Märchenfee  mit Fanclub

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Ein bisschen klingt es wie ein Märchen, dass die Frau, die als Offenbacher Märchenfee Kinderherzen höher schlagen lässt, heute 80 Jahre alt wird.

Offenbach ‐ Diese Geschichte beginnt zum Glück nicht mit „Es war einmal“. Hauptfigur Erika Hohmann ist topfit, das Haar immer noch voll und nicht gefärbt, der Verstand klar, „und meine Zähne hab ich auch noch“. Von Barbara Hoven

Ein bisschen klingt es wie ein Märchen, dass die Frau, die als Offenbacher Märchenfee Kinderherzen höher schlagen lässt, heute 80 Jahre alt wird. Ist es aber nicht. Erika Hohmann hat einfach keine Zeit zu altern. Seit mehr als einem Jahrzehnt bringt sie Kindern in Museen, bei privaten Feiern, in Schulen und Kindergärten Märchen näher. Sie erzählt sie frei, aus dem Gedächtnis, so habe sie es schließlich immer gemacht, sagt sie. Und damit die Kleinen nicht nur still sitzen und sich berieseln lassen, dürfen sie sich als Hexen, Sterntaler oder Prinzessinnen verkleiden und die Geschichten nachspielen.

Deshalb hat die Märchenfee neben einem großen Repertoire an Geschichten auch immer Koffer mit Kostümen, Perücken und Requisiten dabei. Oft eine logistische Herausforderung, die ohne die Unterstützung von Tochter Rosemarie Neidinger auf wie hinter der Bühne kaum zu meistern wäre. „Und ich wollte jetzt nach meinem Geburtstag eigentlich auch mal eine Pause einlegen, solange das Ledermuseum umgebaut wird“, sagt Hohmann und lächelt verschmitzt. Denn kaum war der Gedanke geäußert, da hätten auch schon Mütter angerufen und gefragt: „Was machen wir ohne die Märchenfee?“

500 Kostüme gehören zum Feen-Fundus

Also war die Idee des Pausierens schnell Geschichte. Und das Wort Pause, das kann man der Frau, die von sich sagt, dass sie „die Märchen inzwischen lebt“, bei einem Blick in ihre Wohnung sowieso nicht mehr abnehmen. Weil zum Feen-Fundus mittlerweile mehr als 500 Kostüme gehören, gibt es im Appartement im sechsten Stock des Rumpenheimer Anni-Emmerling-Hauses keinen Raum ohne Requisiten. Neben dem Bett wacht der singende Hund aus den Bremer Stadtmusikanten, blauer Satin und Tüllröcke gucken aus dem Schlafzimmerschrank hervor. Und weil der schon lange nicht mehr reicht, sind die Brautkleider - in Märchenstunden stets höchstes Kleinmädchenglück - nach nebenan gezogen, an eine Kleiderstange im Nähzimmer.

Für die Schneidermeisterin, die einen Großteil der Kostüme selbst näht, ein wichtiger Raum. Ebenso wie der Flur, wo die Truhe steht, die ihr verstorbener Mann ihr geschenkt hat. Sie ist voll mit Hüten und märchenhaftem Kopfschmuck. An den Wänden hängen Erinnerungsfotos und Dankesschreiben, die Kinder der Märchenfee geschickt haben.

Einige ihrer jungen Fans kommen seit Jahren regelmäßig zum Mitmach-Theater; eine Kindergärtnerin hat einen Fanclub gegründet, der Fahrten zu Hohmann-Auftritten in Darmstadt, Wiesbaden oder im Hessenpark organisiert. Andere haben über die Fee das Theaterspiel für sich entdeckt. Kein Wunder, dass die Märchenfee kaum zu bremsen ist, wenn sie von „den goldigen Kindern“ erzählt. Die treuesten hat sie unlängst zur großen Feier ins Ledermuseum geladen. Es gab Auszeichnungen, den „Goldenen Hirschen“.

Vier Enkel und vier Urenkel bei Geburtstagsfeier

All das macht Hohmann, „weil Kinder mir Kraft geben, wenn ich die Freude in ihren Augen sehe“. Außerdem will sie dafür kämpfen, dass das Kulturgut Märchen nicht in Vergessenheit gerät und die Kinder etwas lernen. Ihr Engagement ist ehrenamtlich, der geringe Verdienst bei Auftritten geht gleich wieder für Fahrtkosten, Saalmieten oder Reinigung drauf.

Umso wichtiger, dass die Familie mithilft. Sohn Friedhelm Duensing, Pädagoge und Dolmetscher, arbeitet in Usbekistan und bringt stets Tipps und Kostüme mit, die Schwiegertochter steht mit auf der Bühne, der Enkel kümmert sich um Licht- und Ton. „Der Tick der Oma schweißt die Familie zusammen.“

Drum sind auch beide Kinder, die vier Enkel und vier Urenkel heute Abend bei der Geburtstagsfeier in einer usbekischen Gaststätte in Frankfurt dabei. Danach geht´s gleich zum Flughafen: Mutter Erika und Tochter Rosemarie widmen sich einer anderen Leidenschaft: dem Reisen. Erika Hohmann hat viel gesehen von der Welt, den 75. Geburtstag feierte sie in Peking in einem Kaiserpalast. Diesmal heißt das Ziel Mallorca. Das nicht nur der Landschaft wegen. „Wir wollen eifrig einkaufen, weil es in Spanien so viele schöne und bunte Requisiten gibt.“

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