Katastrophenschutz sieht Einschnitt kritisch 

Maindamm: Ist Absenkung unzulässig?

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So ähnlich könnte es vor dem Isenburger Schloss künftig aussehen, wenn die geplante Absenkung des Maindamms kommt. Die lokalen Katastrophenschützer betrachten die Absenkungspläne aus mehreren Gründen mit Sorge.

Offenbach - Sie gilt als das stadtgestalterische Sahnehäubchen auf der geplanten Sanierung des Maindamms: Die etwa 90 Meter lange Absenkung des Deichs vor dem Isenburger Schloss. Von Matthias Dahmer 

Was im Rathaus schon ausgemachte Sache ist, stößt auf massive Bedenken bei Offenbachs Katastrophenschützern. Entscheiden wird das Regierungspräsidium. Von einem Aus für die Deichabsenkung mag Oberbürgermeister Horst Schneider nicht sprechen. Natürlich sei er nicht erfreut über die Stellungnahme. Doch jeder handele in seiner Rolle und Verantwortung. Und es sei nun mal Aufgabe des Katastrophenschutzes, sich aus fachlicher Sicht zum favorisierten mobilen Hochwasserschutz zu äußern.

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Ein langwieriges Verfahren

Tatsächlich sind die geäußerten Bedenken ein Schlag für die Stadtplaner: Wie aus einem unserer Zeitung vorliegenden Gesprächsvermerk zur „Risikobetrachtung der Deichabsenkung am Isenburger Schloss“ hervorgeht, sehen die Feuerwehr als Untere Katastrophenschutzbehörde und der ESO in seiner Eigenschaft als Wasserwehrdienst die Absenkungspläne aus mehreren Gründen mit Sorge.

So stelle das vorgesehene mobile Schutzsystem aus fachlicher Sicht und nach gültigen technischen Regelwerken eine „unzulässige Handlung“ dar. Der Einsatz mobiler Elemente sei nur in Ausnahmefällen erlaubt, etwa wenn keine andere Möglichkeit des Objektschutzes bestehe. „Im vorliegenden Fall soll der vorhandene Deich zurückgebaut und durch ein minderwertiges System ausgetauscht werden“, heißt es im Vermerk. Der mobile Schutz berge systembedingte Risiken, die Betriebsbereitschaft könne durch menschliches oder technisches Versagen nicht sichergestellt werden.

Weiterhin werfen die Katastrophenschützer die Frage auf, ob die Stadt im Falle eines nicht mehr funktionierenden Hochwasserschutzes als „Verursacher einer besonderen Gefährdungslage“ von Betroffenen in Regress genommen werden kann. Etwa 7000 Menschen müssten bei einem Versagen des Systems in Sicherheit gebracht werden, eine gleichzeitige Evakuierung sei nicht möglich, heißt es. „Wie die reinen städtebaulichen Belange gegenüber dem Wohl der Allgemeinheit abgewogen werden, ist den Fachbehörden nicht nachvollziehbar“, formulieren die Katastrophenschützer.

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Wie OB Schneider weist auch Markus Eichberger darauf hin, dass die Bedenken nicht neu seien. „Die kennen wir seit 2012“, sagt der Chef des Stadtplanungsamts. Man habe deshalb die Stellungnahme von Feuerwehr und ESO zum Anlass genommen, die Planungen zu überarbeiten. So seien mittlerweile ein doppelwandiges System und sogenannte Dalben vorgesehen. Bei letzteren handelt es sich um sechs Pfähle aus Stahl, die vor den im Hochwasserfall aufzubauenden mobilen Schutzwänden fest in der Erde verankert werden. Sie sind jeweils 1,70 Meter hoch und haben einen Durchmesser von etwa einem Meter.

Wie berichtet, war wegen dieser sicherheitstechnischen Anforderungen ein Nachschlag von insgesamt 436.000 Euro nötig. Davon entfallen allein 98.000 Euro auf die Dalben. 338.000 Euro verschlingen aufwändige technische Lösungen für das Einbringen der Spundwände auf den nahezu 1,9 Kilometern zwischen Carl-Ulrich-Brücke und dem Allessa-Gelände. „Das, was möglich ist, haben wir gemacht“, versichert Eichberger. Entscheidend sei nun, wie das Regierungspräsidium (RP) als federführende Planfeststellungsbehörde mit der Stellungnahme verfahre. Die finalen Unterlagen gehen im März nach Darmstadt.

Dementsprechend ist vom RP noch nichts konkretes zu hören: „Das Verfahren befindet sich in einem Stadium, in welchem seitens des Regierungspräsidiums noch keine Aussage zur geplanten Absenkung getroffen werden kann“, sagt Sprecher Dieter Ohl. Nach Eingang der ergänzten Planung werde zu entscheiden sein. Die Deichsanierung Ende 2018 starten. Geschätzte Bauzeit: Zwei bis drei Jahre. Die Kosten werden auf etwa 14 Millionen Euro beziffert.

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