Die Wirtschafts- förderung lud zum zweiten Mal die schöpferische Branche ein - und feiert einen Heimkehrer.

Made in Kreativstadt

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Wolfgang Henseler (Zweiter von rechts) hatte viel zu erklären: Sein „Multitouch“-Computer war ein Renner des Fests.

Offenbach - Den ersehnten Titel einer „Kreativstadt“ muss man sich erarbeiten. Man kann ihn sich aber auch regelrecht erfeiern wie am Mittwochabend im Gründerzentrum Ostpol°: An der Hermann-Steinhäuser-Straße 43-47 mischen sich rund 200 Kreative Offenbachs untereinander und mit etlichen kommunalen Politikern. Von Thomas Kirstein

Dass die Heimstatt einer Hochschule für Gestaltung und 1368 schöpferischen Betrieben und Freiberuflern längst „Kreativstadt“ ist, stand kaum zur Debatte unter gut gelaunten Werbern, Grafikern, Designern, Künstlern, Kunsthandwerkern, Marktforschern, Beratern, Journalisten, Fotografen, Filmern, Forschern oder IT-Entwicklern.

Zum zweiten Mal zum Kreativ-Fest geladen hatte die Wirtschaftsförderung. Die Gemeinnützige Baugenossenschaft (GBO) stellte mit ihrem „Ostpol“ das auch vom Symbolwert her geeignete Anwesen: Hier sind 70 oft von HfG-Absolventen gegründete Unternehmen daheim; hier ist die KIZ-Zentrale für Existenzgründung Anlaufstelle; hier wirkt die Musikschule; hier schlafen 80 Studenten der Frankfurter School of Finance & Management.

Im schönen Innenhof wird mit kühlen Getränken, Gegrilltem und Musik der Astor Club Band gefeiert. Dass es kurz regnet, ist für Oberbürgermeister Horst Schneider „Glück mit dem Wetter“: Man rückt, förderlich für Kommunikation und Kontaktaufnahme, enger unter den Schirmen zusammen. Wirtschaftsförderer Jürgen Amberger verrät, dass es sich um einen nicht ganz uneigennützigen Abend handelt: Sein Amt will möglichst viele kreative Meinungen einholen und seine Internet-Plattform „Kreativwirtschaft“ um weitere Betriebe bereichern.

Die bei der HfG angesiedelte Hessische Film- und Medienakademie zeigt im Quartierssaal eine Rolle mit Kurzfilmen hessischer Kunsthochschulen. GBO-Chef Winfried Männche führt Gäste stolz durch seinen Gebäudekomplex, in dessen 2. Obergeschoss Naturheilerin Daniela Disser in die Augen blickt oder durch Hals- und Schultermassage Entspannung verschafft. Im Erdgeschoss dürfen sich kreative Firmen präsentieren - der Karton-Designer Klaus Kob, die EDV-Dienstleister „Tec2Date“ und Andreas Bäß und die EVO-Tochter „24/7 Metering“. Die hat Alltagstaugliches für die gar nicht mehr ferne Zukunft vorzustellen: elektronische Verbrauchszähler, die jedem Kunden detaillierten Datenabruf via Internet gestatten.

Und dann ist da noch jemand, dessen Angebot wohl von jedem Kreativkollegen angesteuert wird. Wirtschaftsförderer Amberger hat Neugier auf eine „Weltneuheit“ geweckt; GBO-Geschäftsführer Männche ist ganz begeistert: „Das ist unser Vorzeige-Kreativer: An der HfG studiert, hinaus in die Welt und jetzt wieder in Offenbach!

Er meint Professor Wolfgang Henseler, „Managing Creative Director“ der „Sensory Minds GmbH“. In den späten 90ern war Henseler (48) groß im IT-Geschäft mit seiner Offenbacher „Pixel Factory“, die er für ein lukratives Aktienpaket verkaufte; er gründete ein neues Unternehmen in Bad Homburg, das er ebenfalls zu Geld machen konnte. Nun arbeitet der in Rumpenheim lebende Software-Spezialist und Hochschullehrer hier an der Zukunft des Computers. Im „Ostpol“ darf jeder begreifen, was sein „Natural Interface User Design“ heißt. „Touchscreens“, auf Berührung reagierende Bildschirme, gibt es schon länger - aber nur für einen Benutzer. In Offenbach werden, in Zusammenarbeit mit Microsoft, Oberflächen kreiert, an denen gleichzeitig mehrere Anwender arbeiten. In Kürze installiert Henselers Firma am Nürburgring einen Weltrekord: einen 45 Meter breiten Touchscreen, an dem gleichzeitig 300 Nutzer agieren können. Leider wird von denen keiner würdigen, dass er sich an einem Produkt made in Kreativstadt Offenbach versucht.

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