„Grimm!Slam“ in der HfG

Bas Böttcher: Alte Märchen im neuen Gewand

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Wahl-Berliner, reisender Dichter, Rezitator und Slam-Poet: Bas Böttcher.

Offenbach - Bas Böttcher präsentiert beim "Grimm!Slam" in der Hochschule für Gestaltung selbstgeschriebene Gedichte auf Basis der Grimmschen Märchen vor. Da kannd er gestiefelte Kater schon mal zum Synonym für ein Morgen nach einer durchzechten Nacht werden. Von Ronny Paul

„Und glaube ich, ich beherrsche meine Sprache, beherrscht womöglich meine Sprache mich. Das macht die Sprache – die Macht der Sprache. Und denke ich, ich spiele mit meiner Sprache, dann spielt noch viel mehr die Sprache mit mir.“

Das Spiel mit der Sprache ist für den Poeten Bas Böttcher ein Genuss. Beim „Grimm!Slam“, eine Abwandlung des Poetry Slam, trägt er selbstgeschriebene Texte auf Basis der Grimmschen Märchen vor. „Nenn mich Versager, ich nenn mich Vers(e)-Sager“, sagt er augenzwinkernd.

Der Wahl-Berliner, reisender Dichter, Rezitator, Slam-Poet, ist auf den Bühnen der Welt zu Hause. Egal ob in Frankreich, Brasilien oder in den USA, seine Vorträge begeistern selbst diejenigen, die ihn nur mit Untertiteln verstehen können. Grund genug für das Hessische Forum Wissenschaft und Kunst, diesen Lyriker als Konzipienten für ein Programm zum Grimm-Jahr zu engagieren.

Denn Böttcher schafft es spielerisch, die alten Märchen auseinander zu friemeln und sie in neuen Kontext zu setzen. Zusammen mit dem Frankfurter Dalibor Markovic und Temye Tesfu aus Berlin trägt er in der Aula der Hochschule für Gestaltung sein Repertoire vor.

Einer von nur drei Auftritten

Beim letzten von nur drei exklusiven Auftritten – zuvor war er in Darmstadt und Kassel – begeistert Böttcher das Publikum in der HfG mit seinen Wortspielen. Zum Beispiel wenn er zwei kombinierte Vokabeln spielerisch zu neuem Sinn verknüpft: Kissenschlacht ist auf einmal ein Schlachtkissen, die Wollust wird zur Lustwolle und die Ochsenschwanzsuppe gar zum Schwanzsuppenochsen.

Für den gelernten Medienentwickler nichts Besonderes. Böttcher findet, dass er genau das tut: Medien entwickeln. Denn für ihn ist die Sprache, im Gegensatz zur digitalen Variante, das vielleicht lebendigste Werkzeug der Kommunikation: „Das ,Spoken Word’ gibt dem Text die Energie zurück, die er beim Aufschreiben verloren hat“, zitiert er seinen Dichter-Kollegen Gauner. Seine Texte seien sehr von musikalischer Rhythmik geprägt. Manches erinnert an Sprechgesang.

Er betrachte die Arbeit mit den Grimmschen Märchen als Steilvorlage, als Sprachgestaltung am lebenden Objekt. So heißt Aschenputtel bei ihm Cinderraver, die Bremer Stadtmusikanten werden zu Hausbesetzern und der gestiefelte Kater Synonym für übermäßigen Alkoholgenuss: „Mein Haupt wird heimgesucht vom gestiefelten Kater, doch es folgt auf tausend immer noch eine Nacht.“

Dalibor Markovic würzt das sprachliche Geschick Böttchers mit Beat-Box-Elementen. Durch die Imitation eines Perkussion-Instruments mit dem Mund entstehen konsonantenähnliche Klänge. Damit demonstriert Markovic das Spiel mit Lauten und Sprache in direktem Bezug zu den Grimms, die das Morphem als kleinste bedeutungstragende Einheit im deutschen Sprachgebrauch definierten.

Poetry Slam an der Leibnizschule

Der hessische Staatssekretär für Wissenschaft und Kunst, Ingmar Jung, freut sich sehr über das entstandene „Crossover-Projekt“ zwischen Poetry Slam und Grimm-Jahr. Seit zwei Jahren fördert er bewusst neue Formate und dankt der HfG für die gelungene Kooperation. Deren Präsident Bernd Kracke betrachtet „Wort & Performance“ als eines der Metiers seiner Hochschule und ist verzückt vom Verlauf des „Grimm!Slams“.

Der Poetry Slam entstand 1986 in Chicago. Die deutsche Szene gilt als zweitgrößte der Welt.

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