M.Schneider: Maßgeschneiderter Wechsel

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Anita Ebeling hat die Geschäftsführung des Modehauses M.Schneider an Stefan Becker übergeben.

Offenbach - Irgendwann in diesem Gespräch, das in angenehmer Atmosphäre doch viel länger als geplant dauert, kommt der Gedanke: Die beiden sind eigentlich ein ideales Team. Von Matthias Dahmer

Doch der Wechsel ist längst vollzogen an der Spitze des Modehauses M. Schneider, dem seit Jahrzehnten leuchtenden Turm im Offenbacher Einzelhandel. Die langjährige Geschäftsführerin Anita Ebeling hat Ende vergangenen Jahres aufgehört, morgen wird sie offiziell verabschiedet. Seit Anfang Januar lenkt Stefan Becker die Geschicke des Hauses an der Frankfurter Straße und der auf drei angewachsenen Ableger in der City.

Für Anita Ebeling (61), war’s kein leichter Abschied, wie sie nach kurzem Zögern zugibt. Kein Wunder. 40 Jahre sind eine lange Zeit, da ist einem so mancher vom Personal und aus der Kundschaft vermutlich ans Herz gewachsen. 1971 hat die im heute tschechischen Karlsbad geborene Anita Ebeling im damaligen „Kaufhaus“, einem Vollsortimenter, angefangen. Sie hat sich in der Offenbacher Filiale von M. Schneider, der seinen 1998 geschlossenen Hauptsitz auf der Frankfurter Zeil hatte, von der Kontoristin über die Abteilungsleiterin und Assistentin der Geschäftsleitung bis zur Chefin hochgearbeitet.

Stefan Becker tritt in ihre Fußstapfen

Stefan Becker tritt nun in ihre Fußstapfen. Zu groß werden sie dem 44-Jährigen wohl nicht sein. Auch der Obertshausener ist ein Eigengewächs von M.Schneider, hat vor 28 Jahren als Azubi dort angefangen. Anita Ebeling war seine Ausbilderin im dritten Lehrjahr. „Wir haben in den vergangenen fünf Jahren ohnehin schon eng in der Geschäftsführung zusammengearbeitet“, sagt der Nachfolger. So ist es für ihn nur folgerichtig, auf Kontinuität zu setzen, den eingeschlagenen Kurs beizubehalten. Und wenn Stefan Becker so erzählt von seiner Sicht auf die Einkaufsstadt Offenbach, dann merkt man schnell: Das sind keine Lippenbekenntnisse eines von außen geholten Managers. Hier macht sich einer Gedanken, der verwurzelt ist, hier engagiert sich einer dafür, dass es wieder aufwärts geht mit der so oft geschmähten Stadt.

Natürlich muss der Geschäftsführer eines Traditionsunternehmens zu allererst seine Firma im Blick haben. Doch hier ist das Feld gut bestellt. Das Haupthaus, das Strumpfzentrum in der Großen Markstraße und das Outlet am Aliceplatz, beide 2008 eröffnet, sowie der ein Jahr später hinzugekommene Shop im KOMM - sie laufen alle gut. Als offenes Geheimnis gilt, dass M.Schneider für nicht wenige oft der Hauptgrund für einen Besuch der Innenstadt ist.

Verkauf pro Kunde um 50 Prozent gestiegen

Stefan Becker und Anita Ebeling können das mit Zahlen belegen: In den vergangenen zehn Jahren sei der durchschnittliche Verkauf pro Kunde um 50 Prozent gestiegen. Dass das Modehaus über die Grenzen der Stadt hinaus beliebt ist, zeigt für Becker allein die Tatsache, dass von den 16 000 ausgegeben Kundenkarten die Hälfte an Nicht-Offenbacher gegangen ist. Und unter diesen Stammkunden, so viel Eigenlob sei dem neuen Geschäftsführer gern gestattet, sind 2000 Frankfurter.

Was ist denn nun das Erfolgsrezept? Ebeling und Becker sind sich einig: Der Umgang mit den Kunden und dem Personal macht den Unterschied. „Hier arbeiten Menschen für Menschen“, formuliert Stefan Becker und weist unter anderem darauf hin, dass die Zahl der Mitarbeiter höher ist als in anderen Bekleidungsgeschäften und die Kundschaft das mittlerweile schon inn zweiter oder dritter Generation zu schätzen weiß.

Zukunft Offenbachs als Einkaufsstadt

Was die Zukunft Offenbachs als Einkaufsstadt angeht, ist für die alte und neue Geschäftsleitung Pessimismus nicht angesagt. Zwar fehlt nach wie vor ein Herrenausstatter und man bemüht sich, mit dem eigenen Angebot dem weitgehend Rechnung zu tragen. Und der Aufwertung der Innenstadt würde es sicher gut tun, wenn es endlich mit der City-Passage voranginge. Doch kurze Wege und Fachgeschäfte, die man in anderen Städten vergeblich sucht, zeichnen für Ebeling und Becker den Standort aus.

Außerdem: „Wenn wir nicht an Offenbach glauben würden, hätten wir keine drei Filialen eröffnet“, sagt Stefan Becker. Er hofft, dass die potenzielle Kundschaft das auch so sieht, und sie „das Positive an der Stadt noch viel mehr nach außen trägt.“

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