Der schöne Schein

4K-Film „Lebensfreunde“ feiert Premiere

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Uwe H. Klörs spielt den Rentner Frieder.

Offenbach - Da soll nochmal einer sagen, in Offenbach gäbe es kein Schaulaufen im großen Stil: Ein ausverkaufter Kinosaal, Abendgarderobe um kurz vor 16 Uhr, der erste Sekt prickelt in den Gläsern. Von Eva-Maria Lill 

Was im Cinemaxx wie ein Hauch von Hollywood beginnt, ist im Nachhinein ebenso viel schöner Schein. Im Kurzfilm „Lebensfreunde“ geht es nicht darum, Geschichten mit Sprache zu erzählen, sondern mit Bilderwut Technik zu verkaufen.

Der Offenbacher Kameramann Lutz Dieckmann produziert eigentlich Lehrvideos für Filmbegeisterte, gibt HD-Seminare und wirbt für Firmen. Gemeinsam mit seiner Regisseurin und Drehbuchautorin Valeriia Didovyk entwickelt er vor gut eineinhalb Jahren die Idee für einen Kurzfilm. Ihr Unternehmen LDP Media Design arbeitet schon seit Längerem erfolgreich mit Sony zusammen. „Ich habe ihnen einfach mal eine Mail geschrieben und gefragt, ob wir unser Vorhaben nicht in Ultra-HD umsetzen könnten“, erinnert sich Dieckmann. Denn Sony verleiht Ausrüstung, um die sogenannte 4K-Technik salonfähig zu machen. Dieckmann bekommt eine PMW-F55 zur Verfügung gestellt, eine Kamera, deren Chip eine maximale Auflösung von 4096 mal 2160 Pixeln liefert und somit besonders scharfe Bilder erlaubt. Hollywood dreht heute schon in diesem 4K-Format, der Offenbacher Kameramann glaubt, dass in spätestens drei Jahren ein Großteil der gesamten Filmproduktion umgestellt ist. „Lebensfreunde“ ist eine Kooperation von verschiedenen Branchen-Riesen wie JVG und ARRI. Eine Produktionsgeschichte, die dem Film in jeder Sekunde anzusehen ist.

Zwei Monate Vorbereitung, 20 Drehtage, im Durchschnitt 15 Leute am Set, 35 im Team: „Lebensfreunde“ ist keine kleine Produktion. „Gekostet hätte der Film an die 320.000 Euro“, kalkuliert Dieckmann. Doch durch die Equipment-Spenden wird das Projekt zum Low-Budget Spektakel. Auch alle Beteiligten verdienen kein Geld. Dafür dürfen sie über das Material frei verfügen. Schließlich soll „Lebensfreunde“ für ihr Engagement werben - und 4K-Technik demonstrieren.

Die erfolgreichsten Kinofilme aller Zeiten

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Rentner Frieder (Uwe H. Klörs) versinkt nach dem Tod seiner Frau in Depressionen. Die Tage sind gleich, und Denkwürdiges sucht er vergeblich. Da taucht Studienfreund Thomas (Günter Loibl) auf und fordert mit ungebändigter Spontaneität neue Lebensfreude. Mit einer Kamera ziehen sie durchs Rhein-Main-Gebiet, um Erinnerungswürdiges zu knipsen. Doch auch Thomas hat ein Geheimnis...

„Das Motto des Films ist: Das Leben ist nur wirklich Leben, wenn es gelebt wird“, verrät die ukrainische Regisseurin Didovyk. Alle sind sichtbar nervös, auch die beiden charismatischen Hauptdarsteller, doch der Applaus am Ende will nicht enden. Die Bilder sind manchmal gewaltig: Kinder spielen im Sprühregen einer Sprinkleranlage, Wind rauscht durch saftig grüne Blätter. Doch viel davon ist Selbstzweck. Wenn Thomas gut sichtbar eine Hightech-Fotokamera auf dem Küchentisch drapiert, ist das penetrant und auf Handlungsebene unglaubwürdig. Dieckmann lässt die Kamera-Muskeln spielen und verhebt sich gleichzeitig bei der wichtigsten Spielfilm-Zutat: der Handlung.

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