Wenn sich die Fähre losreißt

Maindamm: Sanierung kostet knappe halbe Million Euro mehr

Als die Welt auf dem Damm noch in Ordnung war: Die historische Ansichtskarte mit einer auf der Mainpromenade flanierenden Familie trägt den Poststempel des Jahres 1915.

Offenbach - Bei der erforderlichen Sanierung des Maindeichs bleibt es im Grundsatz bei der im Jahre 2011 beschlossenen Kompromiss-Variante. Die vom Oberbürgermeister und den Fachleuten aus der Verwaltung favorisierte nachhaltigere Lösung ist vom Tisch. Von Matthias Dahmer 

Allerdings machen sicherheitstechnische Anforderungen einen Nachschlag notwendig. Insgesamt belaufen sich die Ergänzungen, die als Erweiterung des Grundsatzbeschlusses von 2001 vom Stadtparlament verabschiedet werden müssen, auf 436.000 Euro. Davon entfallen 98.000 Euro auf Vorrichtungen, deren Notwendigkeit einem ausgeprägten Sicherheitsdenken bei den übergeordneten Behörden geschuldet ist. Es geht um sechs sogenannte Dalben, die als Schiffs-Prallschutz auf jenen knapp 100 Metern vorm Isenburger Schloss installiert werden müssen, wo der Deich zwecks besserer Sicht auf den Main abgesenkt wird. Die Pfähle aus Stahl, die vor den im Hochwasserfall aufzubauenden mobilen Schutzwänden fest in der Erde verankert werden, sind jeweils 1,70 Meter hoch und haben einen Durchmesser von etwa einem Meter. Das ziemlich unwahrscheinliche Szenario, mit dem die Notwendigkeit der Dalben begründet wird: Bei Hochwasser, bei dem ohnehin keine Schiffe auf dem Main unterwegs sind, reißt sich die Rumpenheimer Fähre los und prallt nach zweieinhalb Kilometern – nachdem sie die Kurve im Bürgeler Mainbogen genommen hat – gegen das Ufer am Isenburger Schloss.

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338.000 Euro verschlingen aufwändige technische Lösungen für das Einbringen der Spundwände auf den knapp 1,9 Kilometern zwischen Carl-Ulrich-Brücke und dem Allessa-Gelände. So muss beachtet werden, dass die Spundwände wegen unterschiedlicher Bodenbeschaffenheit nicht überall zehn Meter tief ins Erdreich gerammt werden können. An einigen Stellen würde das wegen wasserundurchlässiger Lehmschicht zu einem Aufstau des Grundwasser und zu nassen Kellern bei den Anwohnern führen. Die Lösung: kürzere Spundwände, die mit geneigten Ankern Richtung Mainstraße stabilisiert werden.

Doch auch das geht nicht problemlos. In der Mainstraße verläuft ein Mischwasserkanal, zu dem mindestens zwei Meter Abstand gehalten werden muss. Die Anker müssen deshalb mit Bohrpfählen gesichert werden. Dritte Schwierigkeit: Bei 21 Bäumen, die erhalten werden sollen, würden diese Bohrpfähle die Wurzeln schädigen. Die Lösung hierfür sieht so aus, dass die Pfähle an diesen Stellen mit Kies ummantelt werden, der dafür sorgt, dass das Grundwasser die Barriere unterströmen kann. „Wir hatten also Spezial-Lösungen dafür zu finden, dass die Keller der Anwohner nicht voll laufen und dass sowohl Kanal und Bäume geschützt werden“, fasst Markus Eichberger, Chef des Stadtplanungsamts, die Auflagen des Regierungspräsidiums zusammen.

Er geht davon aus, dass Ende 2018 mit der Deichsanierung begonnen werden kann. Geschätzte Bauzeit: Zwei bis drei Jahre. Die Kosten für die Deichsanierung werden auf knapp 14 Millionen Euro beziffert. Die mehrheitsfähige Variante sieht vor, dass von den derzeit 251 Bäumen 132 gefällt und dafür 134 neu gepflanzt werden. Nachteile der Baumerhalt-Lösung: Die Deichlinie wird keine einheitliche sein. Senkrechte, verkleidete Spundwände wechseln sich mit Abschnitten ab, in denen es wie bisher Böschungen geben wird. Es gehen bis zu sechs Meter Mainufervorgelände verloren und die Sanierung der Sandsteinmauer an der Mainstraße ist nur in wenigen Abschnitten möglich.

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Oberbürgermeister Horst Schneider macht keinen Hehl daraus, dass er die 2011 beschlossene Lösung nicht als die optimale Variante ansieht. Er hatte wie berichtet zusammen mit den Fachleuten aus der Verwaltung für eine radikale, dafür aber nachhaltigere Version der Deichsanierung geworben. Die sah vor, dass zunächst alle Bäume fallen und dann neue in Form einer duchgängig doppelreihigen Allee angelegt werden. Das hätte 327 Bäume und damit 75 mehr als bisher bedeutet. Er habe mit der neuen Mehrheit lange und intensiv über die von ihm bevorzugte Variante gesprochen, sei damit aber nicht durchgedrungen, sagt Horst Schneider. „Nun habe ich mich dem zu beugen.“ Auf einen formellen Vorstoß auf der parlamentarischen Schiene werde er verzichten.

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