Als Anziehungspunkt für Offenbach etabliert

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Ihr erstes Großprojekt in Offenbach war gleich die Luminale 2010: Ria Baumann von der städtischen Wirtschaftsförderung.

Offenbach - Ria Baumann ist studierte Wirtschaftsgeografin und arbeitet seit Sommer 2009 in der Wirtschaftsförderung der Stadt Offenbach. Zu ihren Tätigkeitsschwerpunkten gehören die hiesige Kreativwirtschaft, Betriebs- und Ansiedlungsberatung sowie Wirtschaftsstatistik.

Die diesjährige Luminale in Offenbach war bereits die dritte, die unter Federführung der inzwischen 34-Jährigen realisiert wurde. Im Interview mit Jenny Bieniek berichtet die Frankfurterin über die Planung und die Herausforderungen, die ein solches Großprojekt mit sich bringt.

Gestern ist die diesjährige Luminale zu Ende gegangen. Wie haben Sie die vergangene Woche erlebt?

Wunderschön. Ein tolles Erlebnis mit beeindruckenden Installationen. Überall in Offenbach war eine lockere und freundliche Atmosphäre zu spüren. Ich freue mich, dass die Bürger die Luminale so gut angenommen haben.

Wie laufen die Vorbereitungen für eine solche, nicht auf einen Standort fixierte Veranstaltung ab?

Zunächst ist jede Person, Firma oder Gruppe, die ein Luminale-Projekt anmeldet, dafür inhaltlich und finanziell selbst verantwortlich. Um die einzelnen Vorhaben optimal koordinieren zu können, ist uns wichtig, möglichst früh zu erfahren, wer wo was plant. So können wir alle möglichen Standorte frühzeitig einbeziehen. Der Luminale-Kurator Helmut M. Bien vom Projektbüro und ich stimmen uns eng ab.

Aber auch die Kollegen aus der Stadtverwaltung informieren mich sofort, wenn sie Anfragen zur Luminale erhalten. Meine Aufgabe ist es, da zu sein, wenn Unwägbarkeiten auftauchen, und zu helfen, Probleme zu lösen. Außerdem übernehme ich die Gesamtkoordination für Offenbach im Verhältnis zur Luminale-Zentrale sowie die Außendarstellung.

Wie viele Leute waren an der Luminale beteiligt?

In diesem Jahr gab es in Offenbach 35 Projekte. Hinter jedem stehen, oft im Verborgenen, immer viele Menschen, Vereine oder Unternehmen. Deshalb ist es schwer, eine konkrete Zahl zu nennen. Auch viele Kollegen aus der Stadtverwaltung waren involviert, sei es bei der Genehmigung von Sondernutzungen oder beim Technikverleih.

Wie bringen die Künstler im Vorfeld ihre Ideen vor? Und wer entscheidet, welche Installationen realisiert und wo diese zu sehen sein werden?

Etwa ein dreiviertel Jahr vor einer Luminale ruft das Projektbüro Interessenten auf, Ideen einzureichen. Wir von der Wirtschaftsförderung sprechen noch einmal gesondert mögliche Offenbacher Teilnehmer an. Alle Interessenten werden zu einem Treffen eingeladen, bei dem wir das Bewerbungsverfahren vorstellen und die Gäste ihre Ideen skizzieren. So wollen wir die Vorschläge bündeln, Interessenten mit ähnlichen Projektideen zusammenbringen und gemeinsam über mögliche Orte für Installationen nachdenken.

Zu diesem Treffen kommen aber nicht nur Künstler und Kreative. Auch Unternehmen, die ihre Räume anbieten und Künstler suchen, sind anwesend. Über die Aufnahme eines Projekts in den Luminale-Katalog entscheidet letztlich Kurator Helmut M. Bien, den seit diesem Jahr ein Beirat unterstützt.

Was bringt eine derartige Veranstaltung für Offenbach?

Sehr viel. Die Luminale hat im übertragenen Sinn eine enorme Strahlkraft nach außen und lockt viele Besucher in die Stadt. Auch für die Einwohner ist sie ein tolles Event, das die Stadt von einer anderen Seite zeigt. Sie lernen möglicherweise Orte kennen, die ihnen vorher unbekannt waren, und treffen die Menschen, die hinter den Projekten stehen.

Luminale in Offenbach und Frankfurt

Luminale in Offenbach und Frankfurt

Welche Kosten entstehen dabei, wer kommt dafür auf?

Ein Prinzip der Luminale ist, dass die Initiatoren eines Projekts dieses selbst finanziert. Deshalb gibt es bei der Luminale viele Kooperationen von Künstlern mit Firmen, die die einzelnen Installationen finanziell oder materiell unterstützen. Die Wirtschaftsförderung bietet ihrerseits einen Rahmen für einen einheitlichen Auftritt der Luminale in Offenbach. Wir geben einen eigenen Stadtplan heraus, in dem alle Offenbacher Projekte vorgestellt werden, und lassen die Plakate drucken, mit denen hier und in Frankfurt gezielt geworben wird. Außerdem finanzieren wir den Bus, der die zentralen Standorte sowie Offenbach und Frankfurt miteinander verbindet. Alles in allem beteiligt sich die Stadt mit einem Betrag von knapp 15 000 Euro.

Können Sie schon Angaben über Besucherzahlen machen?

Die Resonanz war in diesem Jahr gewaltig, was sicher mit dem guten Wetter zusammenhing. Es sind deutlich mehr Besucher gekommen als 2010 oder 2012, viele kamen gezielt nach Offenbach. Offenbar etabliert sich die Veranstaltung langsam. Bereits im Vorfeld war die Nachfrage nach dem Luminale-Stadtplan groß. Dieser Eindruck hat sich im Lauf der Woche bestätigt. Genaue Zahlen differenziert nach Offenbach und Frankfurt gibt es aber nicht.

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