Worte als Fenster zur Seele

Lyriker Francisco Cienfuegos liebt die Sprache – und Offenbach

+
Franciso Cienfuegos ist Lyriker aus Leidenschaft.

Worte als Brücken zwischen Menschen, Sprache als Mittel, sich anderen begreiflich zu machen – das sind zentrale Motive im Schaffen des Dichters Francisco Cienfuegos. Der „Größenwahn“-Verlag hat viele seiner Werke in Buchform veröffentlicht.

Offenbach – Seit 22 Jahren lebt der gebürtige Andalusier in Offenbach. „Ich habe mich in diese Stadt regelrecht verknallt“, sagt er.

Als Kind kommt er mit seinen Eltern nach Deutschland, lebt zunächst im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen. „Das war für mich ein Schnitt im Leben. Die neuen Bedingungen, die neue Sprache – ich verstand kein Wort.“ Seine Eltern müssen arbeiten, haben wenig Zeit für ihn. „Ich fühlte mich etwas fallen gelassen.“

In dieser schwierigen Situation entdeckt er sein Talent. „Ich habe mich nach innen geflüchtet, habe meine eigene Welt erschaffen. So kam ich zum Schreiben.“

Erste öffentliche Aufmerksamkeit erfahren Cienfuegos’ Texte, als er 17 Jahre alt ist. „Die Eltern eines Schulkameraden in Frankfurt hatten eine Künstlergalerie. Sie fanden ganz toll, was ich geschrieben habe, und wollten einen Text von mir aushängen.“ Dagegen hat er nichts einzuwenden, und so kommt es, dass andere Künstler sein Gedicht in der Galerie sehen und sich für den jungen Lyriker interessieren. Ein Maler und eine Fotografin fragen ihn, ob er denn nicht Gedichte zu einer gemeinsamen Ausstellung beisteueren will – und schon ist Cienfuegos einem wachsenden Publikum bekannt.

„Diese Künstler-Szene hat mich damals inspiriert“, sagt er. „Ich hatte Blut geleckt.“ Erstmals heimisch gefühlt habe er sich in Deutschland allerdings, als er nach Offenbach kam. „Ich bin hier aufgeblüht“, sagt er.

Die Leidenschaft für Sprache hat den 57-Jährigen bis heute nicht verlassen. Diesen Monat sind von ihm gleich zwei neue Titel erschienen: Der Gedichtband „Jedes Wort ein Fenster. Verwandlungen“ und die CD „Hätte ich einen Gedanken, der befreit“, auf der Gitarrist Ismael de Barcelona die musikalische Begleitung zu Cienfuegos’ vorgetragenen Texten beisteuert. Bei der CD handelt es sich gleich in mehrfacher Hinsicht um ein Kreativprodukt aus Offenbach: Cienfuegos und de Barcelona haben sie im Tonstudio „Cocoloco“ am Odenwaldring aufgenommen. Aktuell verlegt der österreichische Klingenberg-Verlag (Graz) seine Werke.

Was es mit dem Titel „Jedes Wort ein Fenster“ auf sich hat? Cienfuegos erklärt: „Das Fenster ist ein Bindeglied zwischen innen und außen – wie das Wort.“ Wörter ermöglichen in seinen Augen die Verbindung zu anderen Menschen. „Es geht um das Andocken der Innenwelt – Gefühle wie Angst oder Liebe, was uns als Menschen eben ausmacht – mit der Außenwelt.“ Indem man sich öffne, sich nach außen mitteile, könne man auch sich selbst bewusster spüren. Der Untertitel „Verwandlungen“ rühre daher, dass die Texte in dem Band sowohl auf Spanisch, als auch auf Deutsch zu lesen sind. „In der Übersetzung verwandeln sich die Gedichte“, verrät der Autor, der für beide Sprachvarianten verantwortlich zeichnet.

Wer sich nun wünscht, eine Lesung von Francisco Cienfuegos zu erleben, muss trotz Coronaschutzmaßnahmen nicht darauf verzichten: Auf der Internetplattform www.dringeblieben.de ist am morgigen Samstag ab 20 Uhr ein Liveauftritt mit Ismael de Barcelona zu sehen.

VON MARIAN MEIDEL

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare