaktische und ebensolche mit maritimen Bezügen oder mit Anleihen aus der Antike.

In den Monaten zuvor waren Fantasie, Kreativität und geschickte Hände gefordert, um aus quadratischen Besatzstücken, Luftpolsterfolien und herkömmlichen Stoffen Kleider zu entwerfen sowie Folien, Drähte, Flitter und Fäden zu individuellen Kunstobjekten zu verweben. „Entstanden sind 66 skulpturale, klassische und experimentelle Outfits“, erklärt Daniela Ballweg dem Publikum. Reflektierende und recycelte, von Farbstreifen durchwirkte und dank eingeschlossener Dioden mit hoher Leuchtkraft versehene Kreationen sorgen für Staunen und Applaus. Vor allem die mutig konturierten Modellkleider werden beklatscht, lange Gewänder ebenso wie erotisch knappe. Auffällige Licht-Couture und stofflich Experimentelles auf der Haut, dazu ein von Ursula Haas trefflich abgestimmtes Make-up, belegen das Talent der jungen Modeschöpfer. Und die lumineszente Inszenierung verleiht dem Ganzen besonderen Glanz.

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Hier ein zur Kopfbedeckung eingearbeiteter Hula-Hoop-Reifen, da ein wuchtiger Halskragen in Alu-Optik, Taillen-Akzentuierung im Wunderkerzenschein und temporär erhelltes Schuhwerk – die scheinbar spielerische Verwendung von Farben, Formen und Materialien ist so vielfältig wie ganzheitlich, vom Kopf bis zu den Füßen. Manches offenbart sich dem Zuschauer erst auf den zweiten Blick, etwa einzelne Stoffelemente an den Seiten eines Modells, die Zwischenräume ausfüllen, oder in grell-bunten Farben gestaltete Fadenbahnen, die wie mehrdimensionale Fantasielandschaften der Neuronen anmuten. Alles Zeigbare ist tragbar – und umgekehrt. In Abwandlung eines Armani-Zitates bleibt die Erkenntnis, dass Extravaganz nicht erstrangig bedeutet, ins Auge fallen zu müssen, sondern im Gedächtnis zu bleiben. Daher dürfte auch die vierte Leuchtstoff-Schau mit ihrer einzigartigen Kombination von Licht und Mode noch geraume Zeit nachwirken.

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