Mahnwache für Toleranz und Kranzniederlegungen

„Maßloser Vorwurf“

Offenbach - Rund 100 Teilnehmer hatte eine Mahnwache für Toleranz, die gestern Nachmittag vor dem Rathaus stattfand. Sie leitete über zu Kranzniederlegungen anlässlich des Gedenkens an die Reichspogromnacht.

Grund für die Mahnwache war der verbale Angriff von muslimischen Jugendlichen auf den ehemaligen Stadtschülersprecher Max Moses Bonifer, der ein bundesweites Medienecho ausgelöst hatte. Aufgerufen dazu hatten SPD, Grüne und DGB, unterstützt von den Kirchen und dem Ausländerbeirat.

Oberbürgermeister Horst Schneider, der ebenso wie Vertreter der Jüdischen Gemeinde sprach, mahnte in seiner Rede zur Differenzierung: Zunächst lasse es ihn schaudern, wenn auch noch 76 Jahre nach der dunkelsten Zeit deutscher Geschichte ein junger Mitbürger wegen Tragens eines jüdischen Glaubenssymbols Opfer eines Übergriffs wird. Zugleich zeigte sich Schneider überzeugt, dass die große Mehrheit in Offenbach Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Diskriminierungen aufgrund religiöser Zugehörigkeiten ablehnt.

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Werte wie Toleranz und Offenheit müssten aber im Alltag vorgelebt und mit Zivilcourage verteidigt werden. Offenbach gebe bei diesen Bemühungen ein gutes Bild ab und brauche sich nicht hinter anderen Großstädten verstecken. „Das grundsätzlich gelungene Zusammenleben von Bürgern unterschiedlicher Nationalitäten, Sprachen und Religionen dürfen wir uns deshalb nicht absprechen lassen“, sagte Schneider in Bezug auf Aussagen Bonifers, wonach die Integrationspolitik in Offenbach gescheitert sei. Der OB trat dem Vorwurf entgegen, die Politik tue zu wenig. Ihr die Schuld zu geben an solchen Vorfällen, sei eine nicht zu akzeptierende Vereinfachung, die der Komplexität der Probleme nicht gerecht werde. Zudem warnte er vor den „Fallstricken der Pauschalisierung“. Der Vorwurf, die muslimischen Mitbürger seien in Gänze nicht integrierbar, sei maßlos und durch nichts zu begründen. Im Anschluss an die Mahnwache wurden im Gedenken an die Reichspogromnacht an der Flamme vorm Rathaus und am Gedenkstein am Platz der Deutschen Einheit Kränze niedergelegt. Danach fand eine Gedenkstunde in der Jüdischen Gemeinde statt.

nn

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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