Sanierungsvarianten des Maindamms

Maindamm: Meinungen sind gespalten

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Der Offenbacher Maindeich – historische Ansicht von 1925.

Offenbach - Der Vorstoß von Oberbürgermeister Horst Schneider, die vor Jahren beschlossene Planung zur Sanierung des Maindamms zu überdenken, wird kontrovers diskutiert. Das wurde auch im Politischen Salon offenkundig. Von Harald H. Richter 

Uneinheitlich ist das Meinungsbild im Politischen Salon, dem von Bruno Persichilli moderierten offenen Gesprächskreis von Arbeiterwohlfahrt und Volkshochschule. Auf der einen Seite stehen die Befürworter der 2011 nach zähem Ringen um einen Kompromiss parlamentarisch beschlossenen und mittlerweile von der Tansania-Koalition aus CDU, Grünen, FDP und Freien Wählern verfochtenen Variante. Auf der anderen die Anhänger der von Oberbürgermeister Horst Schneider in seiner Eigenschaft als Baudezernent ins Gespräch gebrachten Alternativlösung, die betonen, ebenfalls das Beste zu wollen, um nach Jahren des Stillstands den Hochwasserschutz Offenbachs verlässlich sicherzustellen.

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Den hat das Regierungspräsidium in Darmstadt jüngst angemahnt und verlangt noch in diesem Monat eine verbindliche Erklärung, ob die Sanierung nach geltender Beschlusslage erfolgt oder anders. Je nach Variante soll der Deichausbau zwischen erwarteten 13,8 und 15,1 Millionen Euro kosten, sofern mit den Arbeiten im Jahr 2018 begonnen wird. Beide Planungen sehen vor, unter anderem den Deich in Höhe des Isenburger Schlosses auf einer Länge von 80 Metern abzusenken, damit von der Schlossstraße aus der Blick auf den Fluss erhalten bleibt. Bei Hochwasser sollen mobile Elemente die Stadt sichern. Streitigkeiten gibt es jedoch über die Bäume auf dem Maindamm.

„Mir geht es um eine nachhaltige Lösung, schließlich benötigen wir für die nächsten 100 Jahre einen wirksamen Schutz, der möglichst alle erdenklichen Auswirkungen der Klimaveränderung berücksichtigt“, bezieht OB Schneider vor rund drei Dutzend Zuhörern im Else-Herrmann-Haus Position. Unter den Gästen, die im Verlauf des Abends gleichfalls das Wort ergreifen, sind neben Bürgermeister Peter Schneider auch Mitglieder der Lokalen Agenda und der Vorsitzende des kommunalen Bauausschusses.

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Nach Horst Schneiders Vorstellungen soll der mindestens zur Hälfte angegriffene, beziehungsweise geschädigte Baumbestand komplett entfernt und sowohl land- als auch wasserseitig durch Neuanpflanzungen ersetzt werden. Der bisherige Plan, der 2011 nach einer Bürgerbefragung gefasst wurde, sieht vor, bei der Sanierung 132 von 251 Bäumen zu fällen und 134 neue zu pflanzen. Dort, wo die Bäume in zwei Reihen stünden, werde der Deich streckenweise verbreitert, die ohnehin vorgesehene Spundwand um zwei Meter zum Fluss hin verschoben und der Zwischenraum aufgeschüttet. Wo die Bäume nur in einer Reihe wachsen, bliebe der Damm schmal.

Die Deichlinie werde dadurch uneinheitlich, argumentiert Horst Schneider und hält die bisherige Varian-te daher für schlecht. Den von ihm veranlassten Berechnungen zufolge könnten aber 327 junge Bäume gesundes Wachstum auf der Deichkrone entfalten, deutlich mehr als nach der verabschiedeten Planung, der zufolge es 253 werden sollen. Dafür ist Horst Schneiders Lösungsvorschlag auch um rund 1,3 Millionen Euro teurer.

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Grünen-Bürgermeister Peter Schneider hält an der ursprünglichen Variante fest und erinnert daran, dass er bereits seit 2006 die Sicherstellung eines vernünftigen Hochwasserschutzes für Offenbach angemahnt habe. „Es liegt eine mit breiter Mehrheit erzielte Übereinkunft auf dem Tisch, die müssen wir nun auch ohne weiteren Verzug vorantreiben“, dringt er auf rasches Handeln im weiteren Verfahren.

„Der Mainabschnitt in Offenbach ist der einzige noch nicht gesetzeskonform ertüchtigte, jede erneute Verzögerung wäre daher unverantwortlich“, verlangt Peter Schneider ein Ende dieser Hängepartie. Ihm pflichtet der Bauausschuss-Vorsitzende Edmund Flößer-Zilz bei: „Wollten wir gefasste Beschlüsse jedes Mal für Jahre liegenlassen, um sie dann in Frage zu stellen, kämen wir in dieser Stadt gar nicht mehr voran.“

Horst Schneider kündigt an, seinen Vorschlag bei der für den 17. November anberaumten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung thematisieren zu wollen. Sechs Tage später endet die Frist, bis zu der das Regierungspräsidium verbindlich wissen möchte, wie in Sachen Hochwasserschutz der politische Wille in Offenbach lautet.

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