Wand wird Wirklichkeit

Offenbach ‐ Die Wand wird Wirklichkeit - und damit der Wille der Bürger: Die hatten zum Abschluss der Bürgerbeteiligung zur Maindammsanierung eine Spundwand als Lösung für die maroden und zu niedrigen Winterdeiche entlang der Innenstadt und Rumpenheim bestellt. Von Marcus Reinsch

Der Lieferschein - Ende Februar als „Grundsatzbeschluss sowie Beschluss über die Einleitung des Planfeststellungsverfahrens“ auf der Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung - hat gerade die vorletzte Hürde genommen.

Oberbürgermeister Horst Schneider und Bürgermeisterin Birgit Simon berichteten gestern von der „größtmöglichen Mehrheit“ im Magistrat. Und auch die finale Entscheidung im Parlament werden die Fraktionen wohl eher zum Lob bürgerlicher Kompromissfähigkeit als dafür nutzen, noch einmal alles über den Haufen zu werfen.

Stimmt die Politik zu, was als sicher gelten darf, wird die Stadt dem schon lange nach einem leistungsfähigen Offenbacher Hochwasserschutz drängelnden Regierungspräsidium (RP) Darmstadt ihre Pläne schicken. Geplante Umsetzung: 2013 bis 2015. Kosten: rund 12,1 Millionen Euro.

Lesen mehr zu diesem Thema in unserem Stadtgespräch.

Das sind rund 4 Millionen mehr, als für die einfachste Lösung fällig gewesen wären. Doch nackten, stadtgestalterisch katastrophalen Minimalismus - alle Bäume ersatzlos weg, Deich erhöhen und befestigen, fertig - hatten sich Politik wie Bürger fast von Beginn der Diskussion an verboten. Problem: Das Land zahlt maximal 40 Prozent Zuschüsse, und die auch nur für unbedingt notwendige Kosten. Die Stadt wird also 7, eher 8 von den 12,1 Millionen Euro aus eigener Tasche finanzieren und deshalb andere Projekte verschieben oder begraben müssen. Eine zusätzliche Erhöhung des ebenfalls vom RP überwachten Offenbacher Schuldenstands zumindest hält der OB weder für möglich noch für erstrebenswert.

Und gemessen am Engagement, mit dem sich viele Bürger in den geradezu revolutionär üppigen Beteiligungsprozess stürzten, wird ein schöner Deich mit teils erhaltenen, teils neugepflanzten Bäumen manch anderen Mangel wenigstens vorübergehend vergessen machen. Für die Millionen lassen sich Spundwände zwischen Carl-Ulrich-Brücke und Allessa-Gelände und zwischen Kleinem Gässchen und Schloss am Rumpenheimer Ufer bauen.

Es gibt auch eine 90 Meter lange und bei Hochwasser mit einem mobilen Deichsystem abzuschottende „Scharte“ auf Höhe des Isenburger Schlosses, was besonders den OB beglückt. Schneider hatte stets auf den nur per Dammabsenkung machbaren freien Blick von Mainstraße und Schlossstraße auf den Fluss gepocht.

Tempo 30 und ein Lkw-Durchfahrtsverbot

Allein: Ein dermaßen langes Loch im Damm lässt mehr Verkehrslärm von der Mainstraße aufs als Freizeitareal wertvolle Mainvorgelände schwappen als bisher. Deshalb soll das Parlament mit der Dammsanierung auch gleich den Auftrag zu „lärm- und emissionsmindernden Maßnahmen“ in der Mainstraße beschließen.

Für die Ost-West-Achse sind schon lange Tempo 30 und ein Lkw-Durchfahrtsverbot im Gespräch. Umweltdezernentin Birgit Simon lässt gerade die Möglichkeiten prüfen. Sie rechnet aber auch damit, dass sich das Verkehrs- und das Umweltministerium in Wiesbaden bald einigen, ob Offenbach auch Umweltzone werden darf.

Rubriklistenbild: © Archiv: Georg

Kommentare