Mit freier Sicht aufs Schloss

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Die Absenkung des Maindamms in Höhe des Isenburger Schlosses gehört zu den stadtgestalterischen Feinheiten der Sanierung.

Offenbach - Der befürchtete Kahlschlag wird wohl vermieden: Wenn alles läuft wie geplant, bleibt den Offenbachern der lieb gewonnene Anblick eines baumbestandenen Maindamms erhalten. Von Matthias Dahmer

Das sieht jedenfalls der Entwurf vor, den das Regierungpräsidium im Zuge des Planfeststellungsverfahrens zur Einsicht ausgelegt hatte und der bei einem offiziellen Erörterungstermin Ende April noch einmal behandelt wird. Nach diesem Entwurf soll bei der dem Hochwasserschutz geschuldeten Sanierung eine Version verwirklicht werden, die einer Kombination zweier bei der umfangreichen Bürgerbeteiligung bevorzugter Varianten entspricht.

Am Ende wird’s aber mehr Grün sein als vorher

Das sehen die Pläne für das Ende des 19. Jahrhunderts errichteten Bauwerks vor: Auf den 1,1 Kilometern zwischen der Carl-Ulrich-Brücke und dem Deichtor am Allessa-Gelände bleibt der alte zweireihige Baumbestand grundsätzlich erhalten. Am Fuß der mainseitigen Böschung entsteht eine senkrechte, nach außen mit Natursteinen verkleidete Spundwand, der Zwischenraum wird bis zur Deichkrone mit Erde aufgefüllt. Dort, wo es jetzt schon eng ist auf dem Mainvorgelände, soll es indes durch die Spundwand nicht noch enger werden. Weshalb an diesen Stellen die Wand nicht am Fuß der Böschung, sondern direkt an der Deichkrone gezogen wird. Folge: In diesen Abschnitten fallen die wasserseitigen Bäume.

Am Ende, so rechnen die Planer vor, wird’s aber mehr Grün sein als vorher. Derzeit stehen im fraglichen Abschnitt 204 Bäume. Voraussichtlich 86 davon müssen geopfert werden, dafür sind 116 Neuanpflanzungen vorgesehen. Macht unterm Strich 234 Bäume, die künftig den Weg auf dem Damm säumen.

An der Mainstraße Verkehrsberuhigung, möglicherweise mit Lkw-Durchfahrverbot

Planerisches Sahnehäubchen soll eine Absenkung des Damms auf einer Länge von 90 Metern in Höhe des Isenburger Schlosses samt Terrasse zum Mainvorgelände werden. Die freie Sicht von Main- und Schlossstraße aus auf den Fluss hat indes ihren Preis: Zum einen müssen für diesen Abschnitt mobile Hochwasserschutz-Elemente angeschafft werden, zum anderen - ein ungleich schwierigeres Unterfangen - ist dann an der Mainstraße Verkehrsberuhigung, möglicherweise mit einem Lkw-Durchfahrverbot, angesagt. Das gehört seit Jahren schon zu den erklärten, aber bislang nicht durchsetzbaren Zielen der jetzt zum Regionalverband wechselnden grünen Umweltdezernentin und Bürgermeisterin Birgit Simon.

Beim Hochwasserschutz für Rumpenheim hat man sich für folgende Varianten entschieden: Im Abschnitt Kleines Gässchen bis Neugasse (rund 153 Meter) sowie auf der Strecke zwischen Schlosspark und Baumsaal (etwa 155 Meter) wird eine verkleidete Spundwand vor die bestehende Mauer gesetzt. Von der Neugasse bis zum Restaurant „Schiffchen“ (circa 135 Meter), sowie in den Teilabschnitten „Schiffchen“ (etwa 25 Meter) und Pumpwerk/Schloss (rund 80 Meter) ist ein Dammbalkensystem geplant. Bis an die Gemarkungsgrenze zu Mühlheim soll der bestehende Deichkronenweg um etwa 20 Zentimeter erhöht werden.

Finanzierung noch nicht geregelt

Die Kosten für die gesamte Maindamm-Sanierung schätzt das federführende Amt für Stadtplanung und Baumanagement auf 12,1 Millionen Euro. Voraussichtlich 40 Prozent davon gibt es als Zuschuss aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz, sodass an der Stadt dann immer noch mehr als sieben Millionen Euro hängen bleiben.

„Mit dem Planfeststellungsbeschluss zur Maindamm-Sanierung ist deren Finanzierung noch nicht geregelt“, sagt Stadtplaner Joachim Bier-Kruse. Er weist dabei auf eine Besonderheit des Verfahrens hin: Das Darmstädter Regierungspräsidium ist als Behörde gleich in dreifacher Hinsicht gefordert. Zunächst ist es zuständig für den Hochwasserschutz und damit für das geplante Bauwerk. Dann entscheidet ein anderes Dezernat des RP über den Zuschuss. Und schließlich muss die in der Behörde angesiedelte Kommunalaufsicht darüber befinden, ob die Offenbacher Millionen für den Damm ausgegeben werden dürfen.

Erster Bauabschnitt wohl Anfang 2014

Das sich die drei Abteilungen noch ins Gehege kommen könnten, hält Bier-Kruse für unwahrscheinlich. Schließlich sei das Dezernat Hochwasserschutz des RP mit der von Offenbach favorisierten Sanierung in das Planfeststellungsverfahren gegangen. „Das heißt, man trägt unsere Variante mit“, so der Planer. Auch bei den Einwendungen gegen den Entwurf, der bis vergangene Woche im Rathaus ausgelegen hat, erwartet Bier-Kruse keine Überraschungen. Das Meiste sei wohl schon über die rege Bürgebeteiligung abgefangen worden.

Bis es losgeht mit den Arbeiten wird noch einiges Wasser den Main runterfließen. Nach dem Ende der Planfeststellung im Spätsommer und der folgenden Ausführungsplanung sollte die Finanzierung bis Ende 2013 stehen, schätzt Bier-Kruse. Anfang 2014 könnte dann mit dem ersten Abschnitt der Sanierung begonnen werden.

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