Maifeier ist Tradition, aber kein alter Zopf

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Heike Weber arbeitet seit zwei Jahren in Offenbach.

Offenbach ‐ Neuer Platz, neue Chance. So könnte das Motto der traditionellen Veranstaltung der Gewerkschaften zum Tag der Arbeit am Samstag, 1. Mai, diesmal lauten. Von Simone Weil

Heike Weber, Organisationssekretärin des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), jedenfalls glaubt, mit der Verlegung der Feier vom Platz am Isenburger Schloss auf den Wilhelmsplatz und weiteren Neuerungen, auch „mal eine andere Kundschaft“ anlocken zu können. Schließlich will man kein Fest im kleinen Kreis feiern, sondern sich auch für andere öffnen. „Das ist kein alter Zopf, die Jugend ist mit dabei“, meint die DGB-Frau.

Weil der Ort frühzeitig festgelegt werden musste und zu diesem Zeitpunkt nicht feststand, wann die Bauarbeiten am Schloss beendet sind, entschieden sich die Organisatoren dafür, auf den Wilhelmsplatz auszuweichen. Immerhin zählten man im vergangenen Jahr an die 500 Besucher.

In Offenbach sieht der Tag der Arbeit diesmal folgendermaßen aus: Um 10.30 Uhr starten die Gewerkschafter mit einer Auftaktkundgebung am Wilhelmsplatz. Die anschließende Demonstration führt über Bismarckstraße, Aliceplatz, Berliner Straße zum Wilhelmsplatz. Die Hauptkundgebung ist auf halber Demostrecke gegen 11.15 Uhr auf dem Aliceplatz geplant. Dort wird Matthias Körner vom DGB-Bezirk Hessen-Thüringen sprechen. Ab 12 Uhr wird dann auf dem Wilhelmsplatz gefeiert. Zum ersten Mal übrigens in Zusammenarbeit mit dem Markthaus. Live-Musik steuert die Band „The Factory“ um Sänger Ralf „Boom Boom“ Becker bei, es gibt einen Infomarkt, Unterhaltung und Spaß auch für Kinder sowie Essen und Trinken. Gefeiert wird bis gegen 15.30 Uhr.

„Ich habe die Stadt echt entdeckt“

Obwohl es äußerlich viele Veränderung gibt, soll sich inhaltlich nach Heike Webers Auffassung nichts daran ändern, dass der „1. Mai unser Tag ist und immer bleiben wird.“ Angesichts der Krise hätten viele Menschen begriffen, wie wichtig eine starke Interessensvertretung sei. Die DGB-Repräsentantin in Offenbach hat außer ihrem Schreibtisch in den Ver.di-Räumlichkeiten (Bieberer Straße 39) auch einen Arbeitsplatz in Darmstadt. Das hat die Strukturreform so mit sich gebracht, bei der Gebiete zusammengelegt und frei werdende Stellen nicht mehr besetzt wurden. Seit zwei Jahren ist die 48-Jährige nun eben auch für die frühere Lederstadt zuständig. „Ich habe die Stadt echt entdeckt, was es hier für tolle Ecken gibt“, sagt die in Frankfurt lebende Soziologin.

Zu ihren Schwerpunkten vor Ort zählt die Organisationssekretärin Frauen- und Familienpolitik sowie Rechtsextremismus. Auch die Betreuung der Ehrenamtlichen gehört zu den Aufgaben. Ansonsten reicht das Spektrum der Tätigkeiten vom Plakatekleben bis hin zum Organisieren von Bildungsveranstaltungen. Aktionen zu den großen bundespolitischen Themen wie Mindestlohn und Leiharbeit stehen ebenso auf der Tagesordnung wie Veranstaltungen zum Frauentag oder zum sogenannten Equal-Pay-Day. Froh ist Heike Weber über die funktionierende Infrastruktur von Interessierten auch außerhalb der Gewerkschaft, mit denen man gut zusammenarbeiten kann.

Im Mai steht der Bundeskongress des DGB an, bei dem es um weitere Struktureformen und Zusammenlegungen von Büros geht. Verbessern will der DGB seine Arbeit auf lokaler Ebene.

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