Magistrat thematisiert Gefahren

Die 21-jährige Katrin Papic hält von Spieleverboten auch nicht viel. „Ich selbst spiele nicht, bin aber der Meinung, dass, wer spielen will, dies auch tun soll. Gewalt hat nichts mit Spielen zu tun, sondern viel eher mit mangelnder Erziehung und einem schlechten Umfeld.“, sagt sie.das/Fotos(4): Suker

Offenbach - Sie machen süchtig, fördern die Gewaltbereitschaft, beeinträchtigen die Entwicklung von Heranwachsenden. Die Gegner sind sich einig, was die negativen Auswirkungen von Computer-Balllerspielen wie „Counterstrike“ angeht. Nicht selten werden sogar Stimmen laut, wonach es sich bei den sogenannten „Ego-Shootern“ um regelrechte Trainingsprogramme für Amokläufer handele.

Ein Thema, mit dem sich angesichts der für 17. April in der Stadthalle geplanten „Friday Night Games“, einer Meisterschaft für Computerspieler, auch die Offenbacher Politik beschäftigt.

Gebucht haben die Veranstalter von Turtle Entertainment die Halle bereits im September, bestätigt Birgit von Hellborn, die Geschäftsführerin der Stadthallen GmbH. In Offenbach sollen sich die besten Zocker der Electronic Sports League (ESL) im Kampf um Sponsorenverträge und ein Preisgeld von 130 000 Euro messen. Gespielt wird in dieser Saison in insgesamt neun deutschen Städten. In Offenbach erwarten die Organisatoren rund 1 300 Zuschauer. Ein Großteil der Liga-Fans verfolgt zudem die Finalspiele daheim über das Internet.

Ursprünglich waren zehn Spieltage vorgesehen. Der für den 27. März geplante Termin in Stuttgart war jedoch nach dem Amoklauf von Winnenden von der Stadt Stuttgart abgesagt worden. Birgit Simon, Offenbachs Bürgermeisterin und Jugenddezernentin, ist über die Veranstaltung gar nicht glücklich. Sie will heute mit ihren Magistratskollegen über die Problematik beraten. Die Gefahren, die von derlei Spielen ausgehen, sind nach Ansicht der Grünen vielfältig. Dabei gehe es nicht allein um die Verherrlichung von Gewalt, vielmehr seien Beeinträchtigungen der Heranwachsenden durch stundenlanges Spielen und die hohe Suchtgefahr bedenklich. „Wir hatten bereits Professor Christian Pfeiffer zu Gast“, sagt Birgit Simon. Der anerkannte Experte auf dem Gebiet der Jugendgewalt habe eindringlich auf Bedeutung und Gefahren der Killerspiele hingewiesen. Das belege, wie wichtig die Auseinandersetzung der Stadt mit diesem Thema sei, so die Jugenddezernentin. Welche Konsequenzen der Offenbacher Magistrat aus der Beratung letztlich ziehen werde, bleibe abzuwarten. Eine Absage der Veranstaltung in Offenbach wäre jedoch durchaus denkbar, meint Birgit Simon.

Ein mögliches Verbot der Meisterschaft sieht Stadthallenchefin von Hellborn eher kritisch. „Es gibt keinen gültigen Rechtsgrund, um die Veranstaltung zu verbieten.“ Die Spiele bei den „Friday Night Games“ seien nicht verboten und hätten eine Altersfreigabe ab 16 Jahren. Zudem gewährten die Veranstalter Jugendlichen unter 16 selbst im Beisein der Eltern keinen Zutritt. „Wir dürfen uns da nicht über das geltende Gesetz stellen“, warnt sie. Bei einem Verbot könnte die Stadt zudem mit Schadenersatzforderungen konfrontiert werden.

Auch die Offenbacher Jusos sprechen sich in einer Pressemitteilung gegen eine Blockade der „Friday Night Games“ aus. Forderungen in diese Richtung seine populistisch und nicht zielführend. „Die Keule rauszuholen und alle Computerspiele zu dämonisieren, ist nicht sinnvoll. Sie wieder als Sündenbock für alles herauszuholen, lenk nur von Versagen an anderen Stellen ab“, sagt Juso-Vorsitzender Martin Wilhelm. Die Eltern sollten vielmehr die Jugendlichen für die Gefahren solcher Spiele sensibilisieren.

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