Künftige Mainaue

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Der Bürgeler Mainbogen, fotografiert flussabwärts von unserem Leser Jürgen Gries. Auf Offenbacher Seite soll eine Mainaue entstehen. Das alles hängt allerdings an der Finanzierung.

Bürgel - Still ruht in diesem Fall nicht der See, sondern die Aue. Besser: die künftige Mainaue. Grund: Die Stadt wartet auf die Finanzierungszusage des Landes. Aber auch dort ist das Geld bekanntlich knapp. Von Martin Kuhn 

Dem Anrufer ist eine gewisse Euphorie anzumerken: „Das Mainauen-Projekt ist gestorben. Alles heiße Luft. Das gibt nur keiner im Rathaus zu!“ Mit der Aussage konfrontiert, lacht Bürgermeister Peter Schneider. Neu ist ihm diese Einschätzung nicht. Selbst im persönlichen Gespräch habe er das so wahrgenommen – obwohl er es stets korrigiere. Richtig ist: Derzeit ruht das Projekt, da die Stadt auf die Finanzierungszusage des Hessischen Umweltministeriums wartet. Wann beziehungsweise ob diese überhaupt kommt, erscheint fraglich.

Das vermeintliche Aus fürs Mainauen-Projekt wertet die Stadt also als temporären Stillstand. Und Schneider vergisst nicht zu betonen: „Ich würde mich sehr freuen, wenn dieses Projekt auf der Offenbacher Uferseite verwirklicht wird.“ Der Bürgermeister begründet das mit einem Blick über den Main. Frankfurt plane die Reaktivierung eines Altarms des Flusses – „da bildet unser Mainauen-Projekt doch eine ideale Ergänzung“.

Das wird nicht überall so positiv bewertet. Für das „Auenprojekt“ reichte die Stadt 2013 beim RP Antragsunterlagen ein. Diese wurden dem Umweltministerium am 28. November weitergeleitet. Ziel: Aufnahme in die Finanzierung 2014 fürs Programm „Synergien zwischen der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) und der Wasserrahmenrichtlinie“.

Ende der künftigen Mainaue? Jein

Voraussetzung für die Aufnahme ist laut Ministerium-Sprecher Mischa Brüssel de Laskay, dass es sich um eine Maßnahme der „Gewässerentwicklung“ handelt. Außerdem müsse sie der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie dienen und „sich ganz oder überwiegend in einem Natura-2000-Gebiet befinden“. Genau das ist wohl in Bürgel nicht der Fall: Das vorgesehene Auenprojekt grenzt lediglich an ein FFH-Gebiet. „Eine Finanzierung über das genannte Programm ist daher nicht möglich“, heißt es aus Wiesbaden.

Also doch das Ende der künftigen Mainauen? Jein. Da das Projekt der Stadt grundsätzlich auf fachliche Zustimmung stößt, werde gegenwärtig in einem internen Prüfprozess nach „einer möglichen anteiligen Förderung“ gesucht. Wegen der Höhe der veranschlagten Kosten (bislang 2 bis 3 Millionen Euro, Anm. d. Red.) sei dieser Prozess noch nicht abgeschlossen.

Brüssel de Laskay: „Zudem müssen einzelne Positionen, wie etwa die Kosten für den Wegebau, noch kritisch hinterfragt werden, da diese prinzipiell nicht durch das Land zu tragen sind.“ Wobei es schon bei der ersten öffentlichen Mainauen-Präsentation hieß: „Die Stadt allein hat für so etwas kein Geld.“ Angedacht: 100-prozentige Kostenübernahme durch das Land...

Projekt überdenken

Beabsichtigt ist, den Prüfprozess bis zum Ende der Sommerpause abzuschließen und im Anschluss mit der Stadt über „mögliche Optionen“ zu sprechen. Das dürfte beispielsweise die Interessengemeinschaft zur Erhaltung des Mainbogens aufhorchen lassen, die seit gut 25 Jahren besteht und sich vor allem um Belange der Gartenbesitzer kümmert. Als Verein sei man nie groß an die Öffentlichkeit getreten, gibt Vorsitzender Uwe Knof zu.

Das ändert sich, da die Idee einer Flutmulde in keiner Weise akzeptiert werde. „Es sind seit 1933 gewachsene Gärten, die man nicht einfach platt machen kann“, sagt Knof. Die Besitzer hätten in dieser Zeit gelernt, mit den seltenen Hochwassern zu leben, und niemals Ansprüche an die Stadt oder das Wasserwirtschaftsamt gestellt.

Weitere Informationen gibt es im Internet auf der Seite der Stadt.

Für Knof und Mitstreiter steht fest: „Den Freizeitwert, den die jetzigen Grünanlagen besitzen, kann keine Flutmulde erreichen. Das Projekt sollte überdacht werden.“ Somit zählen die Laubenbesitzer zu jenen, die das Umweltamt einbinden will. Ohnehin ist Projektleiterin Ute Habelt klar: „Ohne Akzeptanz und Überzeugung haben wir verloren.“ Die Verwaltung weiß, dass es Informationsbedarf gibt. Daher ist auf den städtischen Internet-Seiten eine Karte hinterlegt. Darauf wird ersichtlich, welche Flurstücke im Gebiet betroffen sind. In der Verwaltung ist die Rede von „Splitter-Besitz“.

Es zeigt auch, dass auf „Fach- und Sachebene weiter gearbeitet wird – abseits unserer Planungsidee“, so Umweltamtsleiterin Heike Hollerbach. Stichwort: Freiraumentwicklungskonzept, das mit dem Auen-Projekt etwas aus den Augen geraten ist. Es umfasst Mainvorland, Kuhmühltal, Schultheisweiher und freie Feldflur.

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