Besserer Schutz vor Hochwasser

Ein langwieriges Verfahren

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Das Main-Hochwasser: In Offenbach war’s noch am Wochenende für Radler allenfalls eine artistische Herausforderung, damit die Füße halbwegs trocken bleiben. 

Offenbach - Am Pegel Krotzenburg vermeldet der Hochwassernachrichtendienst für Donnerstag, 15 Uhr, 4,12 Meter. Dort steht der Fluss üblicherweise bei 1,50 Metern. Wird dem Main sein Bett zu klein, hat das meist einen glimpflichen Ausgang. Von Martin Kuhn

Den Offenbachern sind dramatische Meldungen wie aus dem bayerischen Passau oder dem sächsischen Dresden fremd – glücklicherweise. Dennoch gilt der Blick den Schutzbauten. Um im Bild zu bleiben: Bis die neuen Deiche stehen, dürfte viel Wasser den Main hinunterfließen.

In der Rumpenheimer Schmiedegasse, durch die’s üblicherweise zur Fähre geht, befindet sich das Dammtor, das als erstes von ESO-Mitarbeitern geschlossen wird. Grund: Es ist der tiefste Punkt entlang des Offenbacher Maindamms.

Es sind örtliche Besonderheiten und persönliche Befindlichkeiten, die den Hochwasserschutz aus einer Hand verhindern. Der lokale Maindeich gehört dem Land und der Stadt. Hessen hat seine Abschnitte längst saniert, Offenbach nach breitem Diskurs immerhin einen Grundsatzbeschluss gefasst und das für Laien komplizierte Planfeststellungsverfahren für (alles gerundet) 2,6 Kilometer kommunale Deichabschnitte: 1,8 Kilometer von der Carl-Ulrich-Brücke bis zum Deichtor Höhe ehemaliges Allessa-Gelände, 600 Meter durch Rumpenheim entlang der Wohnbebauung bis zum Schlosspark, 200 Meter bis zur Feldgemarkung Mühlheimeingeleitet. Diese Unterlagen liegen derzeit beim Regierungspräsidium in Darmstadt. Einen Beschluss erwartet die Stadtverwaltung bis Ende des Jahres. Damit ist es allerdings nicht getan. Es folgen Projektbeschluss der Stadtverordneten, Ausführungsplanung, europaweite Ausschreibung, Vergabe der Bauleistungen.

Baubeginn frühestens Mitte 2014

Stadtplaner Hans-Joachim Bier-Kruse rechnet mit dem Baubeginn frühestens in der zweiten Hälfte 2014. Aber beschleunigt denn die neuerliche Jahrhundertflut nicht ein solches Verfahren? „Eher nicht“, weiß Bier-Kruse aus seiner Erfahrung. Er betont gleichzeitig, dass die Unterlagen und somit das 12-Millionen-Euro-Projekt keineswegs in behördlichen Schubladen verstaubt seien.

Auf Vorstellung der Gutachten, Ortsbegehung und Planungswerkstatt (Januar 2011) folgten Parlamentsbeschluss (Februar 2011) sowie Planfeststellungsverfahren mit Offenlegung, Einwänden, Stellungnahmen und Erörterungstermin (April 2012). Das war alles zu berücksichtigen und einzuarbeiten.

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Falls es in Vergessenheit geraten ist: Zu finden war ein Mittelweg zwischen bestmöglichem Hochwasserschutz und größtmöglicher Baumerhaltung an der Mainstraße. Das gewährleistet die Planungsvariante 7 in Kombination mit einer Absenkung und Öffnung des Deichs am Isenburger Schloss. Ein Vorhaben, dass nicht nur Befürworter fand. Aus Kreisen des Hochwasser- und Katastrophenschutzes heißt es abseits der offiziellen Kanäle: „Eine mutige Entscheidung...“

Etaisiert ist die Ertüchtigung der Maindeiche im städtischen Haushalt bis 2017. Der mittlerweile vollzogene Schlupf unter den hessischen Schutzschirm hat daran nichts geändert. Gleichwohl könnte es angesichts leerer Kasse noch Änderungen geben – schließlich steht der Projektbeschluss aus, der konkretere Summen nennen wird. Magistrat und Stadtparlament dürften noch darüber diskutieren.

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Und eins darf als sicher angenommen werden: Billiger wird’s nicht. Aus dem Projektbeschluss ist abzulesen, wann Offenbach vor einem extremen Hochwasser geschützt ist, das rechnerisch nur alle 200 Jahre auftritt. „Die exakte Zeitplanung ist Teil der Ingenieurleistung“, so der Stadtplaner.

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